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Keramikgattungen und ihre Herstellung in Oberösterreich


Keramik ist der Überbegriff fĂŒr die nach einigen ihrer Merkmale eingeteilten Keramikgattungen. Die dabei zugrunde gelegten Eigenschaften sind die Farbe des Scherbens und seine Dichte, ob der Scherben porös oder gesintert (dicht) ist.

Poröser Scherben
Irdenware hat farbigen, porösen, also wasserdurchlĂ€ssigen Scherben. Sie wurde aus natĂŒrlich vorkommenden Rohstoffen mit einfachsten Verarbeitungs- und Brennbedingungen hergestellt. Die Brenntemperatur liegt zwischen 800 und 1000Âș C. Bis zur Entwicklung von Steinzeug und Porzellan wurde jahrtausendelang ausschließlich Irdenware hergestellt.

Fayence
Fayence unterscheidet sich nicht prinzipiell von der Irdenware, sie ist eine verfeinerte Irdenware mit oft farbigem Scherben. Der Ton wurde meist sorgfĂ€ltiger aufbereitet und enthĂ€lt hĂ€ufig einen erhöhten Kalkanteil zur besseren Haftung der deckenden weißen Zinnoxidglasur. Fayencen entstanden aufgrund des vergeblichen Versuchs, aus untauglichen Rohstoffen Porzellan herzustellen. Fayence wurde in Oberösterreich in Wels und in Gmunden hergestellt.

Steingut
Steingut wird aus verschiedenen natĂŒrlichen, weiß brennenden Rohstoffen (z. B. Kaolin) industriell mit höherem maschinellem Aufwand erzeugt, besitzt einen harten, jedoch porösen, gelblichen bis weißen Scherben, der zur Abdichtung beidseitig mit einer Glasur ĂŒberzogen wird. Steingut wird seit dem 18. Jahrhundert hergestellt.
Im MĂŒhlviertel wurde in Pregarten 1905 die „Erste Oberösterreichische Steingutfabrik PrĂ€garten K.G. Greiner & Co.“ gegrĂŒndet, die bis 1925 Steingutgeschirr vornehmlich KĂŒchen- und Waschgarnituren, SchĂŒsseln und Teller fĂŒr einen breiten Abnehmerkreis produzierte. Nach einem Ausgleichsverfahren wurde die Firma am 3. Dezember 1931 gelöscht.
In Engelhof bei Gmunden wurde in dem seit 1938 der Wilhelmsburger Steingutfabrik angeschlossenen Werk Steingutgeschirr hergestellt. 1946 wurden beide Werke mit dem ZentralbĂŒro in der Wiener Goethegasse in „Österreichische Keramik AG“ umbenannt. Heute gehört das Werk Engelhof, in dem moderne SanitĂ€rkeramik von höchster QualitĂ€t produziert wird, zu den wichtigsten Industrieanlagen des Bezirkes Gmunden.

Steinzeug
Steinzeug hat einen dichtgesinterten, also wasserundurchlĂ€ssigen, sehr harten und farbigen Scherben. Zu seiner Herstellung eignen sich nur spezielle Steinzeugtone, die bei Brenntemperaturen um 1100 bis 1300Âș C dicht sintern. Steinzeug wurde im Rheinland im Laufe des 13. Jahrhunderts entwickelt.
In Oberösterreich wurde Steinzeug in der Werkstatt des Wilhelm Gelhart in Maireck (bei Ried im Innkreis) in den Jahren 1853 bis 1887 hergestellt. Er stammte aus einer bedeutenden, ursprĂŒnglich aus dem Westerwald nach Peterskirchen (Gemeinde Dietersburg) bei Pfarrkirchen in Bayern zugewanderten „KannenbĂ€cker“-Familie, deren Waren, formal dem österreichischen Markt angepasst, in großen Mengen auch nach Ried im Innkreis und Linz verkauft wurden. Mit dem Brand seines Anwesens im Jahr 1887 beendete Wilhelm Gelhart die Produktion von Steinzeug in Oberösterreich. Durch die nahezu vollstĂ€ndige Übereinstimmung des Herstellungsprogramms der beiden WerkstĂ€tten lassen sich die oberösterreichischen Produkte bislang - mit Ausnahme der wenigen gestempelten Objekte, meist Flaschen - nicht von jenen aus Bayern unterscheiden.

Porzellan
Porzellan besteht aus einer kĂŒnstlich gemischten, weiß brennenden Masse, die bei ca. 1400 bis 1500Âș C wie Steinzeug wasserdicht gebrannt wird. Porzellan gilt wegen seines rein weißen Scherbens als das edelste aller keramischen Erzeugnisse.
Porzellan wurde im 6. Jahrhundert in China erfunden. Reisende wie der Venezianer Marco Polo brachten gegen Ende des 13. Jahrhunderts erste StĂŒcke nach Europa. Mit der GrĂŒndung der ostindischen Handelsgesellschaften zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Holland und England setzte der massenhafte Import von Porzellan aus China und Japan ein.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts versuchte man in ganz Europa das Geheimnis um die Herstellung des Porzellans zu lĂŒften, bis 1709 Johann Friedrich Böttger erstmalig die Herstellung des so genannten Böttgerporzellans gelang. 1710 wurde von August dem Starken, KurfĂŒrst von Sachsen und König von Polen, die erste Porzellanmanufaktur in Meißen ins Leben gerufen. 1718 grĂŒndete Claudius Innocentius Du Paquier die Manufaktur Du Paquier in Wien.

Ab 1789 wurde in der durch Kaiser Joseph II. 1785 aufgelassenen und eigens dafĂŒr adaptierten Abtei von Engelszell ein Hilfswerk der Wiener Manufaktur errichtet. WĂ€hrend anfangs dort nur Ton geschlĂ€mmt wurde, fertigte man spĂ€ter Geschirr an und fĂŒhrte einfache Malereien aus. Die Ware gelangte dann, ebenso wie die in der Wiener Manufaktur benötigte „Passauer Porzellanerde“ und das Brennholz, donauabwĂ€rts nach Wien. Das Hilfswerk ging 1809 an Bayern verloren.

In Lichtenegg bei Wels wurde in der Porzellangasse 32 und 34 seit der GrĂŒndung einer Porzellanfabrik durch den Wiener „Braun-Stammfest-Konzern“ im Jahr 1922 Porzellan fĂŒr elektrotechnische Zwecke und Gebrauchsporzellan, aber auch fĂŒr Hotellerie und Gastgewerbe hergestellt. Von Februar 1927 bis Juli 1929 war die Fabrik ein Filialbetrieb der Wiener Porzellanfabrik Augarten AG. Nach Übernahme 1929 durch die tschechische Porzellanindustrie unter FĂŒhrung der „EPIAG“ wurde der Betrieb bereits 1930 stillgelegt und die Mitarbeiter wurden entlassen.

Autorin: Alice Kaltenberger, 2007

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