Forum OÖ Geschichte

Der Entstehungsprozess der Keramik


Formgebung
Formgebung ist der Sammelbegriff fĂŒr die unterschiedlichen Bearbeitungsverfahren des Drehens, Aufbauens und Gießens.

Drehen auf der Töpferscheibe
Der allergrĂ¶ĂŸte Teil der Hafnereiprodukte wurde durch Drehen auf der Töpferscheibe hergestellt (Dies ist sehr schön am Ausstellungsplakat zu sehen). Der aufbereitete Ton lag in vorbereiteten Ballen auf der Bank neben dem Töpfer, sie waren auf die GrĂ¶ĂŸe des GefĂ€ĂŸes bemessen, das hergestellt werden sollte. Auf zeitgenössischen Darstellungen sitzt der Töpfer auf einer Bank vor der Drehscheibe, links daneben ein Stapel vorbereiteter Tonballen, rechts der Schlickkasten oder ein Wassertopf. Meist sind auch die Drehschiene zum GlĂ€tten der GefĂ€ĂŸaußenseite und die HĂ€ngebretter zum Trocknen der gedrehten Ware dargestellt.

Der Drehvorgang beginnt mit dem Zentrieren des Tonklumpens auf der Scheibe. Dann folgt das Aufbrechen des Tonballens und die Festlegung der BodenstĂ€rke. Nach dem Hochziehen zur gewĂŒnschten Form erfolgt die exakte Formgebung. Wenn das GefĂ€ĂŸ fertig ist, wird es von der Scheibe mit dem Abschneidedraht getrennt, abgehoben und auf ein daneben platziertes Brett, den Laden, abgestellt. War dieser voll, so wurde er in eine spezielle Vorrichtung zum Trocknen der GefĂ€ĂŸe eingeschoben. Diese bestand aus von der Decke herunterhĂ€ngenden, aufgebogenen HĂ€ngeeisen, in die zwei hölzerne Rundstangen eingelegt waren. Darauf wurden nun die LĂ€den mit der fertig gedrehten Ware eingeschoben. Die alten Hafner Oberösterreichs sprachen dabei vom Schoffrecht und verstanden darunter vermutlich das Maß der Tagesleistung.

Drehen vom Stock
Zur Herstellung grĂ¶ĂŸerer Mengen von kleinstem keramischem Geschirr,
wie Spielzeuggeschirr, bediente man sich des Drehens vom Stock. Dabei wird eine grĂ¶ĂŸere Tonmenge kegelförmig auf der Drehscheibe aufgebaut (Stock) und zentriert. Aus der Spitze des Kegels wird das GefĂ€ĂŸ geformt und dann abgeschnitten. So lassen sich, von oben beginnend, nacheinander rationell mehrere GefĂ€ĂŸe drehen. Man fĂ€hrt solange fort,
bis der ganze Stock verarbeitet ist.

Gipsformen
GrĂ¶ĂŸere Serien gleicher GefĂ€ĂŸe können unter Zuhilfenahme von
Gipsformen eingeformt/eingedreht bzw. ĂŒberformt/ĂŒberdreht werden. Beim Eindrehen wird ein GefĂ€ĂŸ in die vorgefertigte Hohlform eingedreht, die Außenseite des GefĂ€ĂŸes legt sich an die Innenseite der Hohlform an. Die GefĂ€ĂŸinnenseite wird mit einer Schablone, die an einem Arm - dem Schablonenhalter - befestigt ist, in die sich drehende Form eingefĂŒhrt, wodurch die endgĂŒltige Ausformung der Innenseite erfolgt.
Der umgekehrte Vorgang geschieht beim Überdrehen, wobei ein vorgeformtes Masseblatt auf die darunter liegende Gipsform, welche die Innenseite des GefĂ€ĂŸes ergeben soll, mit einem Schwamm bei rotierender Scheibe angedrĂŒckt wird. Nun erfolgt die Ă€ußere Formgebung mit Hilfe der an einem Hebel befestigten Holzschablone, die abgesenkt wird und durch die rotierende Bewegung der Drehscheibe die OberflĂ€che in die vorgegebene Form abdreht. Überdreht werden nur flache Formen wie Teller und Schalen.

Tonplatten
Eckige GefĂ€ĂŸe werden aus gleich starken Tonplatten zusammengesetzt. Als Beispiele fĂŒr diese Herstellungsweise sind Schlickkasten und „Vogelnirscherl“ (zweiteiliger kleiner FutterbehĂ€lter fĂŒr Wasser und Futter im VogelhĂ€uschen) anzufĂŒhren.

Gießen
Beim Gießen wird in eine ein- oder mehrteilige Gipsform so viel flĂŒssiger Tonschlicker gegossen, bis diese vollgefĂŒllt ist. Der Gips saugt einen Teil des im Schlicker enthaltenen Wassers auf, wodurch sich an der Formwand eine Schicht aus festerem Ton aufbaut, die nach einer gewissen Zeit die gewĂŒnschte StĂ€rke erreicht hat. Nach Ausgießen des ĂŒberschĂŒssigen Schlickers verbleibt in der Form der Rohling, der nach dem Trocknen entnommen werden kann. Gießen dient zur Anfertigung großer StĂŒckzahlen gleicher Form. Dieses Verfahren ist heute in der industriellen Fertigung, vorwiegend fĂŒr Steingut und Porzellan, ĂŒblich.

Trocknung
Nach Abschluss der Formgebung beginnt die Trocknung, deren Dauer vom Feuchtigkeitsgehalt des Tones, der WandstĂ€rke des GefĂ€ĂŸes, vom Feuchtigkeitsgehalt der umgebenden Luft, von der Raumtemperatur und der RaumlĂŒftung abhĂ€ngt.

Vom FrĂŒhjahr bis zum Herbst trocknete man nach Möglichkeit im Freien, aber auch in der Werkstatt, im Brennofenraum oder in einer eigenen Trockenkammer oberhalb des Brennofens, die durch die KaminwĂ€rme beheizt wurde.
Die frisch gedrehten GefĂ€ĂŸe wurden als grĂŒn bezeichnet, nach etwa
einem Drittel der gesamten Trocknungszeit war der lederharte Zustand erreicht, in dem das GefĂ€ĂŸ noch bearbeitet werden konnte, ohne zu verformen. Jetzt wurden GefĂ€ĂŸteile wie Ausgussrohre und Henkel angarniert. Auch reliefierte Appliken als Dekor wurden nun angebracht. Lufttrockener Ton ist das Maximum, das an der Luft zu erreichen ist. Das Stadium des knochentrockenen Tones ist der Endpunkt der Trocknung, der erst wĂ€hrend des Brandes im Temperaturbereich von etwa 120Âș C erreicht wird und bis zur beginnenden Scherbenbildung bei rund 600Âș C besteht.

Dekore
Die einfachsten Dekore sind Rillen und Wellenlinien, die mit einem kleinen Werkzeug wie Schiene oder Messer angebracht wurden. Die meist an Hals oder GefĂ€ĂŸschulter angebrachten Rillen können auch den Zweck der FĂŒhrungsnut fĂŒr eine Drahtbindung erfĂŒllen. Mit einem entsprechenden kammartigen Werkzeug werden Rillen- und WellenbĂ€nder eingetieft.

Beim gehackten „Zackerl“- oder Ratterdekor wurden mit einem federnden Instrument bei rotierendem GefĂ€ĂŸ Kerben in die OberflĂ€che geschlagen, weswegen die Kerben an engeren GefĂ€ĂŸteilen dichter, an weiteren einen grĂ¶ĂŸeren Abstand voneinander haben. Besonders hĂ€ufig tritt diese Dekorweise auf Steinzeugkannen aus Peterskirchen in Bayern und
Maireck bei Ried im Innkreis auf. Rollstempel- bzw. RĂ€dchendekor wird mit einer Rolle bzw. Walze in die noch weiche OberflĂ€che eingedrĂŒckt, wobei beim Abrollen ZierbĂ€nder mit sich wiederholendem Muster entstehen. Diese Dekorweise ist fĂŒr die so genannte Hausruckware charakteristisch, wie sie am Hafnerabfall von Oberleim zu beobachten ist. FlĂ€chiger Kerbschnittdekor erfolgt durch parallele oder versetzt angebrachte Schnitte mit einem speziell dafĂŒr zugerichteten SchneidegerĂ€t. Diese Dekorweise ist von der römerzeitlichen Terra sigillata bereits bekannt und fand besonders bei Steinzeug und steinzeugimitierender Irdenware des 16. und 17. Jahrhunderts wieder vermehrt Anwendung, wie Fragmente aus dem Hafnerabfall aus der Lederergasse in Eferding zeigen.

Erhabene Dekore sind gerundete Wulste und breite, kantig abgesetzte Leisten, auf denen Wellenlinien oder WellbĂ€nder zur weiteren Dekoration angebracht sein können. Angarnierte reliefierte Appliken wurden in Modeln ausgeformt, im lederharten Zustand entweder aus dem Model genommen und angarniert oder noch mit dem Model an die GefĂ€ĂŸwandung angedrĂŒckt.

Bunte Dekore wurden durch Auftragen von Engoben (dunnflĂŒssiger Tonschlicker zum EinfĂ€rben oder zur Beschichtung keramischer GefĂ€ĂŸe) oder Glasur erzeugt. Spritz- und TrĂ€ufeldekor wurde mit einer Rute oder einem kleinen gebĂŒndelten Reisigbesen, der zuvor in Glasur oder Engobe getaucht wurde, auf das lederhart getrocknete GefĂ€ĂŸ - meist auf SchĂŒsselinnenseiten - gespritzt oder getrĂ€ufelt. Abschließend werden derart verzierte GefĂ€ĂŸe noch transparent glasiert. In Gmunden wurde bei dieser Dekoration des grĂŒngeflammten Geschirrs das grĂŒne Spritzglas mit dem Malhorn aufgebracht. Eine sehr effektvolle und variantenreiche Verzierungsweise war der Malhorndekor.

Im Gegensatz zum Malhorndekor ermöglichte die Verwendung des Pinsels eine detailliertere Darstellung der Motive. Weitere Möglichkeiten mit Engoben zu dekorieren bestanden in Marmorieren, Fladern, Verziehen und KĂ€mmen. Bei diesen optisch sehr Ă€hnlich aussehenden Dekoren wurden die verschiedenfarbigen Engoben entweder mit einem spitzen Gegenstand verzogen oder durch SchĂŒtteln bzw. ruckartiges Drehen des GefĂ€ĂŸes eine Marmorierung/Fladerung erzeugt.
Beim SchwĂ€mmeln wurden mittels eines zugeschnittenen Schwammes Dekorfarben (Glasur oder Engobe) auf die GefĂ€ĂŸoberflĂ€che getupft.

Reiche und dennoch rationell angebrachte Verzierungsweisen sind die einfarbigen Umdruckdekore in schwarz, blau, grĂŒn oder rot vorwiegend auf Steingut sowie Abziehbilder, welche die Übertragung vielfarbiger Motive auf Basis der Lithographie ermöglichen. Diese Reproduktionstechnik wird bis heute angewandt.

Glasurherstellung
Die Herstellung der Glasur erfolgte vom Hafner selbst, indem Blei und Quarzsand zunĂ€chst in einem Mörser und dann in der GlasurmĂŒhle unter Zusatz von Wasser fein vermahlen wurden, bis ein dickflĂŒssiger Glasurbrei entstand. Lehmglasuren sind opake, meist braune, Glasuren, die Lehm als dominierenden Rohstoff enthalten. Bis zur Erfindung der bleifreien Lehmglasur in Bunzlau zĂ€hlen auch sie zu den Bleiglasuren. Glasiert wurde das rohe oder das zuvor einem SchrĂŒhbrand unterzogene GefĂ€ĂŸ durch Tauchen, Begießen, BeschĂŒtten, auch Spritzen mit MundblasgerĂ€ten oder heute mit Spritzpistolen.
Mit welcher Konsistenz die Glasur aufgetragen wurde, war Erfahrungssache des Töpfers.

Die in der Glasur enthaltenen Bleiverbindungen gefĂ€hrdeten die Gesundheit der Hafner und der Benutzer der GefĂ€ĂŸe. Insbesondere bei der Zubereitung von sĂ€urehaltigen Speisen erwiesen sich Bleiglasuren als besonders schĂ€dlich. Um die gesundheitsschĂ€dliche Wirkung der Bleiglasur zu vermindern, rieten verschiedene KochbĂŒcher des 19. Jahrhunderts zu vorbeugenden Maßnahmen. GefĂ€ĂŸe mit Bleiglasur sollten vor dem Gebrauch mit starker Lauge oder mit starkem Salzwasser mit Zusatz von Essig gut ausgekocht werden, um die schĂ€dliche Wirkung des Bleis zu beseitigen. Dennoch gab die Glasur immer geringe Mengen von Blei an die Speisen ab und bewirkte einen – nicht unerwĂŒnschten – sĂŒĂŸlichen Geschmack. Die Benutzer, denen dieser Geschmack zur Gewohnheit geworden war, behaupteten, dass beispielsweise gekochte Äpfel aus irdenen GefĂ€ĂŸen weitaus besser geschmeckt hĂ€tten als in den neuen Email- und Aluminiumtöpfen, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aufkamen.

Die Hafner, die ihre Glasuren selbst herstellten und tĂ€glich mit dem Glasurbrei die GefĂ€ĂŸe glasierten, waren besonders gefĂ€hrdet. Der feine Bleistaub verunreinigte die gesamte Werkstatt, dessen toxische Wirkung noch verstĂ€rkt wurde, wenn die Werkstatt zugleich auch als Wohnraum diente. Daher litten die Hafner hĂ€ufig an Bleivergiftung, die auch Hafnerkrankheit genannt wurde und fĂŒr die hohe Sterblichkeitsrate der Töpfer verantwortlich war. Die Krankheitssymptome sind Magenbeschwerden, Appetitlosigkeit, Haarausfall und schwarze RĂ€nder an den ZĂ€hnen. Im fortgeschrittenen Stadium war die Krankheit unheilbar und fĂŒhrte zum Tod. Obwohl die giftige Wirkung des Bleis bekannt war, fand man keinen Ersatz fĂŒr das Blei.

Im Gegensatz zur Bleiglasur sind Salzglasuren auf Steinzeug ungiftig, völlig unlöslich und widerstehen auch den meisten starken SĂ€uren. DafĂŒr wurde wĂ€hrend des Brandes, wenn der Ofen die höchste Brenntemperatur von ĂŒber 1200Âș C erreicht hatte und die GefĂ€ĂŸe weiß glĂŒhten, Kochsalz durch Öffnungen im Ofengewölbe in die Glut geschĂŒttet. Die NatriumdĂ€mpfe schlugen sich auf den GefĂ€ĂŸen nieder und bildeten die Salzglasur.

Brand
Die Ă€ltesten und einfachsten Formen Keramik zu brennen sind der Feld-, der Gruben- und der Meilerbrand, wobei das Brenngut im Freien gemeinsam mit Brennmaterial aufgeschichtet und beim Meilerbrand außen
mit nicht brennbarem Material umgeben wurde. Die BrennatmosphÀre lÀsst sich dabei nur eingeschrÀnkt kontrollieren, meist erfolgt der Brand in unkontrollierter MischatmosphÀre.

Ziel der Entwicklung von Brennöfen war, die heißen Brenngase möglichst schonend auf das Brenngut einwirken zu lassen und dennoch die Heizkraft des Brennmaterials weitgehend auszunĂŒtzen, woraus die Trennung des Feuerraumes vom Brennraum mit dem Brenngut resultierte. Beim stehenden Ofen sind Feuerungsraum und Brennraum ĂŒbereinander angeordnet und durch eine durchbrochene Zwischendecke, die Loch-
oder Schlitztenne, voneinander getrennt. Der Brennraum kann ĂŒberkuppelt (Kuppelofen) oder oben offen (Schachtofen) sein. Beim liegenden Brennofen sind Feuerung, Brennraum und Abzug horizontal oder unterschiedlich stark schrĂ€g ansteigend hintereinander angeordnet. Feuerungs- und Brennraum sind in der Regel durch ein senkrecht stehendes Feuergitter, eine durchbrochene Wand, getrennt. Die Flamme durchströmt waagrecht den Brennraum, was zu einer VerlĂ€ngerung des Flammenweges und damit zu einer intensiveren Ausnutzung der WĂ€rmeabstrahlung fĂŒhrt und eine Brennmaterialersparnis bis zu 30 % bewirken kann. Dadurch können bei entsprechend gesteigerter Feuerung höhere Temperaturen erreicht werden.

Als Brennmaterial diente Holz, bevorzugt Buchenholz, das eine lange Flamme gab, daneben aber auch Fichten- und Kiefernholz. Vereinzelt wurden, je nach lokalen Gegebenheiten, auch Torf, Braunkohle oder Kiefernnadeln zur Beheizung des Brennofens verwendet.

Beim EinrĂ€umen des Ofens wurde versucht, möglichst rationell viele GefĂ€ĂŸe unterzubringen; dabei wurden kleinere GefĂ€ĂŸe in grĂ¶ĂŸere gestellt und SchĂŒsseln aufgestellt dicht aneinander gereiht.

Der Brand ist der letzte wichtige Arbeitsschritt bei der Herstellung von Keramik. Dabei erfolgt bei einer Temperatur ab 600Âș C die Umwandlung des wasserlöslichen Tones in einen festen, wasserunlöslichen, bei Steinzeug und Porzellan bei hohen Temperaturen sogar wasserundurchlĂ€ssigen Scherben. Diesen Umwandlungsvorgang nennt man Scherbenbildung. Generell unterscheidet man hinsichtlich der BrennatmosphĂ€re.
Beim Oxidationsbrand erfolgt der Brand der luftgetrockneten GefĂ€ĂŸe unter vollem, ungehindertem Luftzutritt unter oxidierender BrennatmosphĂ€re, der eine gelbliche, rötliche bis brĂ€unliche FĂ€rbung des Scherbens ergibt.
Beim Reduktionsbrand wird der Brand der luftgetrockneten GefĂ€ĂŸe nach oxidierend gefĂŒhrtem Hauptbrand unter bestmöglichem Luftabschluss in reduzierender BrennatmosphĂ€re weitergefĂŒhrt. Der Luftabschluss wird durch Abdecken des Ofens beispielsweise mit nassem Lehm, durch Verschließen der Öffnungen mit Scherben und durch krĂ€ftiges Nachfeuern mit besonders harzreichem Holz bewirkt. In dieser Brandphase, die immer am Ende des gesamten Brennvorganges erfolgt, kommt es zu komplizierten chemischen Reaktionen, die eine graue bis schwarze FĂ€rbung des Scherbens verursachen. Im Reduktionsbrand entstand bei gleicher Temperatur ein hĂ€rterer und dichterer Scherben als bei oxidierender AtmosphĂ€re.
MischbrandatmosphĂ€re entstand durch unkontrollierte bzw. schlecht kontrollierbare BrennatmosphĂ€re, woraus Irdenware mit stark variierenden Farben resultiert, die von rötlich gefleckt, ĂŒber beige Nuancen bis grau an einem GefĂ€ĂŸ changieren.

SchrĂŒhen (SchrĂŒhbrand) ist das Brennen der geformten, unglasierten Ware um sie fĂŒr das Glasieren vorzubereiten. Die geschrĂŒhte Ware ist porös und lĂ€sst sich daher gut glasieren. Die Temperatur des SchrĂŒhbrandes ist in der Regel niedriger als jene des darauffolgenden Glasurbrandes, allerdings nicht unter 750Âș C.
Der Glasurbrand hat den Zweck, die Glasur auf den Scherben aufzuschmelzen. Das kann im Einmalbrandverfahren oder in einem zweiten Brand nach dem SchrĂŒhen geschehen.

Verlauf des Brandes
Der Verlauf des Brandes beginnt mit der VorwĂ€rm- oder Schmauchzeit, in der das im Ton enthaltene Wasser langsam entweicht. Ab etwa 200 bis 950Âș C vollzieht sich der Übergang vom Ton zur keramischen Masse, alle brennbaren organischen Beimengungen im Ton verbrennen restlos, am Ende dieser Phase steht als Ergebnis der keramische Scherben. Endet dieser Brand bei 900 bis 950Âș C, wird er SchrĂŒhbrand genannt. Nach einer weiteren Aufheizzeit ĂŒber 950Âș C brennen Carbonate, Schwefel und Kohlenstoff aus und es beginnt die Durchsinterung. WĂ€hrend der folgenden Haltezeit gart die Ware im Ofen, um allen Produkten eine gleichmĂ€ĂŸige Sinterung zu verschaffen. Im Ofen kann die Brenntemperatur stark differieren. Abschließend kĂŒhlt der Ofen langsam ab.

Nach dem Brand wurde der Ofen ausgerĂ€umt. Dabei wurden die missratenen, unverkĂ€uflichen GefĂ€ĂŸe von der verkĂ€uflichen Ware geschieden. Die ausgeschiedenen FehlbrĂ€nde wurden mitunter von Nachbarn fĂŒr VerfĂŒllungen von HohlrĂ€umen in HĂ€usern verwendet, wo sie heute bei Restaurierungsmaßnahmen gefunden werden, wie etwa die beiden HafnerabfĂ€lle in Eferding zeigen.

Autorin: Alice Kaltenberger, 2007


Dokumentation einer Ausstellungstrilogie im Stadtmuseum Wels-Burg, dem Museum Lauriacum in Enns und dem Heimathaus-Stadtmusem Perg vom 1. Juni bis 4. November 2007.

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