Forum OÖ Geschichte

Die Hafnerwerkzeuge


Handtöpferscheibe
Im FrĂŒh- und Hochmittelalter wurden die GefĂ€ĂŸe zunĂ€chst von Hand aufgebaut und auf einer handbetriebenen, langsam rotierenden Unterlage als Drehhilfe nachgedreht, wobei der Formungsvorgang nicht kontinuierlich verlief. Der Übergang von vollstĂ€ndig auf einer handbetriebenen Unterlage nachgedrehter Keramik zu ganz auf der fußbetriebenen Töpferscheibe gedrehten GefĂ€ĂŸen vollzog sich im 13. Jahrhundert.

Sprossenscheibe
Im SpĂ€tmittelalter wurde die Blockscheibe mit Fußantrieb verwendet, die in ihrer Form als Sprossenscheibe hĂ€ufiger abgebildet ist. Dabei verbinden Sprossen die Antriebsscheibe mit dem Scheibenkopf. Diese Form hielt sich in Europa das ganze Mittelalter hindurch bis weit in die Neuzeit hinein.

Spindelscheibe
Im 18. Jahrhundert wird die von italienischen Fayencemanufakturen verwendete Spindelscheibe ĂŒbernommen. Sie besitzt so viel Schwung, dass der Töpfer, wĂ€hrend er mit den HĂ€nden arbeitet, beide FĂŒĂŸe von der Scheibe nehmen und absetzen kann, um so seine ganze Aufmerksamkeit dem Drehen zu widmen. Dieser Vorteil hat der Spindelscheibe zu ihrer weltweiten Verbreitung verholfen. In kaum verĂ€nderter Konstruktion, jedoch oft mit Motor, wird sie bis heute von Kunsthandwerkern benutzt.

GlasurmĂŒhle
Mit der Anwendung von Glasur zur Abdichtung der GefĂ€ĂŸe wurden GlasurmĂŒhlen in den HafnerwerkstĂ€tten benötigt, die zum feinen Mahlen der im Wasser ausgeschlĂ€mmten Glasurbestandteile und Engoben dienten. Dabei lief, vergleichbar einer GetreidemĂŒhle, der runde LĂ€uferstein in der ebenfalls runden Wanne.

Schlickkasten
Beim Freidrehen eines GefĂ€ĂŸes feuchtet der Töpfer seine HĂ€nde an, damit der Ton nicht daran kleben bleibt. Dadurch bildet sich eine Schicht nassen und schlĂŒpfrigen Tons, der Schlicker. Dieser wird von den Fingern in den Schlickkasten gestrichen und dient dann beim Anbringen von Henkeln und anderen GefĂ€ĂŸteilen als Bindemittel. Der Schlickkasten war ein aus Platten aufgebauter zweiteiliger Kasten, in dessen einen HĂ€lfte sich Wasser zum Befeuchten der HĂ€nde befand, die andere diente zum Abstreichen des Schlickers. Eine einfachere Form war, ein oder zwei GefĂ€ĂŸe dafĂŒr neben dem Töpfer aufzustellen.

Kleinwerkzeug
Das wenige Werkzeug des Hafners bestand neben verschiedenförmigen Drehschienen aus Holz zur Formung und GlĂ€ttung der Wandung bzw. der OberflĂ€che, aus einem Messstöckchen und einem Stichmaß zum Einstellen und Bestimmen der GefĂ€ĂŸhöhe und des Randdurchmessers sowie einem Stechholz zum Stechen von Löchern. Daneben benötigte man ein oder mehrere StĂŒcke verschiedener Leder und Filz zum GlĂ€tten der OberflĂ€chen, den Abschneidedraht mit zwei Holzknebeln zum Ablösen der GefĂ€ĂŸe von der Scheibe, ein Messer zum SĂ€ubern der BodenrĂ€nder und eventuell noch einen Zirkel.

Autorin: Alice Kaltenberger, 2007


Dokumentation einer Ausstellungstrilogie im Stadtmuseum Wels-Burg, dem Museum Lauriacum in Enns und dem Heimathaus-Stadtmusem Perg vom 1. Juni bis 4. November 2007.

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