Forum O√Ė Geschichte

Der Hafner


F√ľr die Handwerker, die irdenes Gebrauchsgeschirr, Fayence und Steinzeug herstellten, wurden regional unterschiedliche Berufsbezeichnungen verwendet. In S√ľddeutschland, √Ėsterreich und der Schweiz kannte man die von Hafen (= Topf) abgeleitete Form Hafner, H√§fner oder Hofner und die Bezeichnung Haffnerwerk f√ľr die Erzeugnisse; in den Steinzeugzentren des Rheinlandes leiteten sich vom mittellateinischen Wort olla (= Topf) die Bezeichnungen Ulner, Ulenbecker, Aulner und Euler ab. Die Erzeugnisse aus Steinzeug wurden demnach Ulwerk oder Eulwerk genannt, die Werkstatt Eulerei.

Vom Lehrling zum Meister
Zur Erlernung des Handwerks wurde ein Junge im Alter von 14 Jahren von einem Meister aufgenommen. Als Voraussetzung daf√ľr galt die freie und ehrliche Geburt, der Lehrling musste ehelich geboren sein und die Eltern durften keinem ‚Äěunehrlichen‚Äú Beruf nachgehen. Meist nach einer Lehrzeit von vier Jahren wurde der Hafnerlehrling durch den Freispruch und das Ausstellen des Lehrbriefes durch den Meister zum Hafnergesellen. In den √∂sterreichischen Hafnerordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts wird statt Geselle das aus dem b√§uerlichen Rechtsbereich entlehnte Knecht verwendet, das mitunter auch undifferenziert den Lehrling mit einschloss. W√§hrend der drei Jahre seiner Wanderschaft hatte der Geselle eine Reihe neuer Werkst√§tten mit deren unterschiedlichen Arbeitstechniken und Produktpaletten kennen gelernt und so sein Wissen erweitert. Danach konnte er, allerdings nur wenn er die √úbernahme einer Werkstatt - meist durch Einheirat - in Aussicht hatte, um die Anfertigung der vorgeschriebenen Meisterst√ľcke ansuchen. Waren diese ordnungsgem√§√ü ausgef√ľhrt, wurde er nach Zahlung einer Meistertaxe Meister. Doch nicht alle Gesellen konnten eine Meisterstelle erlangen, sie blieben ihr Leben lang als Geselle bzw. Knecht Arbeitskr√§fte in einer fremden Werkstatt. Auch Meisters√∂hne konnten als Gesellen in anderen Werkst√§tten arbeiten.

Das Hafnerwesen
Im Sp√§tmittelalter schlossen sich die Hafner, wie die meisten Gewerbe in vielen St√§dten, zusammen, um Auskommen und Arbeit aller Mitglieder gleicherma√üen zu garantieren. Diese, in √Ėsterreich meist als Zeche, seltener auch als Bruderschaft oder einfach das (gesamte) Handwerk bezeichneten Vereinigungen, waren religi√∂sen Bruderschaften nachgebildet, mit eigenem Verm√∂gen, das aus Beitr√§gen und Spenden der Mitglieder finanziert und von periodisch gew√§hlten Zechmeistern verwaltet wurde.
Diese auch karitativ ausgerichtete Gemeinschaft unterst√ľtzte kranke und alte Mitglieder und sorgte f√ľr ein anst√§ndiges Begr√§bnis Verstorbener. In einer bestimmten Kirche unterhielten sie einen Altar, der dem Schutzpatron der Zeche geweiht war und an dem sie ihre Gottesdienste abhielten. In √Ėsterreich fand der Ausdruck Zunft nur √§u√üerst selten Verwendung, Gilde war nicht gebr√§uchlich.
Aus Vorschriften und Verhaltensregeln, die sich gewohnheitsrechtlich herausgebildet hatten, entwickelten sich die Hafnerordnungen, die mit Zustimmung des Landesf√ľrsten und meist auch von diesem erlassen wurden. F√ľr bestimmte Verst√∂√üe waren darin als Strafen gewisse Wachsmengen, Geldbetr√§ge oder Wein, der zum Verzehr innerhalb des Handwerks bestimmt war, vorgeschrieben. In Ober√∂sterreich sind Hafnerordnungen f√ľr Steyr aus dem Jahr 1485, f√ľr Wels von 1589, f√ľr Frankenburg von 1632, f√ľr Eferding von 1668 und f√ľr das Herzogtum ob der Enns von 1669 erhalten.

Handwerksordnung

Wir Leopold von Gottes Gnaden Erw√∂lter R√∂mischer Khayser Zu Allen Zeiten Mehrer des Reichs im Germainien, zu Hungarn, P√∂haimb, Dolm√§tien, Croatien, Und Sclavonien etc Kh√∂nig, Erzherzog zu √Ėsterreich, Herzog zu Burgundt, zu Brabandt, zu Steyr zu Kh√§rndten, zu Crain, zu Luxenburg, zu W√ľrdten- berg, Ober: Und Under Schlessien, F√ľrst zu Schwaben, Mar-Graf de√ü Heilligen R√∂mischen Reichs, zu Burgau, zu M√§hren, Ober: und Nider Lausniz, Gef√ľerster Graf zu Habspurg, zu Tyroll, zu Pfierdt, zu Khyburg, und zu G√∂rz, Landtgraf in Elsas, Herr auf der Windischen Marckh, zu Prottenau und S√§- lins etc.

Bekhennen Offentlich, mit diesem Brief Und Thuen Kundt allermeniglich, da√ü uns unsere gethreue K.K. die gesamb te Maister des Haffner Handtwerckhs unserer Siben landtsf√ľrst lichen St√∂tt, Unsers Erzherzogthumbs √Ėsterreich ob der Enn√ü, in glaubw√ľrdiger Abschrifft, aller Unterthenigist vorgebracht, wie da√ü Ihnen von unnsern hochgeEhrtisten Herrn Vattern, Weillandt Khayser Ferdinand, dem dritten glorwierdigisten angedenckhens, Ihr auf gerichte handtwerckhs Ordnung, Untern Dato, Dreysigisten Octobris, Anno Sechzehenhundert ain und f√ľnffzig, gndist Confirmiert w√§hre worden, Umb deren Collat ...

(Transkription der ersten Seite) 

Autorin: Alice Kaltenberger, 2007


Dokumentation einer Ausstellungstrilogie im Stadtmuseum Wels-Burg, dem Museum Lauriacum in Enns und dem Heimathaus-Stadtmusem Perg vom 1. Juni bis 4. November 2007.

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