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Der Perger Malhorndekor


Im Hafnerabfall von Perg sind mit Ausnahme der beiden Vogelpfeifen zahlreiche Fehlbrände in Schrühbrandstufe und misslungene Glasurbrände von malhorndekorierter Irdenware erhalten. An Grundformen sind ausschließlich Teller mit glatter Fahne und zwei Schüsseltypen, eine mit schmaler und eine mit breiter Fahne, überliefert.

Herstellung malhorndekorierter Irdenware
Der Malhorndekor war eine sehr effektvolle und variantenreiche Verzierung. Dafür wurde als geeigneter Malgrund vornehmlich auf die Oberseite der lederhaft getrockneten Schüsseln und Teller eine gleichmäßig weiß, rot oder braun brennende Engobe aufgetragen. Sobald diese getrocknet war, konnte die Dekorierung mit dem Malhorn beginnen.

Das Malhorn war ursprünglich ein kleines Tierhorn, in dessen geöffnete Spitze ein Federkiel gesteckt wurde. Später stellten sich die Töpfer selbst kleine Keramikgefäße her, oben mit einer größeren Einfüllöffnung für den farbigen Tonschlicker und seitlich einem kleinen Loch, in das der zugeschnittene Federkiel gesteckt wurde. Neigte man das Malhorn, so floss die Engboe aus dem Federkiel. Für jede Farbe wurde ein eigenes Malhorn benötigt.
Das fertig bemalte Geschirr wurde zunächst dem Schrühbrand unterzogen, danach mit einer transparenten, meist farblosen, aber auch mit einer eingefärbten transparenten, beispielsweise grünen, Glasur überzogen und im zweiten Brand, dem Glasurbrand, glattgebrannt.
Die Farben der Malsuspension haben nach dem Schrühbrand noch ihre ursprüngliche Farbe erhalten, erst der Glasurauftrag und der nachfolgende Glasurbrand bewirken die Farbveränderung zu den kräftigen und leuchtenden Farben.
Bei der auf Schrühbrandstufe vorliegenden Fehlbränden hellgrau erscheinenden Suspensionen mit vielen feinsten dunkelgrauen Pigmenten ist der farbgebende Zusatz Kupfer, das nur unter Glasur zu Grün ausbrennen kann.
Die weiße Engboe erhielt durch den transparenten Glasurauftrag, je nach den darin enthaltenen Verunreinigungen, eine schwach cremefarbige bis leicht grünstichige Farbwirkung.

Die Malhorndekore im Hafnerabfall von Perg
Im Hafnerabfall aus Perg lassen sich zwei Stilgruppen unterscheiden, die gleichzeitig gegen Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts in derselben Werkstatt entstanden.
Die stilistisch ältere Gruppe ist noch den vorangehenden Dekortraditionen verpflichtet, während die stilistisch jüngere bereits Tendenzen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufweist.

Bei der stilistisch älteren Gruppe sind die unterschiedlichen Gefäßzonen durch verschiedenfarbige Grundengoben, meist rot oder braun, betont. Dieser zonale Dekor wurde auf Schüsseln mit schmaler und breiter Fahne und verdicktem Rand aufgetragen, wobei dreizoniger Dekor mit dunkelbrauner Fahne und Mulde sowie roter Wandung am häufigsten erhalten ist.
Die dem zonalen Dekor zugrundeliegende braune bzw. rote Grundengobe wurde nur auf jeweils gewünschte Fläche aufgetragen, die Stoßstellen sind immer mit weißen umlaufenden Spirallinien verdeckt. Auf den Fahnen finden sich schlichte Dekore oder üppiges florales Rankenwerk, wobei die häufige Darstellung von Tulpenblüten auffällt. Die niedrige Wandung bleibt meist ohne Verzierung, erst die Mulde wurde wieder mit einander sehr ähnlichen Sträußen von Fliederblättern innerhalb des durch eine weiße Spirale vorgegebenen Medaillons bemalt.

ie zweite, stilistisch jüngere Gruppe wurde mit einem großen Motiv über die gesamte Schaufläche verziert. Auf weißer Grundengobe entfaltet sich reicher floraler Dekor, der sich aus großen Blüten, entweder Fantasieblüten, Tulpen oder Granatäpfeln mit charakteristischen Blättern und vegetabilen Ranken zusammensetzt.
Mit dieser Dekorweise wurden sowohl Schüsseln mit aufgestelltem Rand als auch Teller mit glatter Fahne verziert. In Sammlerkreisen sind sie als „Zwiebelschüsseln“ bekannt geworden, da die großen Tulpen- und Granatblüten als „Zwiebeln“ verkannt wurden.

Ebenfalls zur stilistisch jüngeren Gruppe gehören Teller mit Doppeladlermotiv , die von Volkskundlern auch als „Gründonnerstagsschüsseln“ bezeichnet wurden, obwohl nirgends bezeugt ist, dass sie als Geschenke an die zur Fußwaschung eingeladenen „Apostel“ gereicht wurden.
Doppeladlerdarstellungen wurden ausschließlich auf Teller mit glatter Fahne gemalt. Köpfe, Rumpf, Flügel und Stoß sind dunkelbaun, Füße, Krallen sowie die Schnäbel sind ockerfarbig bis rotbraun gezeichnet, Szepter und Schwert grün.
Eine Dekorvariante trägt über den Köpfen des Doppeladlers eine Jahreszahl, wovon ein Teller mit 1708 erhalten ist, bei der anderen sind die Köpfe mit einem baldachinartigen Motiv bekrönt.
Einzelne charakteristische Stilelemente - wie beispielsweise die hellgrünen Blätter mit braunem Doppelstrich zur Angabe der Blattrispe und den roten Endpunkten sowie dunkelbraune Ranken mit einer gepunkteten Seite - repräsentieren einen hohen Wiedererkennungswert.
In Verbindung mit weiteren werkstatttypischen Charakteristika, wie des scharfkantig ausgedrehten Standringes und der markanten Randbildung, wird die Zuweisung obertägig erhaltener Gefäße in Museen (Linz, Windischgarsten, Wien, München, Nürnberg) und im Kunsthandel, aber auch nur fragmentiert überlieferter Bodenfunde, zu dieser Werkstatt möglich.

Autorin: Alice Kaltenberger, 2007


Dokumentation einer Ausstellungstrilogie im Stadtmuseum Wels-Burg, dem Museum Lauriacum in Enns und dem Heimathaus-Stadtmusem Perg vom 1. Juni bis 4. November 2007.

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