Forum OÖ Geschichte

Das Hafnergewerbe im Unteren MĂŒhlviertel


Ried in der Riedmark
Im Unteren MĂŒhlviertel war durch die fĂŒr die Keramikherstellung gut geeigneten Tonvorkommen eine Vielzahl an Hafnereien in grĂ¶ĂŸeren und kleineren Orten in Betrieb. So etwa auch in Ried in der Riedmark (Bezirk Perg), wo im Jahr 2003/04 anlĂ€sslich eines Umbaues des Hauses Klostergasse 5 in der Baugrube zahlreiche Keramikscherben aus dem spĂ€ten 18. Jahrhundert gefunden wurden. Dass es sich um Hafnerabfall handelt, belegt eine BrennstĂŒtze“, die als Stapelhilfe fĂŒr eine raumsparende Konstruktion fĂŒr Teller oder flache SchĂŒsseln in horizontaler Lage im Brennofen diente. DafĂŒr waren zwei solcher BrennstĂŒtzen nötig.

Im 18. Jahrhundert werden in Ried die beiden HÀuser mit den Nummern 19 und 21 als HafnerhÀuser bezeichnet. An diesem Ort sind Hafner seit dem 17. Jahrhundert namentlich erwÀhnt und zwar 1660 Martin Frech und seit 1677 Mitglieder der Familie Koller. Der letzte archivalisch nachgewiesene Hafner in Ried war Leopold Koller. Er starb 1781.

Im 20. Jahrhundert wurde Keramik in Fabriken in grĂ¶ĂŸerem Umfang hergestellt.

„Erste Oberösterreichische Steingutfabrik PrĂ€garten K. B. Greiner & Co“
1905 wurde die „Erste Oberösterreichische Steingutfabrik PrĂ€garten K. B. Greiner & Co“ auf dem GelĂ€nde der „BruckmĂŒhle Nr. 78 in PrĂ€garten“ gegrĂŒndet. Diese verkaufte 1911 ihre Liegenschaften an die „I. O. Ö. Steingutfabrik PrĂ€garten, Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung“. 1924 wurde die Fabrik stillgelegt, mit 1. JĂ€nner 1929 wurde die Gesellschaft aufgelöst und am 31. Dezember 1931 gelöscht.

Nur eine kurze Episode stellte ab 11. Mai 1925 die „Steingutfabrik di Giorgio“ dar, die fabriksmĂ€ĂŸig Steingutgebrauchsgeschirr erzeugte. Als Fabrikant wird Rudolfo di Giorgio in Schöndorf bei Vöcklabruck genannt. Nur wenige StĂŒcke aus dieser Produktion haben sich mit der entsprechenden Marke erhalten.

In Zeiten großer Nachfrage waren in der Steingutfabrik bis zu 100 Mitarbeiter beschĂ€ftigt. Ein Teil der Produktion ging, mit den entsprechenden fremdsprachigen Aufschriften versehen, in die KronlĂ€nder der Monarchie und nach England. Das Produktionsprogramm lĂ€sst sich anhand einer aus dem Jahr 1907 erhaltenen „Preis-Liste“ belegen. FĂŒr einen gehobeneren Kundenkreis waren demnach neben Tafelgeschirr diverse „Haushaltsgarnituren“ im Programm, bestehend aus GemĂŒse- und GewĂŒrztonnen, Essig- und Ölflaschen, Salz- und MehlbehĂ€lter, ergĂ€nzt durch Nudelroller, Notiztafel, Milchkannen verschiedener GrĂ¶ĂŸe, Gurkenhobel, Sand-, Seifen- und Sodabecher bis zur KĂŒchenuhr.

Die Dekore trugen Namen wie „Elisabeth“, „Maria Theresia“ oder „Margarita“ mit Margeritenblumen, „Delft“ mit WindmĂŒhlen und „Zwiebel“ mit blauem Zwiebelmuster. Weitere Dekore mit Kleeblatt oder geometrischen Mustern erhielten Nummern als nĂ€here Bezeichnung. Ebenso waren die dazu gehörenden EtagĂšren und Nudelrollerhalter aus Holz im Angebot.

FĂŒr die FirmengrĂŒndung der „Ersten Oberösterreichischen Steingutfabrik K. B. Greiner & Co.“ waren neben der gĂŒnstigen Verkehrslage durch die bereits 1872 vollendete Eisenbahnlinie Linz-Budweis, die Wasserkraft der Feldaist sowie die nahen Rohstoffvorkommen - Kaolin, Ton und Sand - ausschlaggebend.
Als Brennmaterial wurde Kohle fĂŒr den Brennofen hauptsĂ€chlich aus Tschechien eingefĂŒhrt.

Das Heimathaus Pregarten prĂ€sentiert eine Reihe von Objekten aus der „Ersten Oberösterreichischen Steingutfabrik PrĂ€garten“.

„Oberösterreichische Keramik“ St. Peter bei Freistadt

Nach dem ersten Weltkrieg wurde fĂŒr die neu entstandene Republik Österreich mit seinen Alpenregionen und dem Aufkommen des Tourismus, die so genannte „Alpenblumenkeramik“ zum identitĂ€tsstiftenden Symbol. Diese reprĂ€sentierte den Stolz der Einwohner des Landes.

Diese reich verzierte Keramik stellt den letzten AuslĂ€ufer handwerklich gefertigter Irdenware dar, die ab den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts als Kunst- bzw. Zier- und „Andenkenkeramik“ in riesigen StĂŒckzahlen einen breiten Abnehmerkreis fand.

Die wichtigsten Produzenten dieser Keramik waren Betriebe in Liezen und St. Peter bei Graz (Steiermark), in Radstadt (Salzburg) sowie in Scheibbs und Deutsch Wagram (Niederösterreich).

In Oberösterreich wurde solche Keramik in Gmunden durch die Firma Schleiß (1932-1980), in Linz durch die Firma Czap (1933- 1982), in Vöcklabruck durch die Firma Gollhammer (ab 1919) und in St. Peter bei Freistadt (1925-1959) erzeugt.

In St. Peter, Gemeinde Waldberg, 2 km westlich von Freistadt gelegen, wurde zunĂ€chst Gebrauchskeramik durch die Firma „FreistĂ€dter-Tonwarenfabrik. B & H. ob. Öst." industriell produziert, bis 1925 der Linzer Zahnarzt Dr. Zemann begann, Keramik auf traditionelle Weise zu fertigen. 1934 wurde die Werkstatt von Johann Bartel ĂŒbernommen und die Firma „Oberösterreichische Keramik" gegrĂŒndet. Johann Bartel, frĂŒher Generalvertreter großer Porzellanfabriken, baute den einfachen Betrieb des VorgĂ€ngers aus und stellte aufwendig durchbrochene, bunt glasierte Keramik mit applizierten FrĂŒchten und Blumen im Stil der Zeit her.

Der Rohton wurde aus Grotental bei Rainbach (5 km nördlich von Freistadt) bezogen. Als Brennmaterial wurde Torf aus Labach mit der Feldbahn zur Hafnerei gebracht. Vor dem zweiten Weltkrieg exportierte das Unternehmen 50 % der Produktion in die SĂŒdost- Staaten und nach SĂŒdamerika.

Auch nach dem Krieg fand die Ware guten Absatz. Noch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Pferdefuhrwerke voll mit Keramik aus St. Peter bei Freistadt nach Wien gebracht. Doch Ànderten sich in den spÀten 1950er Jahren die Mode und der Geschmack der Abnehmer, sodass das Unternehmen 1959 seinen Betrieb einstellen musste.


Dokumentation einer Ausstellungstrilogie im Stadtmuseum Wels-Burg, dem Museum Lauriacum in Enns und dem Heimathaus-Stadtmusem Perg vom 1. Juni bis 4. November 2007.

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