Forum O√Ė Geschichte

K√ľche und Tischkultur in Sp√§tmittelalter und fr√ľher Neuzeit


Die K√ľche
Die K√ľche war der wohl wichtigste Raum des Hauses. Im Mitte punkt stand der gemauerte Herd mit offener Feuerstelle, der W√§rme und Licht spendete, freilich auch Rauch und Ru√ü verursachte. Auf ihm wurde das Essen zubereitet, das meistens in unmittelbarer N√§he am gemeinsamen Tisch der Hausbewohner verzehrt wurde. Erst der Herd machte ein Geb√§ude zu einem von Menschen bewohnten Haus.

In Burgen und Kl√∂stern gab es eigene Gro√ük√ľchen, um den Anforderungen zur Ausrichtung einer gr√∂√üeren Tafel gerecht werden zu k√∂nnen. Und auch in den H√§usern der reichen B√ľrger waren die K√ľchen gr√∂√üer dimensioniert; dort entwickelten sie sich durch Abtrennung der Stube zum reinen Nutzraum.

Über dem offenen Feuer an der gemauerten Herdstelle hing an einer Kette der Kochkessel; Roste, Bratspieße, Messer, Löffel, Pfannen und diverse Töpfe bildeten die Grundausstattung, die nach der Größe des Hauses und den finanziellen Möglichkeiten variierten. Gefäße aus Keramik dienten zum Kochen und zur Aufbewahrung von Nahrungsmitteln.

Das Wasser musste mit Kannen vom √∂ffentlichen Brunnen oder vom Hausbrunnen geholt werden. Manchmal gab es in K√ľchen aber auch schon Flie√üwasser. So erw√§hnt etwa Aeneas Silvius Piccolomini, der sp√§tere Papst Pius II., in Zusammenhang mit seinem Besuch in der Burg Ebelsberg im Jahr 1444, man habe dort direkt in die K√ľche flie√üendes Brunnenwasser eingeleitet.

Der Tisch
Der Tisch setzt Sesshaftigkeit voraus, trotz vielf√§ltiger Gr√∂√üe und Form f√ľhrt er die Menschen zur gemeinsamen Mahlzeit zusammen, was den Zusammenhalt gesellschaftlicher Gruppen garantierte. Erst das Tischtuch, das auf zahlreichen sp√§tmittelalterlichen Darstellungen von Mahlzeiten zu sehen ist, machte den Tisch zum Esstisch. Es war meist wei√ü und ein Zeichen f√ľr die Sauberkeit im Haushalt.

Geschirr und Besteck
Die Speisen wurden in Sch√ľsseln oder auf einer Platte aufgetragen, aus der man sich mit der Hand bediente. Die finanzielle Situation ‚Äď arm oder reich ‚Äď und die Verwendung im Alltag oder beim Fest bestimmten das Material des Essgeschirrs: Bis ins fr√ľhe 16. Jahrhundert war Holzgeschirr am h√§ufigsten, ab dem 15. Jahrhundert verwendete man ‚Äď zuerst nur f√ľr den Gebrauch an der Tafel der gesellschaftlichen Oberschichten ‚Äď in zunehmendem Ma√üe Zinn zur Herstellung von Tellern, Kannen und Bechern.
Bei den Tellern sind schalenartige, tiefere Teller und flache, runde oder viereckige Platten aus Eschen- oder Ahornholz zu unterscheiden. In vielen F√§llen erf√ľllte aber eine Brotschnitte die Funktion eines Tellers bzw. Essbrettchens. Darauf richtete man sich die Portion, die man mit den Fingern in den Mund steckte.
Das Messer, oft mit kunstvoll gearbeiteten Griffen, wurde als pers√∂nliche Habe und Statussymbol bei sich getragen. Wichtigstes und √§ltestes Essger√§t ist der L√∂ffel, dessen kurzen Stiel man mit der Faust umfasste. F√ľr den allt√§glichen Gebrauch war er aus Holz gefertigt, nur die gehobenen Kreise benutzten L√∂ffel aus kostbaren Materialien.
Die Gabel war beim Kochen und Tranchieren durchaus √ľblich, als Essger√§t wurde sie, abgesehen von Einzelf√§llen, erst im 15. Jahrhundert h√§ufiger.

Trinkbecher
Trinkgef√§√üe durften bei Tisch nicht fehlen. Neben von Drechslern oder Fassbindern hergestellte Holzgef√§√üe trat im Alltag keramisches Schenk- und Trinkgeschirr, f√ľr Vornehme gab es auch solches aus Zinn oder Edelmetall in prunkvoller Ausf√ľhrung oder aus Glas.

Von den zahlreichen Haushaltsgegenst√§nden aus Holz sind nur wenige erhalten geblieben, weil ihre Anschaffung billig war und sie nach ihrer Verwendung verbrannt wurden. Jene aus Metall hat man meist eingeschmolzen oder umgearbeitet. Bei Keramik und Glas sind die Erhaltungsbedingungen unvergleichlich g√ľnstiger: besch√§digte St√ľcke wurden weggeworfen.

Aquamanile
Ein Beispiel f√ľr die Ausstrahlung h√∂fischer Tischkultur aus den Burgen in den St√§dte im 13. und 14. Jahrhundert sind die Aquamanile, f√ľr die auch aus Enns Beispiele vorhanden sind. Sie enthielten oft parf√ľmiertes Wasser, mit dem man sich w√§hrend und nach dem Essen die H√§nde wusch.

Autor: Reinhardt Harreither, 2007

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