Forum OÖ Geschichte

Bedeutende Fundensembles aus Enns


Der Hafnerabfall aus dem Garten der BorromÀerinnen
Im Garten des Klosters der BorromĂ€erinnen, an der so genannten „Rauhripp“ am Schmidberg, wurde im Zuge der Verlegung der Bundesstraße im Jahr 1931 Hafnerabfall durch Dr. Josef Schicker geborgen. Die am Schmidberg ansĂ€ssigen Hafner warfen dort ihre WerkstattabfĂ€lle weg.
Die missratenen StĂŒcke zeigen Auswirkungen von zu hohen Brenntemperaturen, wodurch die GefĂ€ĂŸe mitunter stark verzogen und der Scherben dick aufgegast ist; auch sind rötliche Flecken an den OberflĂ€chen von ungeregelter Sauerstoffzufuhr wĂ€hrend des reduzierend gefĂŒhrten Brandes zu beobachten.
Die meisten hier aufgefundenen GefĂ€ĂŸe sind aus graphithaltiger Irdenware, auf denen als Hafnermarken Druckmulden, quadratische Einstiche und einfache Stempel in Form des Bindenschildes auf dem Rand angebracht sind. Dieser Hafnerabfall reprĂ€sentiert die im Donauraum wĂ€hrend der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts gelĂ€ufigen Formen.

Das Formenrepertoire umfasst neben schwach bauchigen Töpfen mit verdicktem Kremprand und steilwandigen SchĂŒsseln ein reichhaltiges Spektrum an Krug- bzw. Kannenformen, wie BĂŒgelkanne, bauchige Rohrkanne, einen Krug mit angarnierter Deckelhalterung sowie mehrere Henkelflaschen („Plutzer“), bei denen die Henkelgarnierung nicht gelang, da alle vorliegenden Exemplare Abbruchstellen der Henkel aufweisen.
Die kleinen Henkeltöpfe dienten vermutlich als TrinkgefĂ€ĂŸe. Bei den Deckelformen ĂŒberwiegen Flachdeckel, seltener vorhanden sind Hohldeckel. Auch figurale Ausformungen wurden hergestellt, wie der Deckelknauf in Form eines Hundekopfes und der bekleidete menschliche Rumpf belegen.
Weiters ist durch eine Wölbkachel nachgewiesen, dass auch Ofenkeramik von den hier ansÀssigen Hafnern gefertigt wurde.

Der Ennser Latrinenfund im Dechantenhof
Bereits 1894 wurde im Hof der damaligen MĂ€lzerei Mauthausner Straße 11 (im ehemaligen Dechantenhof) beim RĂ€umen einer Senkgrube der bis heute bedeutendste Fund spĂ€tmittelalterlicher GefĂ€ĂŸe in Oberösterreich durch Theodor Bukounig geborgen. Die LatrinenverfĂŒllung enthielt viele ganze und wenige gering beschĂ€digte GefĂ€ĂŸe, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts hergestellt wurden.
Das Formenspektrum der reduzierend gebrannten Keramik
zeigt mehrheitlich schwach bauchige Henkeltöpfe mit randstĂ€ndigen Ösenhenkeln.
Außergewöhnlich sind Rohrkannen, bei denen das Rohr zugleich als EinfĂŒllöffnung und Ausguss dient, an der seitlich angarnierten Öse kann ein Stöpsel fĂŒr den Verschluss mit einer Schnur befestigt werden.
Ungewöhnlich ist die große Zahl an KrĂŒgen und Kannen verschiedener GrĂ¶ĂŸe. Der schwach gezogene Ausguss der Kannen liegt meist nicht diagonal dem Henkel gegenĂŒber. Die Henkelflasche („Plutzer“) erscheint im Gegensatz zu jenen von der Rauchripp wesentlich kleiner und zarter. Als Hafnermarken sind, mit Ausnahme des Henkeltopfes aus graphithaltiger Irdenware, nur einfache Druckmulden zu beobachten.
Innerhalb dieses Fundbestandes erscheinen erstmals oxidierend gebrannte GefĂ€ĂŸe ĂŒberwiegend mit grĂŒner Innenglasur in grĂ¶ĂŸerer Zahl. Es sind GefĂ€ĂŸformen, wie sie vermutlich bei Tisch Verwendung fanden, etwa ein Krug und Kannen in verschiedenen Formen, ein balusterförmiges GefĂ€ĂŸ, das vielleicht als Becher anzusprechen ist, sowie eine SchĂŒssel. Auch einmal sind die Rohrkannen mit olivfarbiger Außenglasur und einmal mit grĂŒner Innenglasur vertreten.

Anhand der Funde aus der Latrine im ehemaligen Dechantenhof kann die kulturgeschichtliche Seite der Keramik nĂ€her beleuchtet werden. Töpfe mit und ohne Henkel ebenso wie die reduzierend grau gebrannten Kannen waren in KĂŒche und Haushalt in Verwendung. Das gehobene Milieu des damals dort residierenden Dechanten dokumentiert das glasierte Tischgeschirr wie Schenkkannen, KrĂŒge und die SchĂŒssel zum Auftragen von Speisen.

Eine GewölbeaufschĂŒttung
Die Funde der GewölbeaufschĂŒttung des Hauses Hauptplatz 8, die beim Abtragen des Fußbodens im ersten Stock im Juni 1968 durch den Hausbesitzer Fritz Kamptner geborgen wurden, reprĂ€sentieren das dritte spĂ€tmittelalterliche Fundensemble aus Enns, das aus dem 15. Jahrhundert stammt.
Die GefĂ€ĂŸformen beschrĂ€nken sich zum ĂŒberwiegenden Teil auf Kremprandtöpfe und KrĂŒge bzw. Kannen aus stark graphithaltiger Irdenware. Deren Hafnermarke ist ein charakteristischer Stempel, der bereits einmal auf einem Henkeltopf des Latrinenfundes nachgewiesen ist.
Bei den Kannen aus der GewölbeaufschĂŒttung wurde die Marke sowohl auf der Henkeloberseite als auch auf der Randaußenseite und neben der unteren Henkelangarnierungsstelle angebracht. Diese Form der Marke tritt gehĂ€uft in Fundmaterialien im Raum Enns zutage. Mit Schnittkerben und Druckmulden sind in diesem Keramikbestand noch immer die Ă€lteren Formen der Markung zu beobachten.

Bemerkenswert sind dick anhaftende BelĂ€ge auf der Innenseite der großen Kannen bzw. KrĂŒge, die auf eine Verwendung als KochgefĂ€ĂŸ schließen lassen, wie sich ĂŒberhaupt im Spektrum der GewölbeaufschĂŒttung - mit Ausnahme des Losticer Bechers als importiertes TrinkgefĂ€ĂŸ - keine eindeutigen Belege fĂŒr ein spezifisches Tischgeschirr wie in der LatrinenverfĂŒllung des Dechantenhofes finden.

Autorin: Alice Kaltenberger, 2007


Dokumentation einer Ausstellungstrilogie im Stadtmuseum Wels-Burg, dem Museum Lauriacum in Enns und dem Heimathaus-Stadtmusem Perg vom 1. Juni bis 4. November 2007.

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