Forum OÖ Geschichte

In der Zweiten Republik


Unmittelbar nach Kriegsende bildeten Kommerzialrat Josef Klein und Prof. Dr. Ernst Koref, der am 8. Mai 1945 zum BĂŒrgermeister von Linz ernannt worden war, mit einigen Handwerkern einen Arbeitsausschuss, der mit gleichartigen, von Dr. Egon Hofmann fĂŒr die Industrie und von Dipl.Ing. Otto Gottlieb fĂŒr den Handel gegrĂŒndeten AusschĂŒssen zusammenarbeitete. Aus diesen Keimzellen im Mai 1945 entwickelte sich das Provisorium einer wieder entstehenden Kammerorganisation.

Das Handelskammer-Überleitungsgesetz vom 9. Juni 1945 brachte die erste vorlĂ€ufige legislative Fundierung der neuen österreichischen Kammerorganisation, die sodann mit dem Handelskammergesetz vom 24. Juli 1946 und der Fachgruppenordnung vom 5. Juli 1947 ihre alle Wirtschaftsgruppen umfassende lĂ€nderweise und bundeseinheitliche Gliederung erhielt. Mit dem neuen Handelskammergesetz von 1946 wurden auch die Fachorganisationen (Innungen, Gremien, Fachgruppen) in die Kammer einbezogen − ausgestattet mit eigener Rechtspersönlichkeit und eigenem Budget, aber dem Interessenausgleich unterworfen.

Am 15. JĂ€nner 1946 konstituierte sich die neue „Kammer der gewerblichen Wirtschaft fĂŒr Oberösterreich“ unter PrĂ€sident Kommerzialrat Josef Klein. Im FrĂŒhsommer 1946 wurde gemeinsam mit der oö. Landesregierung eine „Oberösterreichische Industrie- und Gewerbeausstellung“ veranstaltet. Aufgrund des Gesetzes vom 26. Juli 1946 konnte die erste Vollversammlung der „Kammer der gewerblichen Wirtschaft fĂŒr Oberösterreich“ am 16. Juni 1947 unter PrĂ€sident Kommerzialrat Josef Klein und den VizeprĂ€sidenten Landesrat Dr. Franz SchĂŒtz und Kammerrat Ferdinand Reif abgehalten werden. Gegliedert wurde die nunmehr „Kammer der gewerblichen Wirtschaft fĂŒr Oberösterreich“ genannte Kammer in die Sektionen Gewerbe, Industrie, Handel, Verkehr und Fremdenverkehr und Kredit- und Versicherungswesen mit den diversen Fachgruppen.

Erst im FrĂŒhjahr 1950 konnte tatsĂ€chlich mit der Errichtung des KammergebĂ€udes begonnen werden. Bezogen wurde das Haus am Hessenplatz am 26. Juni 1952, somit 44 Jahre nach den ersten PlanungsĂŒberlegungen.

Mit dem Bau des Linzer Wirtschaftsförderungsinstitutes an der Wiener Straße wurde 1961 begonnen − eröffnet wurde 1966. Nach mehreren Erweiterungsetappen wurde im 150. JubilĂ€umsjahr mit dem WIFI−Technopark das grĂ¶ĂŸte Bauprojekt in der Geschichte der Kammer fertig gestellt.

Zum Ausbau der oberösterreichischen Wirtschaftsstruktur hat die Kammer nicht nur durch ihre BeratungstĂ€tigkeit beigetragen. Stellvertretende damalige Beispiele ganz konkreter Initiativen stellten die GrĂŒndung der Zollfreizone (1953), die Mitwirkung am Zustandekommen der OÖ. Ferngas (1957) und die Errichtung der ersten Gewerbehöfe in Linz und Wels dar.

Die BautĂ€tigkeit der Kammer diente ausschließlich wirtschaftsfördernden Zielen, sei es zur Verbesserung der Weiterbildungseinrichtungen, sei es zum Ausbau der BeratungstĂ€tigkeit. So entstand im Laufe der Zeit neben der Kammerzentrale am Hessenplatz und dem WIFI an der Wiener Straße in Linz nach einem Langzeitprogramm ein dichtes Netz von Handelskammer−/Wirtschaftskammer−Bezirksstellen, die auch mit LehrwerkstĂ€tten und entsprechenden KursrĂ€umen ausgestattet wurden. Außerdem erwarb die Kammer Schloss Hochscharten und baute es zu einem Bildungsheim aus (1953), ferner das Hotel Austria in Gmunden (1957) als Schulungszentrum fĂŒr den Fremdenverkehr.

Gerade in den 1960er und 1970er Jahren gewann die Servicefunktion der Kammer fĂŒr ihre Mitglieder immer mehr an Bedeutung und wurde zur zentralen Aufgabe.


Autor: Roman Sandgruber, 2007

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