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Die Linzer Messen


Es gibt keinen schlĂŒssigen Beweis fĂŒr die These, daß die einst in ganz Mitteleuropa bekannten und berĂŒhmten JahrmĂ€rkte von Linz als Nachfolger der zuvor anscheinend ebenso gelobten Messen von Enns angesehen werden können, doch sprechen einige Hinweise dafĂŒr, wenn sie auch spĂ€rlich und vor allem zeitlich nicht fixierbar sind. Vor allem ist die Geschichte der Ennser MĂ€rkte bei weitem nicht so gut erforscht wie jene der Linzer.
Hier wie dort handelte es sich jedoch um regelrechte Messen von mehrwöchiger Dauer und mit vielschichtigen Aufgaben im Waren- aber auch Geldverkehr, wobei letzterer noch immer zu wenig erforscht ist.

Der so genannte „BartholomĂ€imarkt“ ist in einer Urkunde Herzog Albrecht III. aus dem Jahre 1382 verbrieft. Allein schon seine zeitliche Erstreckung auf 14 Tage vor und ebenso lange nach dem Fest des hl. BartholomĂ€us (23. August) hebt ihn unter allen historischen Messen Österreichs als bedeutend hervor.
In seinem Sog entwickelte sich auch der 14-tĂ€gige „Oster-“ oder „Bruderkirchweihmarkt“ zu einem ĂŒberregionalen Handelsereignis.

SpĂ€testens seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert genossen die ins 13. Jahrhundert zurĂŒckgehenden Linzer JahrmĂ€rkte, der BartholomĂ€imarkt (vier Wochen um den 24. August) und der Ostermarkt (zwei Wochen), die nach dem heutigen Sprachgebrauch als Messen zu bezeichnen sind, internationales Ansehen. Zu Ende des 15. Jahrhunderts wurden diese MĂ€rkte von niederlĂ€ndischen und oberdeutschen, böhmischen, mĂ€hrischen, polnischen und österreichischen Kaufleuten besucht. Beim Warenumsatz stand das Tuch an erster Stelle, wobei im ausgehenden 15. Jahrhundert pro Markt etwa 60.000 Meter unterschiedlicher QualitĂ€t umgesetzt wurden. Daneben gab es auch bedeutende UmsĂ€tze fĂŒr HĂ€ute und Honig, Salz und Eisen, Wein und Getreide. Die FĂŒlle der hier gehandelten Waren ist erstaunlich. Auch als Geld- und WechselmĂ€rkte erlangten die Linzer Messen Bedeutung. Einer SchĂ€tzung von 1593 zufolge soll der Umsatz auf einem einzigen Linzer Markt 4 Millionen Gulden betragen haben. Im 16. Jahrhundert zĂ€hlten sie zu den grĂ¶ĂŸten Messen im Reich.

Ihre AttraktivitĂ€t verdankten diese MĂ€rkte nicht zuletzt einem mittelalterlichen Rechtsinstitut, dem Repressalienrecht, das Linz 1362 zugestanden und von den LandesfĂŒrsten bis herauf zu Maria Theresia immer wieder neu bestĂ€tigt wurde und das sich Linz unter allen österreichischen und deutschen StĂ€dten am lĂ€ngsten erhalten konnte. Wurde eine in einem echten Zusammenhang mit den Linzer MĂ€rkten eingegangene, also mit Zielort Linz und FĂ€lligkeit zu Ostern oder BartholomĂ€i (24. August) ausgestellte Zahlungsverpflichtung nicht fristgerecht eingelöst, konnte jederzeit auf Verlangen des GlĂ€ubigers ein beliebiger MitbĂŒrger des sĂ€umigen Schuldners in Schuldhaft (Repressalienarrest) genommen werden, bis die Schuld beglichen war; daher galt eine auf die Linzer MĂ€rkte ausgestellte Schuld als absolut sicher. Entscheidend fĂŒr die Bedeutung der Linzer MĂ€rkte im 16. Jahrhundert war aber wohl, daß die Stadt wegen der bedrĂ€ngten Stellung Wiens und der Krise des Wiener Handels vorĂŒbergehend eine zentrale politische und wirtschaftliche Position errungen haben.

Das Ende der Linzer Messen
Der Einfluß der Linzer Messen war seit der Mitte des 17. Jahrhunderts durch politische Ereignisse, eine verfehlte Zollpolitik und die Umlenkung der Handelsströme im Schwinden, auch wenn sie noch bis in die zweite HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts als das wirtschaftliche „Kleinod“ des Landes angesprochen wurden. Das Repressalienrecht, das eine der StĂ€rken der Linzer Messen ausgemacht hatte, war 1570 auf einem Reichstag zu Speyer fĂŒr das gesamte Reichsgebiet aufgehoben worden. Zwar konnte fĂŒr Linz eine Ausnahme erwirkt werden, die aber vom österreichischen LandesfĂŒrsten selbst durch zahlreiche Exemtionen ausgehöhlt wurde. 1785 wurde das Linzer Repressalienrecht formal aufgehoben. Praktische Bedeutung hatte es schon lange nicht mehr. Im Lexicon aller Handlungen und Gewerbe, 2. Teil, Leipzig 1741, wurden die Linzer Messen zwar noch erwĂ€hnt. Allein die KĂŒrze des Artikels sagt alles ĂŒber den gering gewordenen Stellenwert.


Kurzfassung (2007) aus: Sandgruber/Katzinger/Pisecky/Kerschbaummayr: Der Handel in Oberösterreich. Tradition und Zukunft. Linz 2002.

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