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Die Lebensmittelversorgung


Am kritischsten war unmittelbar nach Kriegsende die Lebensmittelversorgung. Die ersten Wochenzuteilungen in Linz ergaben 535 Kalorien pro Tag. In der Versorgungsperiode vom 28. Mai bis 24. Juni 1945 lagen die Lebensmittelrationen für Normalverbraucher bei 670 Kalorien. Der Kalorienwert der auf Karten ausgegebenen Nahrungsmittel war im Juni und Juli 1945 um mehr als die Hälfte niedriger als im letzten Kriegsmonat, dem April 1945. Auch die Aufbesserung durch Hamsterfahrten war in diesen Monaten kaum möglich.

Für die Zuteilungsperiode vom 28. Mai bis 24. Juni 1945 waren als Wochenration pro Kopf vorgesehen: 200 g Fleisch, 500 g Brot, 100 g Fett, 125 g Zucker, 75 g Trockenerbsen, 25 g Kaffeemittel und ein Ei. Im Land herrschte Hunger. Dass es in den Ausländerlagern um 200 g mehr Brot und um 150 g mehr Fleisch gab, und dazu auch noch 62 g Käse und 50 g Mehl, und dass die Versorgung der Ausländer mit Zucker, Fett, Öl, Bohnenkaffee, Reis, Hülsenfrüchten, Eipulver, Dosenmilch, Konserven und Zigaretten in den Lagern durch die Besatzungsmacht aus deren Beständen erfolgen sollte und daher überhaupt nicht rationiert war, erweckte viele Neidgefühle.

In der Versorgungsperiode vom 25. Juni bis 22. Juli 1945 konnte eine bescheidene Erhöhung auf 885 Kalorien für Normalverbraucher und eine Zulage von 275 Kalorien für Arbeiter und Schwerarbeiter gegeben werden. In der Versorgungsperiode vom 23. Juli bis 19. August 1945 belief sich der Nährwert der Ration für Normalverbraucher auf 1.140 Kalorien und es gab als Zulagen für Arbeiter 470 Kalorien bzw. für Schwerarbeiter 1.335 Kalorien.

In Wahrheit waren die auf die Karten zu beziehenden Mengen, wenn überhaupt, 1945 nur zum Teil vorhanden. Mehl, Erbsen, Kartoffeln, Kaffeemittel und auch Eier gab es noch am ehesten. Das übrige war Theorie. Am besten klappte noch die Brotversorgung. Bei Fleisch hätte man, um die Kartenansprüche zu befriedigen, täglich etwa 300 Stück Vieh schlachten müssen. Tatsächlich waren es im Juni 1945 gerade 10 bis 12 Stück pro Tag. Von den Molkereien lagen die meisten still. Selbst Salz war im Mai 1945 eine Kostbarkeit. Süß- und Rauchwaren gab es nur im Schleichhandel.

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