Forum OÖ Geschichte

Entdecker, Abenteurer, Robinsone


Die großen Entdeckungsfahrten gelten gemeinhin als Beginn der Neuzeit. Auch Oberösterreicher hatten an dieser Entdeckung und Erforschung der Erde Anteil.

Weltumsegler und Häuptlinge
Obwohl Oberösterreich weitab von den großen Weltmeeren gelegen ist und die Oberösterreicher nicht die geborenen Seefahrer sind, kam der erste deutschsprachige Reisende, der bis Hinterindien und ins heutige Myanmar gelangt war, aus Oberösterreich, war auch der erste österreichische Weltumsegler ein Oberösterreicher und gibt es sogar einen Mühlviertler Robinson, der ähnlich wie in der bekannten Erzählung von Daniel Defoe sich fast zehn Jahre als Schiffbrüchiger gänzlich auf sich allein gestellt auf einer völlig leeren Karibikinsel durchgeschlagen haben soll. Bis ins ausgehende 19. Jahrhundert gab es immer noch recht unbekannte Gegenden: einer der letzten dieser Abenteurer war Andreas Reischek, der „weiße Häuptling der Maori“.

Georg Christoph Fernberger, der erste „Fernreisende“
Der Vorchdorfer Adelige Georg Christoph Fernberger war im Jahre 1588 zusammen mit dem Niederösterreicher Hanns Christoph Teufel von Istanbul aus, wo er sich schon mehr als drei Jahre mit einer österreichischen Gesandtschaft am Hof des Sultans in Konstantinopel aufgehalten und dabei auch Kleinasien bereist hatte, zu einer Fernreise aufgebrochen, die ihn schließlich, nachdem Teufel am Golf umgekehrt war, bis nach Südostasien brachte.

Georg Christoph Fernberger war 1557 als Sohn des Vicedoms im Herzogtum Österreich ob der Enns Ulrich Fernberger zur Welt gekommen. Als Stammsitz der Familie fungierte die Herrschaft Eggenberg bei Vorchdorf, mit der die Familie 1527 belehnt worden war. Die Familie starb 1671 aus, hatte aber bereits Anfang des 17. Jahrhunderts Eggenberg verkauft. Das dürfte auch der Grund sein, dass Fernberger in Lexika meist nicht als Oberösterreicher aufscheint.
Eggenberger und Teufel fuhren zuerst mit dem Schiff nach Ägypten: Nach einem Zwischenstopp in Rhodos, wo sie die gewaltige Festung bewunderten und nach dem berühmten Koloss suchten, ging es über Alexandria nach Kairo und zu den Pyramiden, die sie bestiegen und auch im Inneren zu ergründen versuchten. Nach einem Abstecher auf die Halbinsel Sinai reisten sie über Aleppo ins Zweistromland. Sie besichtigen den Turm von Babel (nahmen einen Ziegel als Souvenir mit), dann Bagdad, das sie sehr enttäuschte. Man zeigte Fernberger auch ein Erdölfeld, aus dem stinkend und brodelnd Pech und Schwefelwasser quoll: „Die Sache ist wahrhaft der Besichtigung würdig“, meinte Fernberger dazu. Den Euphrat hinunter fuhren sie in den Golf, nach Hormuz, das schon damals aus dem Fernhandel den Ruf sagenhaften Reichtums genoss, obwohl die Umweltbedingungen für die beiden kaum zu ertragen waren.
Während Teufel in Hormuz umkehrte, wagte sich Fernberger per Schiff nach Indien weiter, hielt sich in Goa auf, fuhr dann um den Subkontinent herum und gelangte in schrecklichen Stürmen bis ins Ganges-Delta und als erster Deutscher weiter nach Hinterindien, ins sagenhafte Königreich Pegu mit den weißen Elefanten, das wenige Jahre nach Fernbergers Anwesenheit untergegangen war.
Zurück reiste Fernberger über Persien und das Heilige Land, wo er endlich sein ursprüngliches Ziel, Jerusalem, erreichte. Statt nach Hause zog es ihn aber weiter nach Russland und in das Baltikum. Die Reisebeschreibung endet in Warschau und Krakau. 1593 war er endlich nach Oberösterreich zurückgekehrt und arbeitete an der Ausformulierung seiner Reiseerinnerungen, die er auf Latein verfasste. Es hielt ihn aber nicht lange: inzwischen war der so genannte „lange“ Türkenkrieg ausgebrochen. Er fuhr nach Ungarn und verstarb dort bereits ein Jahr nach seiner Rückkehr von seiner großen Tour im Alter von 34 Jahren in einem Lazarett.

Fernberger war von entdeckerischer Neugier getrieben. Beide, Fernberger und Teufel, führten ein Tagebuch. Teufel, der später eine große Karriere als kaiserlicher Botschafter machte, hatte noch die Chance es in Druck zu geben. Fernbergers Text blieb Manuskript. Auch ein Zeichner war in der Begleitung der beiden, der eine Reihe von Aquarellen und Abbildungen anfertigte, die ein faszinierendes Bild Asiens in der Frühneuzeit vermitteln.

Christoph Carl Fernberger von Eggenberg, der kaiserliche Hauptmann
Georg Christph Fernbergers Cousin zweiten Grades Christoph Carl Fernberger war der erste Österreicher, der die Welt umsegelte, mehr unfreiwillig als freiwillig, seiner eigenen Angabe zufolge wegen eines Missverständnisses, weil er in Holland das falsche Schiff bestieg: nicht eines nach Venedig, sondern eines, das nach Westafrika fuhr. Bei den Kapverdischen Inseln zerschellte das Schiff. Ein Teil der Besatzung konnte sich auf einen nackten Felsen retten. Die wenigen aus dem Wasser gefischten Lebensmittel wurden gerecht aufgeteilt. Jedem war bewusst: „Wann einer seinen theil aufgegössen hat, so hat sein zeit ein endt.“ Nach zwei Wochen wurden die 29 noch Lebenden von einem Schiff aufgelesen, das aber nicht nach Europa unterwegs war, sondern über die Magellanstraße rund um das Kap Horn den Pazifik und Indonesien ansteuerte. Nur 14 der 29 Männer ließen sich retten. Der Rest blieb zurück. Sie wollten lieber weiter auf die minimale Chance eines anderen vorbeikommenden Schiffes warten als die riskante Fahrt über den Atlantik antreten. Was aus ihnen wurde, ist unbekannt. Fernberger fuhr mit, allerdings auf eine Reise, die von 1621 bis 1628 dauerte, ihn über den Atlantik nach Südamerika, von dort durch den Pazifik bis Indonesien, weiter nach Japan und China und wieder zurück über das Kap der Guten Hoffnung nach Europa führte. So wurde der kaiserliche Hauptmann Christoph Carl Fernberger von Eggenberg, der nach seinem bewegten Abenteurerleben 1653 in Maria Enzersdorf verstorben war, der erste Österreicher, welcher die Welt umsegelte. Sein darüber verfasstes „Reißbüchlein“, das allerdings zu seiner Zeit keinerlei Beachtung fand, ist für die moderne Völkerkunde ein Dokument von unersetzlichem Wert.

Johann Georg Peyer, der Mühlviertler Robinson
Johann Georg Peyer, der oberösterreichische Robinson, wurde zwar nicht so berühmt wie das englische Original von Daniel Defoe (1719). Seine Geschichte, wenn sie nicht ganz und gar erfunden ist, nimmt sich aber fast noch abenteuerlicher aus. Der 1713 in Urfahr in der Ottensheimer Straße gegenüber dem alten Schiffmeisterhaus geborene Webersohn führte ein Abenteurer- und Söldnerleben auf dem Balkan. 1739 geriet er in Bosnien in türkische Gefangenschaft und wurde auf dem Sklavenmarkt in Konstantinopel verkauft. Er kommt zu einem Kaufmann, dessen Nichte Fatime sich in ihn verliebt. Sie fliehen, das Paar wird aber eingeholt, Fatime hingerichtet, er selbst kommt als Rudersklave auf ein Schiff, wird von Maltesern befreit, deren Schiff aber bei der rettenden Heimfahrt untergeht, wird wiederum von einem Schiff gerettet, das ihn 1744 nach Brasilien mitnimmt, aber auf der Fahrt ebenfalls Schiffsbruch erleidet. Er rettet sich als einziger auf eine unbewohnte Insel der Antillen. Auf sich allein gestellt, muss er alles erfinden: Feuer machen, Werkzeuge herstellen, eine Hütte bauen, bis eines Tages Boote sich nähern, aber keine rettenden, sondern Menschenfresser. Schließlich geht alles gut aus. Nach elf Jahren kommt endlich ein Schiff, er verlässt die Insel, nicht ohne ihr vorher den Namen Peyerbach zu geben … auf einer Ulmer Schachtel kommt er wieder in Linz an. 1783 stirbt er in Kremsmünster.

Was man davon glauben darf und was nach dem Vorbild der vielen Robinsonaden des 18. Jahrhunderts mehr oder weniger gut erfunden ist, ist schwer zu sagen. Jedenfalls erlebte die 1802 erstmals in Druck gegebene Geschichte des Mühlviertler Robinson zahlreiche Auflagen und Nachdichtungen

Andreas Reischek, weißer Häuptling der Maori
Einer der letzten Abenteuer war Andreas Reischek (1845-1902), der die Kindheit in Weinberg verbrachte und einige Jahre in Kefermarkt wohnte. Durch den Direktor des Naturhistorischen Museums wurde der fähige Tierpräparator nach Christchurch, Neuseeland vermittelt. 1877 kam er in Neuseeland an, wo er letztlich nicht zwei, sondern zwölf Jahre blieb. Er konnte das Vertrauen der Maoris erringen, die ihn auch mit einem Fürstentitel ehrten. Sein „Leben unter Kannibalen“, die des Forschers beste Freunde wurden, immer begleitet von seinem treuen Hund „Cäsar“, wurde weltberühmt.
Als naturwissenschaftlicher Autodidakt erlangte er Ansehen in höchsten wissenschaftlichen Kreisen. 1889 kehrte er schließlich mit mehr als 16.000 gesammelten Objekten aus Neuseeland zurück, fand allerdings in Wien nicht die erhoffte Anerkennung. Seine Förderer waren inzwischen verstorben. So nahm er 1892 das Angebot des Oberösterreichischen Landesmuseums an, bei der Einrichtung des neuen Museums mitzuwirken. 1898 wurde er zum Kustos bestellt. 

Das Wirken Reischeks blieb umstritten, vor allem wegen des Raubs zweier Maorimumien und des Abschusses seltener Tierarten. Rückgabeforderungen auf diplomatischer Ebene führten schließlich dazu, dass 1985 eine der beiden von ihm mitgebrachten Mumien von Wien nach Neuseeland rücküberstellt wurde. Reischeks Wirken an heutigen Maßstäben zu messen, wäre allerdings verfehlt. So hat inzwischen die Kritik wieder einer fairen Bewertung eines abenteuerlichen Forscherlebens Platz gemacht.

Die Linzer Chinaforscher

Im 17. Jahrhundert gab es keine neuen Länder mehr zu entdecken. Aber sie wurden vermessen. Bahnbrechendes leisteten dabei zwei Linzer Jesuiten, P. Johann Grueber und P. Xaver Ernbert Fridelli.

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Im 17. Jahrhundert gab es keine neuen Länder mehr zu entdecken. Aber sie wurden vermessen. Bahnbrechendes leisteten dabei zwei Linzer Jesuiten, P. Johann Grueber und P. Xaver Ernbert Fridelli.
P. Johann Grueber, 1623 in Linz geboren, wirkte als Missionar in China, Indien und Tibet. 1658 trat er seine Fernostreise an, 1659 war er in Peking, wo er als kaiserlicher Hofmaler und Landkartenzeichner tätig war, kam als erster Europäer nach Tibet, überreichte dem Dalai Lama eine Botschaft des Papstes, 1662 war er in Indien. 1680 starb er in Ungarn.
Auch P. Xaver Ernbert Fridelli war China-Missionar. Geboren 1673 in Linz als Sohn des angesehenen Linzer Juristen Heinrich Adam Fridelli, reiste er über Lissabon um Afrika herum nach Indien. Schon diese Fahrt dauerte fast ein halbes Jahr. 1705 setze er seine Reise von Goa nach China fort. Die große Leistung Fridellis war das chinesische Reichskartenwerk: In neun Jahren, von 1709 bis 1718, wurde ein riesiges Gebiet vermessen, vom 70. bis 140. östlichen Längengrad und vom 55. bis 22. nördlichen Breitengrad. Hernach widmete sich Fridelli der Mission, die schließlich am großen Ritenstreit scheiterte. Fridelli starb 1743 in Peking.

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Die Originaltexte:

Fernberger von Egenberg, Christoph Mathias: Unfreiwillige Reise um die Welt: 1621-1628. Nach einer unveröffentlichten Handschrift bearb. v. E. v. Frisch. Leipzig: Brockhaus, 1928 (= Alte Reisen und Abenteuer 22).

Fernberger, Georg Christoph: Reisetagebuch (1588-1593): Sinai, Babylon, Indien, Heiliges Land, Osteuropa; lateinisch-deutsch. Kritische Edition und Übersetzung von Ronald Burger, Frankfurt am Main 1999 (= Beiträge zur neueren Geschichte Österreichs 12).

Peyer, Johann Georg: Robinson der Ober-Oesterreicher: oder höchstmerkwürdige Schicksale Johann Georg Peyers aus Urfahr nächst Linz gebürtig, (ehemal. K. K. Dragoner Wachtmeisters bei dem Regimente Prinz Eugen von Savoyen) dessen Gefangennehmung von den Türken, dann zehnjähriger Aufenthalt auf einer damals noch nie besuchten Insel in Amerika und endliche Befreiung, von ihm selbst geschrieben. Linz und Leipzig : K.k. priv. akad. Kunst- Musik- u. Buchhandlung 1802.

Peyer, Johann Georg: Fatime und Azem: originalgetreue Bearbeitung von Robinson, der Ober-Österreicher oder Höchst merkwürdige Schicksale Johann Georg Peyers. Linz 1993.

Reischek, Andreas: Sterbende Welt, Leipzig, Brockhaus, 1927, 158 Seiten (Reisen und Abenteuer 38 )

Literatur:

Haslinger, Adolf: Österreichische Robinsonaden um 1800. In: Die österreichische Literatur T. 2 (Graz 1979), S. 853-864 (Jahrbuch für österr. Kulturgeschichte 7-9), darin: „Robinson der Ober-Oesterreicher oder höchstmerkwürdige Schicksale Johann Georg Peyers aus Urfahr nächst Linz gebürtig“. Linz 1802.

Kolig, Erich: Umstrittene Würde: Andreas Reischek, der Neuseeland-Forscher aus dem oberösterreichischen Mühlviertel (1845-1902). Wien: Institut für Völkerkunde der Universität Wien, 1996 (= Wiener ethnohistorische Blätter 41).

Lehner, Martina: Reise ans Ende der Welt (1588-1593). Studie zur Mentalitätengeschichte und Reisekultur der frühen Neuzeit anhand des Reisetagebuches von Georg Christoph Fernberger von Egenberg, Frankfurt am Main 2001 (= Beiträge zur neueren Geschichte Österreichs 13).

Reischek, Andreas: Weißer Häuptling der Maori: das Leben des Neuseelandforschers Andreas Reischek, erzählt von seinem Sohn Andreas Reischek. Wien: Büchergilde Gutenberg, 1955.

Wernhart, Karl Rudolf: Christoph Carl Fernberger. Der erste österreichische Weltreisende (1621-1628). Wien 1972.

Oberösterreichische Nachrichten, 5. Juli 2008

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