Forum O√Ė Geschichte

Die Waschmaschine


M√ľhsame Arbeit
W√§sche zu besitzen, zu benutzen und zu beschmutzen, konnte sich bis ins fr√ľhe 19. Jahrhundert nur die wohlhabende Minderheit der Gesellschaft leisten, da sie auch √ľber einen ausreichenden Vorrat an Leinenzeug verf√ľgte, um damit √ľber mehrere Wochen bis zur n√§chsten ‚ÄěGro√üen W√§sche‚Äú auszukommen.

Nicht au√üer Acht gelassen werden darf dabei aber, dass der Reinlichkeitsstandard ein anderer war: Wenn heute W√§sche nur einen Tag getragen wird und als schmutzig gilt, weil sie K√∂rpergeruch angenommen hat, so wurde Kleidung in fr√ľherer Zeit wochen- bis monatelang anbehalten. Vorschriften in Spitalsordnungen vom Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert, die angaben, in welchen Abst√§nden die W√§sche zu reinigen sei, reichten von alle zwei Wochen bis zweimal im Jahr.

Die Tage der ‚ÄěGro√üen W√§sche‚Äú lagen also weit auseinander. Dann aber nahmen sie oft mehrere Tage in Anspruch. Gewaschen wurde am Bach, am Brunnen oder in einem vor dem Haus aufgestellten Trog.
Die Reinigung der Wäsche erfolgte in drei Arbeitsgängen:

Auslaugen oder Sechteln: Dabei wurde die W√§sche in Laugenbottichen mit Aschenlauge durchtr√§nkt. Die Aschenlauge, die durch ein Zapfloch am Boden des Bottichs auslaufen konnte, wurde aufgefangen und immer wieder von oben auf die W√§sche gegeben. Dies wurde mindestens sechs- bis siebenmal wiederholt, je nach Verschmutzung der W√§sche und der W√§schemenge. In der letzten Lauge blieb die W√§sche dann oft bis zum n√§chsten Tag zur weiteren Bearbeitung stehen. Der Kreislauf fand schlie√ülich ein Ende in der abschlie√üenden Umnutzung der Lauge. Sie wurde entweder zum Reinigen der B√∂den verwendet oder aber als wieder getrockneter Aschenr√ľckstand zum D√ľngen in die G√§rten oder aufs Feld gebracht.
Das Auslaugen wurde im 19. Jahrhundert durch das Kochen der Wäsche in Seife abgelöst. Dies geschah in gemauerten oder einfachen Metallwaschkesseln.

Mechanische Bearbeitung: Dazu ben√∂tigten die W√§scherinnen viel Kraft. Die W√§sche wurde durch Reiben, B√ľrsten, Schlagen, Wringen ... bearbeitet. Dabei wurde mit einem Schlagholz (W√§schepracker) auf das W√§schest√ľck, das auf einem Waschtisch, einer Bank oder einem Brett lag, eingeschlagen. F√ľr hartn√§ckige Verschmutzungen benutzte man B√ľrsten. Ein weiteres Werkzeug waren die Waschbretter oder -b√§nke, aus denen sich im 19. Jahrhundert die W√§scherumpeln entwickelten. Um 1900 kamen W√§schestampfer aus Zinkblech auf den Markt.

Der Stampfer wurde auf die in der Lauge liegende W√§sche gesetzt, dann dr√ľckte man den Kolben nieder und presste dadurch Luft und Seifenlauge durch die W√§sche nach unten. Zog man ihn in die H√∂he, wurde wiederum Lauge durch die Poren des Gewebes emporgesaugt. W√§schestampfer wurden bis in die 1960er Jahre verwendet.

Sp√ľlen oder Schwemmen: Der letzte und besondere Sorgfalt erfordernde Arbeitsgang war das Sp√ľlen und Schwemmen der W√§sche in klarem Wasser. Die Reste von Lauge oder Seife mussten vollst√§ndig entfernt sein, damit die W√§sche nicht m√ľrbe oder grau wurde. Daher schlug man sie noch einmal mit dem W√§schepracker. An den Ufern der B√§che waren √ľberall Bretter und Holzstege, so genannte Waschstege, angebracht, auf denen die W√§scherinnen meist knieten. Nach dem Schwemmen behandelte man die wei√üe W√§sche mit Waschblau, bestehend aus Indigo und Ultramarin. Das sollte der W√§sche einen schlo√üwei√üen Schein verleihen. Anschlie√üend kam die fertige W√§sche auf die Bleiche, um dort auf Wiesen aufgebreitet im direkten Sonnenlicht langsam zu trocknen. Zum St√§rken der W√§sche bediente man sich einer Weizen-, Mais-, Reis- oder Kartoffelst√§rke. Gest√§rkte W√§sche, so zeigte die Erfahrung, verschmutzte nicht so rasch.

Bis weit in die 1960er Jahre hinein wurde die ‚ÄěGro√üe W√§sche‚Äú in der Waschk√ľche erledigt; mit Waschkessel, diversen Wannen, Waschbrett oder W√§schestampfer. Die ‚ÄěKleine W√§sche‚Äú wurde zwischendurch in der K√ľche in einem Topf auf dem Herd oder im Bad gewaschen - falls Windeln anfielen auch t√§glich.

Waschkessel

Erste Waschherde tauchten im ausgehenden 18. Jahrhundert mit dem Aufschwung der Eisengie√üereien und dem Ofenbau auf. Die Waschherde dienten f√ľr die wichtige Arbeit des Laugeaufheizens, Kochens und Auslaugens. Im Prinzip bestanden diese aus kupfernen, eisernen, verzinkten oder auch emaillierten Kesseln in einer festen Ummauerung mit eigenem Feuerraum mit Aschenkasten, Abgasrohr und Luftzufuhr. Die Kessel wurden mithilfe eines Holz- oder Metalldeckels geschlossen. Die gemauerten Waschkessel wurden nicht nur f√ľr die W√§sche, sondern auch f√ľr Schlachtereien oder f√ľr das Einkochen von Marmeladen verwendet.

Entwicklung der Waschmaschine
Das Prinzip der heutigen Waschmaschine war sp√§testens 1869 entwickelt worden. Alle Konstruktionen f√ľr Waschmaschinen zielten auf Vereinfachung oder Ersetzen der beim Waschen anstrengendsten Arbeit des Rubbelns, Reibens und B√ľrstens. Der Weg f√ľhrte von den h√§ndisch zu bet√§tigenden Maschinen, bei denen Kochen, Waschen und Schleudern noch in verschiedenen Ger√§ten erfolgten, √ľber Halbautomaten bis zu den vollautomatischen, kombinierten Ger√§ten mit eingebauten Schleudern.

1951 rechnet man f√ľr ganz √Ėsterreich mit einem Bestand von etwa 3.000 Waschmaschinen. Ende 1957 besa√üen etwa 5 bis 7 Prozent der √∂sterreichischen Haushalte eine elektrische Waschmaschine (gegen 84 Prozent in den USA). Fast die H√§lfte der Waschmaschinen in √Ėsterreich wurde in der Landwirtschaft verwendet, w√§hrend sonst die Ausstattung in diesem Bereich mit elektrischen Haushaltsger√§ten weit unter dem Durchschnitt lag. In den st√§dtischen Haushalten wurde immer noch vorwiegend in zentralen Waschk√ľchen gearbeitet. 1960 hatten 46,5 Prozent der Haushalte in Ober√∂sterreich eine Waschmaschine. Der Trend zur technischen Autonomie des Haushalts verst√§rkte sich und der Waschvollautomat machte gro√üe, zentrale Waschk√ľchen √ľberfl√ľssig. 1974 besa√üen bereits 89,3 Prozent der Von einer gro√üen, schweren, periodisch wiederkehrenden Arbeit war das W√§schewaschen damit zu einer kurzen, daf√ľr h√§ufiger durchgef√ľhrten T√§tigkeit geworden. Die gro√üe W√§sche wurde aufgel√∂st in viele kleine W√§schen.


Autorin: Ingeborg Micko, 2008


Dokumentation zur Ausstellung: "Das bisschen Haushalt‚Ķ" Ger√§te und Techniken im Wandel. Ausstellung in den Stadtmuseen Wels ‚Äď Burg vom 25. Juni bis 26. Oktober 2008.

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