Forum OÖ Geschichte

Hygiene – Körperpflege – Gesundheit


Rasur
Bereits vor 20.000 Jahren rasierten sich MĂ€nner ihre BĂ€rte, damals allerdings noch mit geschliffenen Steinen und Muscheln.
Über Jahrtausende blieb dann die Rasur mit dem Messer eine nicht ungefĂ€hrliche Prozedur, wobei die Nassrasur der Barthaare traditionell beim Barbier durchgefĂŒhrt wurde.
Erst mit der Erfindung und Vermarktung des mechanischen Rasierapparates (Rasierhobel) mit doppelseitiger Sicherheitsrasierklinge durch King Camp Gillette (1855-1932) im Jahre 1899 wurde es möglich, sich tÀglich einfach zu Hause zu rasieren.
Die ersten Trockenrasierer arbeiteten mit rotierenden Klingen, angetrieben von einem mechanischen Aufziehmotor. Mit der Entwicklung kleiner Elektromotoren wurde es möglich, elektrische Rasierapparate fĂŒr die Trockenrasur zu entwickeln. 1931 wurde der erste handliche Elektrorasierer von Jakob Schick in den USA durch die Firma Remington angeboten. Breit durchsetzten konnte sich diese Technik erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Klapprasiermesser

Schon um 1550 v. Chr. sind die ersten einklappbaren Messer bekannt. Erst im 17. Jahrhundert wurde in Sheffield (England) das Klapprasiermesser wieder eingefĂŒhrt. Rasiermesser hervorragender QualitĂ€t kamen in der Folge aus den Messermetropolen Solingen und Sheffield.

Brennschere
Die Brennschere, auch Brennzange oder Brenneisen genannt, wurde zur Ondulation der Haare verwendet. Die Herstellung der Locken mit diesem Instrument hielt sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Brennschere wurde auf dem Herd, ĂŒber dem Feuer oder im elektrisch betriebenen Brennscherenofen erhitzt. Anschließend klemmte man die Spitze einer HaarstrĂ€hne zwischen die beiden StĂ€be und drehte damit die Haare auf.

Föhn/Haartrockenmaschine
Die erste Haartrockenmaschine wurde bereits 1899 von der Allgemeinen ElectrizitĂ€ts-Gesellschaft (AEG) mit einem stolzen Gewicht von zwei Kilogramm auf den Markt gebracht. Sie blies aus einer Art DĂŒsenrohr 90 Grad Celsius heiße Luft. Ihr Motor zum Antrieb des Ventilators war im Griff untergebracht. In Anspielung auf den warmen Wind, der von den Bergen herunterweht, sollte diese Erfindung Fön/Foen heißen (Auch heute noch ist Fön ein eingetragenes Warenzeichen von AEG). Um 1910 kamen die ersten annĂ€hrend tragbaren Heißluftduschen in den Handel.

SanitÀrinstallationen
Ende des 19. Jahrhunderts begann die Ärzteschaft verstĂ€rkt bessere Hygienebedingungen zu fordern. In der Folge entstanden in den StĂ€dten öffentliche Bade- und Wascheinrichtungen. Das wohlhabende BĂŒrgertum orientierte sich an den privaten HausbĂ€dern der EnglĂ€nder. ZunĂ€chst kamen transportable oder zusammenfaltbare Badewannen sowie Zimmerduschen ohne festen Wasseranschluss zum Einsatz.
In den Wohnungen der BĂŒrger musste fĂŒr gelegentliches Baden der einzige Wasserhahn in der KĂŒche oder auf der Etage ausreichen. Die Wanne wurde mittels frei verlegtem Schlauch oder Eimer gefĂŒllt. Heißes Wasser bereitete man am KĂŒchenherd.
Von alters her war der ĂŒbliche Standort fĂŒr die Waschgelegenheit der Schlafraum. Hier hatten die obligatorische WaschschĂŒssel aus Steingut sowie ein Henkelkrug mit Wasser auf einer Kommode ihren festen Platz. In Kleinwohnungen musste die WohnkĂŒche fĂŒr die Körperhygiene herhalten.

Als man in bĂŒrgerlichen HĂ€usern die ersten fest installierten Waschgelegenheiten einrichtete, folgte man der Tradition und wĂ€hlte als Standort wiederum das Schlafzimmer. Diese „Waschtoiletten“ unterschieden sich anfangs kaum von den alten Kommoden; lediglich die SchĂŒsseln waren in die Deckplatte eingelassen und besaßen einen Zu- und Ablauf.

Badewannen wurden in einer umbauten Nische im Schlafraum installiert. Problematisch war die gĂ€ngige Ablaufsituation. GeruchsverschlĂŒsse waren weitgehend unbekannt oder man verzichtete darauf. In der Regel fehlte auch eine effektive EntlĂŒftung der Ablaufrohre. Damit war der Weg fĂŒr die gesundheitsschĂ€dlichen KanalisationsdĂ€mpfe in den Schlafraum frei. Die Angst vor den aufsteigenden Gasen sollte dazu fĂŒhren, dass Wasch- und Badeeinrichtungen ab 1910 verstĂ€rkt vom ĂŒbrigen Wohnbereich getrennt und zusammen mit der Toilette in einer eigenen Kammer untergebracht wurden.

Zum Kaltwasserzulauf gesellte sich bald der einzeln stehende kupferne Badeofen, der mit Gas, Holz oder Kohle beheizt werden konnte und die KĂŒche bei der Badewasserbereitung entlastete.

Ein weiterer Schritt war die zentral vom KĂŒchenherd aus betriebene Niederdruck-Warmwasserheizung fĂŒr das ganze GebĂ€ude. Ebenso wie das Badezimmer kam sie zuerst in gutbĂŒrgerlichen Wohnungen zum Einsatz. Der NormalbĂŒrger schĂ€tzte sich noch bis weit in die 1930er Jahre hinein glĂŒcklich, wenn er einen Kaltwasserzulauf in der KĂŒche sein Eigen nennen und sich eine Etagentoilette mit den Nachbarn teilen konnte.

Heißwasserspeicher

Bereits in den 1920er Jahren wurden die ersten elektrisch betriebenen Heißwasserspeicher hergestellt; wirkliche Verbreitung fanden sie aber erst ab den 1950er Jahren.

Toilette
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts verschwand auf dem Abort langsam die ĂŒbliche Anordnung von Topf und Wasserkanne und es kamen kommodenĂ€hnliche Möbel fĂŒr die diskrete Erleichterung auf, die ein abdeckbares Porzellanbecken besaßen, manche sogar schon mit einem eingebauten SpĂŒlkasten.
Bereits Ende des 16. Jahrhunderts allerdings erfand der EnglĂ€nder John Harington das erste „moderne“ Wasserklosett. Die Erfindung fand jedoch keinen Anklang. Erst rund 200 Jahre spĂ€ter, 1775, entwickelte der EnglĂ€nder Alexander Cummings ein Wasserklosett (Water Closet = WC) mit dem auch bis heute gebrĂ€uchlichen s-förmigen Abflussrohr.
Trotz der zunehmenden Forderung nach Hygiene machte man nur allmÀhlich ernsthafte Versuche, statt der Senkgruben, die von Zeit zu Zeit gerÀumt werden mussten, ein Kanalsystem anzulegen.
Auch die Einrichtung eines WCs als abgeschlossener Teil der Wohnung ging nur langsam vonstatten. Um 1950 besaß noch der grĂ¶ĂŸte Teil der Wohnungen kein eigenes WC. Es war vielfach im Garten oder auf den GĂ€ngen der WohnhĂ€user eingerichtet.

Bestrahlungslampen
Wie wenig man um allfĂ€llige Nebenwirkungen wusste oder sich Sorgen machte, zeigt der Einsatz diverser Bestrahlungslampen. Die Idee der kĂŒnstlichen UV-Bestrahlung als Sonnenersatz war um 1900 mit der damaligen Körperkultur und Lebensform populĂ€r geworden, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Verwendung dieser GerĂ€te verstĂ€rkt ein.

Aus Werbungen

„Ich bin Privatmann und halte mir die Höhensonne lediglich zur Erholung und StĂ€rkung nach angestrengtem BĂŒrodienste. Ich könnte mich kaum jemals von ihr trennen. Meine Frau behandelt sie wie ein Kleinod. – Auch in Bekanntenkreisen, in denen ich sie vorgefĂŒhrt habe, hatte sie helle Begeisterung ausgelöst.“ (Werbefolder, 1933)

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„Ich bin Privatmann und halte mir die Höhensonne lediglich zur Erholung und StĂ€rkung nach angestrengtem BĂŒrodienste. Ich könnte mich kaum jemals von ihr trennen. Meine Frau behandelt sie wie ein Kleinod. - Auch in Bekanntenkreisen, in denen ich sie vorgefĂŒhrt habe, hatte sie helle Begeisterung ausgelöst.“ (Werbefolder, 1933)

„Wenn du dein Kind von Herzen liebst, so lass zur Pflicht dir werden, dass du ihm Gesundheit gibst, als grĂ¶ĂŸten Schatz auf Erden. Lass durch der Höhensonne Strahl vor Krankheit es bewahren, der Dienst verzinst sich tausendmal in spĂ€teren Lebensjahren. Die Höhensonne jedem Kind! Wenn das doch Wahrheit wĂŒrde! Frei wĂ€r die Menschheit dann geschwind von mancher schweren BĂŒrde“ (Hanau, 1940).

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Produktion in Linz

Die 1906 in Hanau am Main gegrĂŒndeten Quarzlampen Ges.m.b.H. eröffnete 1915 eine Niederlassung in Linz.

WĂ€rmflasche und Heizkissen
Ein VorlĂ€ufer der WĂ€rmeflasche war ein heißer Ziegel oder ein heißer Stein, der zum VorwĂ€rmen in ein Tuch geschlagen und in das Bett gelegt wurde. Bereits um 1520 gab es aber die ersten WĂ€rmeflaschen aus Zinn. SpĂ€ter wurden die BehĂ€lter aus Zink, Kupfer oder Messing gefertigt. GefĂŒllt wurden diese Flaschen entweder mit heißem Wasser oder heißem Sand. WĂ€rmeflaschen aus Gummi kamen in den 1920er Jahren auf den Markt.

Die ersten Heizkissen und Heizdecken waren bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. In den Decken befinden sich HeizdrĂ€hte (WiderstandsdrĂ€hte), die den zugefĂŒhrten elektrischen Strom in WĂ€rme umwandeln.

Hörapparate
Die ersten Hörhilfen standen im 17. Jahrhundert als Hörrohre zur VerfĂŒgung. Erst mit der Verbreitung der Telefontechnik gab es auch eine Weiterentwicklung bei den HörgerĂ€ten. Um 1890 entstanden so genannte TelefonhörgerĂ€te, in denen mittels Mikrofon und Hörer ein großer Schalldruck erzeugbar war. Die Stromversorgung erforderte allerdings riesige Batterien und die HörqualitĂ€t war schlecht. In den 1920er Jahren waren dann RöhrentischgerĂ€te erhĂ€ltlich, die den Vorzug hatten, dass man verschiedene VerstĂ€rkungen in den diversen Frequenzbereichen einstellen konnte. In den folgenden Jahren erreichten diese RöhrengerĂ€te schließlich Westentaschenformat.


Autorin: Ingeborg Micko, 2008


Dokumentation zur Ausstellung: "Das bisschen Haushalt
" GerĂ€te und Techniken im Wandel. Ausstellung in den Stadtmuseen Wels – Burg vom 25. Juni bis 26. Oktober 2008.

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