Forum O√Ė Geschichte

Exkurs zum Thema der Ausstellung: Arbeit im Wandel


Zum Thema der Ausstellung sollen einige Ver√§nderungen, welche "die Arbeit" im Zeitraum von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts wesentlich pr√§gten, kurz skizziert werden, um zus√§tzlich zu den visuellen Eindr√ľcken auch eine inhaltliche Vertiefung in das Thema zu erm√∂glichen. Exemplarisch werden dabei einzelne T√§tigkeitsbereiche, die in Josef Danningers Fotoarbeiten vorgestellt wurden, herausgegriffen.


Aussaat- und Erntearbeiten

Die bäuerliche Arbeit war sehr lange Zeit von hohem Personaleinsatz geprägt. Während um 1950 noch etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt war, so sind es heute nur noch knapp vier Prozent.
 
Vor der allgemeinen Mechanisierung musste ein Gro√üteil aller anfallenden T√§tigkeiten durch Handarbeit geleistet werden, wodurch sich die hohe Zahl an Besch√§ftigten ergab. Um die Felder bestellen zu k√∂nnen, waren unz√§hlige Arbeitsschritte erforderlich - von der Aussaat, √ľber die Pflege und Bearbeitung des Bodens bis zur Ernte, dem Heimbringen und Lagern der Ertr√§ge. Es sollen im Folgenden die Arbeitsschritte im Zusammenhang mit der Getreide- und Kartoffelernte anno dazumal skizziert werden:

Getreideernte
Die Aussaat des Getreides erfolgte von Hand, die Bearbeitung des Bodens, um diesen m√∂glichst frei von Unkraut und Sch√§dlingen zu halten sowie die D√ľngung, musste ebenfalls h√§ndisch erfolgen. War das Korn reif, begann erst die wirklich aufw√§ndige Arbeit: Mit Sicheln und Sensen wurden die Halme abgem√§ht, zu Garben gebunden und diese zum Trocknen aufgestellt. Die getrockneten Garben mussten auf Wagen aufgeladen und zum Hof gebracht werden, wo sie "gedroschen" wurden. Darunter versteht man den Vorgang, wo mit dem Dreschflegel - einem langen Holzstiel auf dem ein beweglicher Pr√ľgel befestigt war - auf die √Ąhren geschlagen wurde, um die K√∂rner aus den √Ąhren zu l√∂sen. War dies geschafft, erfolgte die Reinigung des Getreides: die "Spreu" musste vom Korn getrennt werden, dieses getrocknet und abgef√ľllt oder bis zum Mahlen zwischengelagert werden. Das Dreschen war im b√§uerlichen Arbeitsjahr ein arbeitsintensives Gro√üereignis, das unz√§hlige helfende H√§nde ben√∂tigte.

Heute erledigt all diese Arbeitsschritte in nahezu einem einzigen Vorgang der M√§hdrescher allein. Auch der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln und Pestiziden sollte nicht unerw√§hnt bleiben, der einerseits zu einer gro√üen Arbeitsersparnis und zu besseren Ertr√§gen f√ľhrte, andererseits aber auch unbestreitbar negative Auswirkungen auf den Boden, die Tier- und Pflanzenwelt als auch auf die menschliche Gesundheit hat.

Kartoffelnanbau und ‚Äďernte
Dass es sich bei der Kartoffel um ein Importprodukt aus dem Inkareich handelt, das die Spanier von ihren Eroberungsfahrten im 16. Jahrhundert erstmals nach Europa mitbrachten, ist allgemein bekannt. Was viele nicht wissen, ist, dass die fl√§chendeckende Verbreitung dieser n√§hrstoffreichen Knolle sich in unseren Breiten erst ab ca. Mitte des 19. Jahrhunderts durchsetzte, da die europ√§ischen Klimaverh√§ltnisse sich von jenen der √§quatornahen Kulturen unterschieden und somit auch die Ertr√§ge erst nach Z√ľchtungen und entsprechenden Erfahrungen im Umgang mit Anbau und Ernte optimieren lie√üen. Grunds√§tzlich aber war die robuste Kartoffel f√ľr das raue Klima Mitteleuropas und auch f√ľr karge B√∂den durchaus gut geeignet. Die Kartoffel wurde in vielen Gegenden zum (√úber-)Lebensmittel der armen, l√§ndlichen Bev√∂lkerung, die sich fast ausschlie√ülich davon ern√§hrte. Bei Missernten aufgrund von Krankheiten oder D√ľrreperioden kam es dadurch auch zu gro√üen Hungersn√∂ten und tausenden Todesopfern, wenn diese verl√§ssliche Nahrungsquelle ausblieb.

W√§hrend die Ernte der Kartoffeln anf√§nglich nur mit einfachen Grabeger√§ten erfolgte und es dementsprechend m√ľhsam und aufw√§ndig war, die Knollenb√ľndel auszuheben und von der Erde zu befreien, so brachte schon im 19. Jahrhundert der von Pferden oder Ochsen gezogene Kartoffelroder eine bedeutende Arbeitserleichterung mit sich: Eine Spindel, die langsam Reihe f√ľr Reihe durch die Erde gezogen wurde, schleuderte die Kartoffeln auf den Acker und befreite sie von Wurzeln und Ranken. Die Kartoffeln mussten nur mehr aufgehoben, nach Gr√∂√üen sortiert in geflochtene Drahtk√∂rbe - so genannte "Zisteln" - gelegt und mit dem Wagen zur Einlagerung in den Keller transportiert werden. Dazu brauchte es nat√ľrlich viele H√§nde und so wurden vor allem auch die Kinder und Nachbarn als Erntehelfer hinzugezogen, die sich ein kleines Taschengeld dazuverdienen konnten.

Diese Erntemethode ist kein Vergleich mehr zur heutigen Kartoffelernte mit so genannten modernen ‚ÄěKartoffelvollerntern‚Äú, die den gesamten Erntevorgang um ein vielfaches beschleunigen und die Anzahl der Helfer auf zwei oder drei Personen reduzieren: Durch den, von einem Traktor gezogenen ‚ÄěVollernter‚Äú werden gleichzeitig mehrere Reihen Kartoffeln ausgehoben, diese von Erde und Ranken befreit und auf ein F√∂rderband geleitet, von dem nur vereinzelte Erdbrocken oder M√ľll, der vom Ackerboden aufgelesen wurde, h√§ndisch aussortiert werden muss. Das Abf√ľllen in S√§cke bzw. das Bef√∂rdern auf einen Wagen, oder je nach Modell in einen integrierten Bunker √ľbernimmt wieder der Vollernter.


Bodenbearbeitung und -d√ľngung

Kenntnisse um die Bearbeitung und Lockerung des Bodens durch Pfl√ľge oder pflug√§hnliche Ger√§te reichen bereits in pr√§historische Zeiten zur√ľck, sie waren letztlich f√ľr die Sesshaftwerdung der Menschen ein wichtiger Faktor. Rasch wurden Tiere beigezogen - die Kraftanstrengung um ein Vielfaches minimiert. Durch das Pfl√ľgen des Bodens wurde dieser gelockert, von Unkraut und teilweise von Sch√§dlingen befreit, wodurch eine Steigerung der Ertr√§ge erreicht werden konnte. Obwohl diese Ger√§te im Laufe von Jahrtausenden zunehmend ver√§ndert und technisch weiterentwickelt wurden, blieb deren Funktionsprinzip im Wesentlichen erhalten.

Eine tats√§chliche Revolution im Hinblick auf die Effizienz von Bodenbearbeitungsger√§ten wurde erst mit der Abl√∂se der Zugtiere im ausgehenden 19. Jahrhundert durch ‚Äď noch relativ umst√§ndliche ‚Äď dampfbetriebene und im 20. Jahrhundert schlie√ülich durch motorisierte Zugmaschinen und Traktoren vollzogen. Die h√§ndische Bearbeitung des Bodens und der Einsatz mit Tieren war im Vergleich dazu eine sehr m√ľhevolle und personalintensive Arbeit gewesen.
In Ober√∂sterreich war bis weit in die 1960er Jahre das Bild der t√§glichen Arbeit in b√§uerlichen Betrieben vor allem durch eines gepr√§gt - die gemeinsame Arbeit vieler Personen - Bauer, B√§uerin, Knechte, M√§gde und auch Kinder und Nachbarn, die sich durch ihre Hilfe bei den Bauern ein kleines Zubrot verdienten. Heute werden H√∂fe in der Regel nur von der Kernfamilie bewirtschaftet, mit Ausnahme von Regionen mit intensivem Obst- oder Gem√ľseanbau, wo saisonal zus√§tzliche Erntehelfer eingesetzt werden.

So war also ein Faktor zur Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft die motorisierte Bearbeitung der Felder, ein weiteres wichtiges Moment stellt die D√ľngung dar, die ebenfalls auf eine lange Tradition zur√ľckblicken kann: Fruchtwechselfolge, Gr√ľnd√ľngung, D√ľngung durch Mist und Jauche und mineralische D√ľnger waren bereits seit der Antike im Einsatz. Diese Methoden werden heute noch verfolgt, wie die historischen als auch aktuellen Fotografien zeigen, der menschliche Arbeitsaufwand wurde aber auch hier betr√§chtlich minimiert.
Die Erfindung des Kunstd√ľngers durch Justus von Liebig im 19. Jahrhundert mit dem die dem Boden durch den Pflanzenbau entzogenen Stoffe wieder zugef√ľhrt wurden sowie sp√§ter chemischer D√ľnger und Sch√§dlingsbek√§mpfungsmittel oder  gentechnisch ver√§ndertes Saatgut hatten schlie√ülich revolution√§re Ertragssteigerungen zur Folge ‚Äď auch mit allen negativen Auswirkungen und ethischen Fragen, die damit verbunden sind.


K√ľhlung f√ľr Brauereien und Gasth√§user

Die K√ľhlung und Frischhaltung von Lebensmitteln ‚Äď insbesondere von Fleisch, Milch und Bier, stellte die Menschheit lange Zeit vor gro√üe Schwierigkeiten. Um diese Produkte frisch zu halten, wurden sie in Eiskellern eingelagert, wo den Betrieben eigene Abteile f√ľr ihre Produkte zur Verf√ľgung standen. Vor allem Gastwirte, Fleischhauer und Brauereien waren davon abh√§ngig, dass ihre Waren frisch blieben. Im Winter, wenn das Wasser auf den Seen gefroren war, wurden mit langen S√§gen gro√üe Bl√∂cke von der Eisdecke herausgeschnitten, auf Schlitten verladen und zu den Eiskellern transportiert. Dies war eine anstrengende, kalte, nasse und wohl auch nicht ungef√§hrliche Angelegenheit. Bei richtiger Lagerung und L√ľftung blieb das Eis monatelang bis in den Sommer hinein erhalten, ohne zu schmelzen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde nach und nach ‚Äď vor allem im industriellen Bereich ‚Äď diese Form der K√ľhlung durch den Einsatz von dampfbetriebenen K√§ltemaschinen abgel√∂st, wobei die K√ľhlung mit Eis noch bis in die 1950er Jahre noch Anwendung fand ‚Äď allerdings nur im industriellen Bereich. Kleine, mit Eisbl√∂cken gef√ľllte Eisschr√§nke waren auch in privaten Haushalten vorhanden, doch erst mit der Elektrifizierung und der Erfindung des K√ľhlschrankes, der ab den 1930er Jahren auch in Europa langsam seinen Einzug hielt, wurde die K√ľhlung zu einer bequemen Sache. Die allgemeine Verbreitung sollte aber noch einige Zeit dauern. Noch lange handelte es sich beim K√ľhlschrank um ein Luxusgut, das sich nur wenige leisten konnten, weshalb noch in den 1950er Jahren in vielen Kommunen sogenannte K√ľhlh√§user eingef√ľhrt wurden, wo Familien F√§cher mieten konnten, um dort ihre Lebensmittel - vor allem Fleisch - einzulagern. Der fl√§chendeckende Einzug der K√ľhl- und Gefrierschr√§nke in alle Haushalte, der wohl erst in den 1970er Jahren abgeschlossen war, hatte schlie√ülich ein stark ver√§ndertes Konsumverhalten der Bev√∂lkerung zur Folge.

Heute erfolgt die K√ľhlung in den K√ľhlr√§umen gro√üer Betriebe durch leistungsstarke K√ľhlaggregate, die ein stufenloses Einstellen der gew√ľnschten Temperatur erm√∂glichen.


Hauswirtschaftliche Tätigkeiten

Wäschepflege
Waschen und W√§schepflege war und ist eine wichtige Arbeit im Haushalt, die ‚Äď immer noch ‚Äď haupts√§chlich den Frauen obliegt. Durch die Einf√ľhrung der Waschmaschine ist es jedoch zu erheblichen Erleichterungen gekommen. Der Aufwand, der durchaus als Schwerstarbeit bezeichnet werden kann, war enorm. Am ‚ÄěWaschtag‚Äú, der zumeist im Abstand von zwei bis vier Wochen stattfand und ein bis zwei Tage dauerte, taten sich die Frauen des Hauses oder des Dorfes zusammen, um gemeinsam die W√§sche zu waschen. Die W√§sche wurde zuerst kalt (in Aschenlauge) ausgelaugt, danach eingeseift und mit B√ľrste und Waschrumpel fest bearbeitet, geschrubbt oder geschlagen, um schlie√ülich in einem gro√üen Wasserkessel ausgekocht zu werden. Bei besonders schmutzigen Stellen oder W√§schest√ľcken musste dieser Vorgang mehrmals wiederholt werden. Der W√§schestampfer, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete, brachte eine wesentliche Erleichterung und wurde bis in die 1960er Jahre benutzt. Nun musste die W√§sche noch von der Lauge befreit werden. Das Ausschwemmen der W√§schest√ľcke im kalten Wasser erfolgte an einem nahegelegenen Bach oder Fluss, wo so genannte Waschstege errichtet wurden. Besonders im Winter war dies eine schmerzhafte Angelegenheit. Die H√§nde wurden zwischendurch immer wieder in hei√ües Wasser getaucht, um sie zu w√§rmen. Zum Bleichen musste die wei√üe W√§sche im Sommer zus√§tzlich in die Sonne gelegt und laufend mit Wasser befeuchtet werden. Durch das Wasser, die Sonneneinstrahlung und den Sauerstoff, der aus den Gr√§sern in der Wiese freigesetzt wurde, entstanden geringe Mengen an Wasserstoffperoxid, das auf die W√§sche einwirkte und diese bleichte. Auf diese Weise konnten aus der wei√üen W√§sche Flecken von Obst, Wein oder Kaffee wieder entfernt werden. Sp√§ter wurden Bleichmittel schon beim Waschvorgang zugesetzt und noch heute sind sie in den Waschmitteln enthalten. Obwohl das Prinzip der Waschmaschine schon im 19. Jahrhundert erfunden worden war, dauerte die Verbreitung der elektrisch betriebenen Waschmaschinen in Privathaushalten noch lange Zeit. Besonders in den St√§dten waren Waschk√ľchen weit verbreitet, da weder der Platz noch das Geld f√ľr diese teuren Anschaffungen vorhanden waren.

Heute ist mit dem W√§schewaschen eigentlich kein Aufwand mehr verbunden, denn es besteht gerade aus dem Einlegen der W√§sche in die Waschmaschine, dem W√§hlen des Programms und dem Bet√§tigen des Einschaltknopfes. Die zuvor in m√ľhevoller und zeitaufw√§ndiger Handarbeit get√§tigten Arbeitsschritte ‚Äď Waschen, Schrubben, Kochen, Schwemmen, Auswringen ‚Äď werden nun innerhalb von 1-3 Stunden in einem einzigen Durchlauf vom ‚ÄěWaschvollautomat‚Äú erledigt.

Bodenpflege
Zur Bodenpflege, die zumeist einmal pro Woche ‚Äď zumeist am Samstag ‚Äď durchgef√ľhrt wurde, soll nur kurz angemerkt werden, dass daf√ľr h√§ufig die aufgehobene Waschlauge vom Waschtag verwendet wurde. Nicht eingelassene Holzb√∂den wurden mit Soda mit Reisb√ľrsten h√§ndisch geschrubbt, zumeist kniend auf einem Holzbrett. F√ľr eine mit dem Schrubben durch die B√ľrste vergleichbare Tiefenreinigung der B√∂den werden heute zumeist Dampfreiniger eingesetzt.


Kommunale Tätigkeiten

Lange Zeit k√ľmmerte man sich um die systematische Reinigung der Stra√üen und √∂ffentlichen Wege kaum. Hausrat wurde gro√üteils direkt auf der Stra√üe vor dem eigenen Haus entsorgt, erst sp√§ter ‚Äď vor allem auch im Zusammenhang mit drohenden Seuchen ‚Äď wurden durch Vorschriften die B√ľrger verpflichtet, ihren Unrat auf die au√üerhalb der Stadtmauern befindlichen Mistpl√§tze zu transportieren.

Stra√üenkehrer ‚Äď zumeist in Anstellung der Kommunen ‚Äď hatten die Aufgabe, die √∂ffentlichen Stra√üen und Pl√§tze von Unrat zu befreien und sauber zu halten. Betrachtet man das Bild des Freist√§dter Stra√üenkehrers "Poldi", so liegt die Vermutung nahe, dass es vor allem auch Pferde√§pfel waren, die von der Stra√üe entfernt werden musste, die wohl in der Kiste auf der mitgef√ľhrten Schubkarre landeten.

Ein gro√ües Problem im Winter war die Befreiung der Stra√üen und Wege vom Schnee, um sie befahrbar zu halten. Die ben√∂tigten Wege ‚Äď vor allem am Land ‚Äď mussten von den Bauern selbst ger√§umt werden. Ein Beispiel liefert das Bild aus Rainbach, mit einer Eigenkonstruktion eines Schneepfluges der von Ochsen geschoben ‚Äď anstatt wie sonst √ľblich gezogen ‚Äď wurde. Vorteil dieser Methode war, dass der Schnee nicht festgetrampelt wurde.


Bautätigkeiten

Bauarbeiter und Dachdecker
Bau- und Dachdeckerarbeiten sind immer noch von k√∂rperlicher Anstrengung gekennzeichnet und von der Tatsache dem Wetter zu (nahezu) jeder Jahreszeit ausgesetzt zu sein, gepr√§gt. Durch entsprechende Sicherheitsvorschriften und ‚Äďbestimmungen, als auch verbesserte M√∂glichkeiten der Sicherung sind diese Berufe aber wesentlich ungef√§hrlicher geworden als noch beispielsweise in den 1950er Jahren und der Zeit davor. Zwar werden heute die schweren Lasten durch hydraulische Ger√§te z.B. auf das Dach gehoben oder auf die jeweilige Etage, an der gearbeitet wird, die unmittelbare Arbeit wie das Setzen der Ziegel erfolgt ‚Äď sofern es sich nicht um Fertigteilh√§user handelt ‚Äď nach wie vor h√§ndisch.


Waldarbeit und Holzverarbeitung

Mit entsprechendem Fachwissen um die F√§lltechnik lassen sich B√§ume auf eine gew√ľnschte und berechenbare Weise zu f√§llen. Fr√ľher wurden B√§ume mit Zugs√§ge, Axt und Keil zu Fall gebracht. Dazu war die Zusammenarbeit von zwei Personen erforderlich. Die Waldarbeit war seit jeher eine typische Winterarbeit, einerseits aufgrund der besseren Beschaffenheit des Holzes hinsichtlich Schwund und Widerstandsf√§higkeit, andererseits auch da im Winter keine Feldarbeit zu leisten war und f√ľr die Holzbereitung Zeit vorhanden war. Nach dem F√§llen wurde der Stamm ent√§stet und gesch√§lt. Das Blochholz (=Rundst√§mme) wurde h√§ndisch auf Schlitten oder W√§gen geladen oder vom Gebirge ins Tal geschwemmt, wo es nach dem Transport zum Bauern oder zum S√§gewerk weiterverarbeitet wurde. Jeder Auflade- und Umladevorgang war eine k√∂rperlich enorm kraftraubende T√§tigkeit.

Heute haben sich in der Forstwirtschaft weitgehend Holzerntemaschinen oder so genannte ‚ÄěHarvester‚Äú durchgesetzt, diese Maschinen verf√ľgen √ľber Raupenr√§der, die f√ľr entsprechenden Halt sorgen und Kranarme mit hydraulischen Zangen, die den Baum festhalten und gleichzeitig abs√§gen k√∂nnen. Diese Vollerntemaschine entfernt die √Ąste und schneidet den Stamm in gew√ľnschte L√§ngen. Je nach Gr√∂√üe des Harvesters lassen sich pro Stunde zwischen 3 und 8 fm Holz schl√§gern und aufbereiten.

Neben dem Nutzholz, das in S√§gewerken weiterverarbeitet wird, werden die d√ľnneren St√§mme und das Reisig zum Heizen verwendet. Holz schneiden, die Rundlinge aufspalten sowie das Aufschlichten des Brennholzes z√§hlen ebenso dazu wie das Hacken und B√ľndeln von Reisig. Was fr√ľher h√§ndisch und unter gro√üem Zeit‚Äď und Arbeitsaufwand erfolgte, ist nun durch die Hilfe von Maschinen rasch erledigt. Hydraulische Holzspalter und Hackschnitzelmaschinen sind aus der Holzverarbeitung nicht mehr wegzudenken und erleichtern die Verarbeitung gro√üer Holzmengen ungemein.


Verwendete Literatur:

  • Arbeitskr√§fte in der Land- und Forstwirtschaft. Statistik Austria. Stand: 12.06.2012. http://www.statistik.at/web_de/services/wirtschaftsatlas_oesterreich/land_und_forstwirtschaft/index.html; (letzter Zugriff: 4.2.2016)

  • Bruckm√ľller, Ernst: Eine ‚Äěgr√ľne‚Äú Revolution (18.-19. Jahrhundert). In: Cerman, Markus u.a. (Hg.): Agrarrevolutionen. Verh√§ltnisse in der Landwirtschaft vom Neolithikum zur Globalisierung. (=Querschnitte. Einf√ľhrungstexte zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte, 24) Innsbruck u.a. 2008. S. 206-226.

  • Danner, Manfred: Kennst du das noch? Ver√§nderungen im t√§glichen Leben der vergangenen 100 Jahre. Freistadt 2013.

  • Micko, Ingeborg: ‚ÄěDas bisschen Haushalt‚Ķ Ger√§te und Techniken im Wandel.‚Äú Ausstellung im Stadtmuseum Wels ‚Äď Burg vom 25. Juni bis 26. Oktober 2008. In: Dokumentation zur Ausstellung im forum o√∂ geschichte: Link: http://www.ooegeschichte.at/themen/technik-und-alltag/das-bisschen-haushalt (letzter Zugriff: 16.2.2016)

  • K√§ferb√∂ck, Aloisa: ‚ÄěFreizeit gab es f√ľr mich so gut wie nie‚Ķ‚Äú In: Lichtenberger, Sabine u. G√ľnter M√ľller (Hg.): Arbeit ist das halbe Leben. Erz√§hlungen vom Wandel der Arbeitswelten seit 1945. (= Damit es nicht verloren geht, 65), Wien u.a. 2012. S. 222-226.

  • Langthaler, Ernst: Landwirtschaft in der Globalisierung. In: Cerman, Markus u.a. (Hg.): Agrarrevolutionen. Verh√§ltnisse in der Landwirtschaft vom Neolithikum zur Globalisierung. (=Querschnitte. Einf√ľhrungstexte zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte, 24) Innsbruck u.a. 2008. S. 249-270.

  • Winiwarter, Verena: Sozial√∂kologische Perspektiven auf die Geschichte der Landwirtschaft. In: Cerman, Markus u.a. (Hg.): Agrarrevolutionen. Verh√§ltnisse in der Landwirtschaft vom Neolithikum zur Globalisierung. (=Querschnitte. Einf√ľhrungstexte zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte, 24) Innsbruck u.a. 2008. S. 227-248.


Der vorliegende Text entstand als Exkurs zum Thema der Ausstellung "Arbeit im Wandel der Zeit" von Josef Danninger, die im M√ľhlviertler Schlossmuseum von Dezember 2015 bis J√§nner 2016 zu sehen war.


Autorin: Elisabeth Kreuzwieser, 2016

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