Forum O├ľ Geschichte

Kl├Âsterliches K├╝chenerbe. Wie Minoritensuppen oder Karmelitertorten in die Kochb├╝cher eingemeindet wurden


Vom Kochen im Dunstkreis von Kirche und Kl├Âstern zeugen noch heute einzelne Gerichte bzw. Speisen wie Franziskanernudeln, Heidensterz, Kapuziner, Kardinalsschnitten, Karmelitertorte, Ketzersuppe, Lutherische Eyer in Schmalz, Martinigansl, Minoritensuppe, pikante Nonnen F├Ârtzel, Pr├Ąlaten-Semmeln oder der Weihnachtsstollen. Dar├╝ber hinaus sorgte das kl├Âsterliche K├╝chenlatein des K├╝chenpersonals, das von Latein und Italienisch gespeist wurde, f├╝r spezielle K├╝chenbegriffe, die vielfach noch heute gebr├Ąuchlich sind. So wurden etwa aus dem zweifach gebackenen Brot, dem lateinischen bis coctus (panis), Biskotten. Aus vielen historischen Kochb├╝chern spricht noch heute diese ÔÇ×sprechende geistliche K├╝cheÔÇť.

In Geschichten und Anekdoten wurde manche kulinarische Spezialit├Ąt nachtr├Ąglich historisch zu nobilitieren versucht, wie etwa die Salzburger Nockerl, die Salome Alt ihrem Geliebten, dem Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1559ÔÇô1617), erstmals zubereitet haben soll, was allein schon in Anbetracht der daf├╝r notwendigen konstanten Ofenhitze wenig glaubhaft erscheint.

Ende des 18. Jahrhunderts bereicherten die b├Âhmischen Mehlspeisen wie auch die ungarischen Einfl├╝sse die Klosterkost. Es ist dies auch die Zeit der ersten publizierenden Klosterk├Âchinnen, die ihr immenses praktisches Wissen nun auch weitergaben, was f├╝r manche einem Verrat an dieser einst geheimen Kunst gleichkam.

Autor: Hannes Etzlstorfer, 2007


Kulinarisches Kloster. Zwischen Festmahl und Fastenk├╝che. Dokumentation zur Ausstellung im Stift Schl├Ągl/Meierhof vom 25. Mai bis 30. September 2007.

┬ę 2018