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Das Konfessionelle Zeitalter


Aufbrechen des mittelalterlichen Weltbildes
Das Aufbrechen des mittelalterlichen Weltbildes scheint Ă€ußerlich insbesondere durch die Entdeckung der „Neuen Welt” markiert.
Wenngleich dieses PhĂ€nomen der neuen Epoche den Namen gab, so erhielt doch in der oberösterreichischen Landesgeschichtsschreibung die Phase vom 16. Jahrhundert bis weit in das 17. Jahrhundert die Bezeichnung „konfessionelles Zeitalter”.

Martin Luther: Subjektive Heilserfahrung
Wie im profanen Bereich so fĂŒhlten sich auch im kirchlichen Bereich breite Bevölkerungsschichten nicht mehr ausreichend angesprochen bzw. von der Obrigkeit in ihren Anliegen vertreten. Soziale Krisen im bĂ€uerlichen Untertanenbereich und im stĂ€dtischen Handwerk sowie die neue Heilssuche etwa der WiedertĂ€ufer sind beredte Zeichen hiefĂŒr. Verinnerlichung und Erneuerung wurden geradezu erzwungen. Martin Luther (1483–1546) lenkte vor allem den Blick auf die subjekive Heilserfahrung (sola fides = allein der Glaube).

Verfall der (alten) Kirchlichkeit
Der Verfall der Kirchlichkeit (in der „alten” Kirche) nach dem spĂ€tgotischen Bauboom und oft extrem hoher StiftungstĂ€tigkeit ab dem 2. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts muss auch von den Zeitgenossen als tiefgreifend empfunden worden sein. Jedenfalls erfolgte dieser Niedergang schneller als der Aufbau neuer Strukturen. So wurde die katholische Pfarrstruktur nicht wirklich durch eine evangelische Pfarrorganisation ersetzt, wenngleich um die Mitte des 16. Jahrhunderts so mancher katholische Pfarrer eher einen protestantischen abgab.

LandesfĂŒrst bestimmt Konfession
Angesichts dieser EinbrĂŒche hat die Staatsgewalt, der LandesfĂŒrst, dem durch Visitationen und KlosterrĂ€te (fĂŒr Klöster zustĂ€ndige Beamte) gegenzusteuern versucht; der außerhalb des Landes sitzende Bischof in Passau hatte hiefĂŒr zu wenig RĂŒckhalt im Lande. Als sich die dogmatischen Differenzen zunehmend als unĂŒberbrĂŒckbar erwiesen, sah der LandesfĂŒrst nur mehr die Möglichkeit der „RĂŒckgewinnung” der Protestanten, sei es durch Überzeugung, sei es durch Gewalt; beide Wege wurden beschritten.

Die in Augsburg (1555) gefasste Vereinbarung (der so genannte Augsburger Religionsfriede) brachte dem jeweiligen LandesfĂŒrsten - der Gewissensfreiheit widersprechend - die Kompetenz, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen (= cuius regio eius et religio). Wer die Konfession der Obrigkeiten nicht annehmen wollte, musste auswandern. Dies hatte gerade im Land ob der Enns, das durch die Auseinandersetzungen zwischen LandesfĂŒrst und StĂ€nde auch konfessionell sehr exponiert war, besondere Konsequenzen.

Als der katholische LandesfĂŒrst, von außen und von innen in seinem Herrschaftsanspruch bedrĂ€ngt, die Konfessionstreue mit der Frage der Staatstreue verknĂŒpfte, wurde die mehrheitlich protestantische Bevölkerung des Landes in schwere Konflikte gestĂŒrzt.

Die Anwendung auch militĂ€rischer Machtmittel sollte (insbesondere im oberösterreichischen Bauernkrieg 1626) die Glaubenseinheit zurĂŒckbringen, was nach außen hin gelang, das Faktum der Glaubensspaltung aber blieb bestehen.

Am Ende des Ringens hatten alle, Sieger und Besiegte, vieles verloren.

... Die einen verloren ihr Religionsexerzitium und die GlaubensbrĂŒder

... Die Emigranten die Heimat

... Viele Bauern ihr Leben

... Die StĂ€dte ihr blĂŒhendes Gemeinwesen

... Der Staat ein betrÀchtliches Potential an know-how

... Der Herrscher die innere Anerkennung seitens der Untertanen

... Die Konfession - von erfreulichen Ausnahmen abgesehen - ihre Toleranz.

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