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Die Zeit des Barock


Materieller und ideeller Neuaufbau
Nach dem unruhigen Konfessionellen Zeitalter war, abgesehen vom großen materiellen Schaden, den es nur mĂŒhsam zu beheben gelang, vor allem ein geistiger Neuaufbau gefordert.

Innerkirchliche Reformen durch Orden
Innerkirchliche Reformen gingen vom Konzil von Trient (1545–1563) und mit besonderer Wirkung von den durch die katholische Dynastie monopolistisch geförderten Orden, vor
allem den Jesuiten und den Kapuzinern, aus. In Oberösterreich wurden auch zwischen 1600 und der Regierungszeit Josephs II. (1780–1790) zahlreiche Klöster gegrĂŒndet [Dokument: 6.400 KB].
Gerade das Konzil von Trient (auch Tridentinum genannt) leistete unter dem Eindruck der Reformation Martin Luthers, dem Rom lange Zeit völlig verstĂ€ndnislos gegenĂŒberstand, einen fundamentalen Beitrag zur IdentitĂ€t der katholischen Kirche. 1564 bestĂ€tigte Papst Pius VI. die BeschlĂŒsse des Konzils. Viele der BeschlĂŒsse des Tridentinums sind bis heute zentral fĂŒr das katholische SelbstverstĂ€ndnis, hatte das Konzil doch die lehrmĂ€ĂŸige Grundlage fĂŒr die katholische Reformation und
neue Wege der Seelsorge geschaffen.

Öffentliche Aufgaben fĂŒr Orden
Das Aufbauwerk wurde also zunĂ€chst besonders den Orden ĂŒbertragen. Fast alle wichtigen Bereiche im Gemeinwesen wurden – neben den Pfarrern – ihnen anvertraut. Durch Schulorden (z. B. die Ursulinen) wurde etwa den MĂ€dchen erstmals der Zugang zu einer weiterfĂŒhrenden Schullaufbahn eröffnet. Dem vermehrten Bedarf an medizinischer Versorgung, vor allem in den StĂ€dten, wurde durch Spitalsorden und Stiftungen entsprochen, mitunter recht ansehnliche Stiftungen befĂ€higten zu regelmĂ€ĂŸigen Vergabungen an Arme oder Verarmte.

Kirchlich geprÀgter Alltag und Festtag
Alltag und Festtage waren durch und durch kirchlich geprÀgt, bestimmten den Lebensrhythmus des Volkes in der Stadt und auf dem Land, was etwa die Bruderschaften und die Wallfahrten zeigen.

Finanzmittel durch Staat und private Stifter
Hohem Einsatz ideeller, aber vor allem materieller Mittel verdanken wir die Schöpfungen in der Architektur, im Bereich der Plastik und der Musik sowie in der Pflege der Wissenschaft.

Barock als Ausdruck wiederentdeckter Lebensfreude
Die BewĂ€ltigung der tragischen Erfahrungen in den konfessionell akzentuierten Kriegen (Bauernkriege, 30-jĂ€hriger Krieg) war erst nach dem Sieg ĂŒber die TĂŒrken vor Wien (1683) möglich geworden und fand ihren Ausdruck im Barock als krĂ€ftiges Zeichen wiederentdeckter Lebensfreude, die sich im kirchlichen Umfeld auch in einer besonders regen BautĂ€tigkeit zeigte. Das Barock steht somit als Kontrapunkt zur dĂŒsteren Weltsicht in Zeiten von Pest und Krieg, negiert die VergĂ€nglichkeit („Vanitas”) alles Irdischen aber keineswegs.

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