Forum O√Ė Geschichte

Eine freie Kirche in einer freien Gesellschaft


Mariazeller Manifest
Die katholische Kirche hat nach 1945 recht rasch Tritt gefasst und nach dem Schock der Diktatur neues Selbstvertrauen gewonnen. Als ein kräftiges Lebenszeichen ist etwa die Großveranstaltung am Linzer Hauptplatz zu sehen, zu der im Rahmen des 1. Landesjugendtages 1949 mehr als 25 000 Menschen kamen; weitere Landesjugendtage folgten 1955 und 1963.

Wichtige Zielsetzungen wurden im Rahmen der Vorbereitungen zum Katholikentag 1952 formuliert. So wurde im damals vierfach besetzten Land ‚Äěeine freie Kirche in einer freien Gesellschaft‚Äú postuliert, ein wichtiger Kernsatz des so genannten Mariazeller Manifests.

Bischof Flie√üer vertrat beim Aufbau der demokratischen Einrichtung nach 1945 den Standpunkt, dass die Kirche, die aus fr√ľheren Fehlern gelernt habe, sich nicht in die Parteipolitik einmischen d√ľrfe.

Ausbau struktureller Einrichtungen
Der Ausbau der strukturellen Einrichtungen der Kurie, aber auch besonders im Bereich der Pfarren ist signifikant und f√§llt in die Amtszeit des Bischofs Franz Sales Zauner (1949‚Äď1955 Bischofskoadjutor, 1956‚Äď1980 Bischof, 1980‚Äď1982 Apostolischer Administrator). Dem Zuzug der Bev√∂lkerung in die Ballungsr√§ume wurde durch Errichtung von insgesamt 60 neuen Pfarren (und Kirchenbauten) entsprochen. Die Aufl√∂sung von ca. 290 pfarrlichen √Ėkonomien und die recht gro√üz√ľgige Grundverkaufspolitik (f√ľr Siedlungsfl√§chen) sowie der Kirchenbeitrag erm√∂glichten die neuen Kirchenbauten, den Modernisierungsschub an den pfarrlichen Geb√§uden sowie die Schaffung von 150 neuen Pfarrheimen und zahlreichen Kinderg√§rten im Pfarrhofverband.

Der Aufbau der Seelsorge auch nach 1945 wurde maßgeblich von dem 1939 errichteten Seelsorgeamt mitgestaltet.

Förderung der Laienorganisationen
Die Katholische Aktion wurde insbesondere ab 1949/1950 nach di√∂zesanen und pfarrlichen Gliederungen aufgebaut. Die Entwicklung f√ľhrte zu einer systematischen Einbindung der Laien im kirchlichen Engagement (KFB, KMB, Jungschar, Landjugend, studierende Jugend etc.).

Das katholische Bildungswesen erhielt durch das Katholische Bildungswerk neue Impulse; das Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels (ab 1953) hat eine bedeutende Rolle als Stätte der Fortbildung, Information und Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen der Kirche und der Gesellschaft. Weitere regionale Bildungshäuser folgten (Reichersberg, Ried i. I., Maria Puchheim, Dominikanerhaus in Steyr) sowie die Exerzitien- und Seminareinrichtungen zahlreicher Stifte und Klöster.

Engangement in Entwicklungshilfe und im sozial-karitativen Bereich

Unmittelbare Hilfen gingen und gehen besonders stark von Ober√∂sterreich im Rahmen des Missionseinsatzes von Missionaren, Ordensfrauen und Entwicklungshelfern/innen aus. F√ľr MIVA, Sternsingeraktion, Bruder in Not (‚ÄěAktion sei so frei‚Äú) Elisabeth- und Christophorus-Sammlungen etc. wurden und werden durch Jahrzehnte gro√üz√ľgige Finanzmittel gegeben. Keine Einrichtung hat so viele humanit√§re Hilfen geleistet wie sie von den Pfarren im Rahmen der Aktion ‚ÄěHerbergsuche‚Äú nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und des Kriegsausbruchs im ehemaligen Jugoslawien erfolgt sind.

F√ľr die Betreuung der gro√üen Zahl an Fl√ľchtlingen im Lande nach 1945 hatte Bischof Flie√üer die Di√∂zesancaritas (1946) errichtet, die damals vor schier unl√∂sbare Aufgaben gestellt war. Mittels internationaler Kontakte konnte vielfache Hilfe geleistet werden. Der effektive Einsatz der Mittel war durch das Ansehen der Kirche gew√§hrleistet, die sich als eine Kraft der Kontinuit√§t bew√§hrte. Beispielhaft sei der Einsatz der Caritas der Di√∂zese Linz im Jahre 1956 und danach genannt, als es galt, tausende Fl√ľchtlinge (nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstands) aufzunehmen. In den Lagern konnten etwa in Wels (Lichtenegg) und in Haid/Ansfelden neue Stadtviertel mit neuen Pfarrzentren geschaffen werden.

Die Schaffung von mehr als 260 Caritas-Kinderg√§rten in den Pfarren ist eine wichtige Investition f√ľr die Gesellschaft und die Zukunft.

F√ľr Menschen, die aufgrund ihrer physischen und psychischen Situation einer besonderen Betreuung bed√ľrfen, wurde eine Reihe von Instituten errichtet, u. a. das Caritas-Kinderdorf St.Isidor, St. Pius in Peuerbach und das Behindertendorf in Altenhof am Hausruck.

Der 1989 erstellte Sozialhirtenbrief der √∂sterreichischen Bisch√∂fe - die Federf√ľhrung war Bischof Maximilian Aichern (1982‚Äď2005 Di√∂zesanbischof) √ľbertragen - fand Respekt weit √ľber den kirchlichen Bereich hinaus.

Kirchenbeitragssystem als materielle Basis
Die eigenst√§ndige Finanzplanung der Di√∂zese erm√∂glichte das Kirchenbeitragssystem (1939 eingef√ľhrt) und die daf√ľr eingerichtete Di√∂zesanfinanzkammer. Die materielle Basis f√ľr die Pastoral hat auch die Betrauung von Laien als hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zunehmend auch mit F√ľhrungsaufgaben, erm√∂glicht. Als j√ľngstes kuriales Amt wurde 1973 das bisch√∂fliche Schulamt errichtet, das f√ľr den komplexen Bereich des Religionsunterrichts (ca. 1600 Lehrkr√§fte) und der Privatschulen (u. a. auch Gymnasien) zust√§ndig ist; ma√ügebliche Ressourcen werden f√ľr die Lehrerausbildung (P√§dagogische Hochschule) und f√ľr die Katholisch-Theologische Privatuniversit√§t Linz aufgewendet.

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