Forum OÖ Geschichte

Das SpÀtmittelalter


Pilgerfahrten
Das Pilger- und Wallfahrtswesen erlebte im SpĂ€tmittelalter einen enormen Aufschwung. Die prominentesten Ziele waren Rom, Aachen und Santiago de Compostela. Fernwallfahrten ins Heilige Land blieben allerdings seit den kriegerischen Erfolgen der Seldschuken in PalĂ€stina im 11. Jahrhundert den Christen versagt. Die KreuzzĂŒge setzten sich zum Ziel, PalĂ€stina von den Seldschuken zu befreien. Doch trotz der mit ungeheurem Aufwand und Blutzoll gefĂŒhrten KreuzzĂŒge blieb dies den Christen versagt. Drei KreuzzĂŒge fĂŒhrten auch durch Oberösterreich. Das Hospiz am Pyhrn (heute: Spital am Pyhrn) wurde hiefĂŒr errichtet.

Im Land selbst zÀhlten wohl St. Wolfgang und die Marienwallfahrt in Adlwang (nahe Bad Hall) zu den beliebtesten Wallfahrtszielen. Prozessionen zu Gnadenkapellen zeugen von einer intensiven lokalen Wallfahrtspraxis.

Frömmigkeitseifer und Verfolgung Andersdenkender
Das SpĂ€tmittelalter war eine Zeit starken Frömmigkeitseifers, der sich etwa in vermehrtem Reliquienkult und der GrĂŒndung zahlreicher Bruderschaften zeigte, aber auch eine Zeit ĂŒberhitzter religiöser Fantasie.

Politische Unruhen, Naturkatastrophen und Seuchen verleiteten die Menschen auf der Suche nach Heil auch zu ungewöhnlichen religiösen Praktiken (Geißlerbewegung) oder zum Anschluss an hĂ€retische Bewegungen. Die Suche nach SĂŒndenböcken fĂŒhrte nicht selten zu einer völligen Ablehnung, ja Verfolgung und Vernichtung Andersdenkender und AndersglĂ€ubiger (Hussiten, Juden).

Das bunte Bild spĂ€tmittelalterlicher Frömmigkeit war nicht frei von Schatten. Vieles an den vorhandenen MissstĂ€nden war jedoch auch durch die gegebenen Strukturen bedingt. So ging hinsichtlich des Umgangs mit PfrĂŒnden und Ablassgeldern sowie infolge mangelhafter Bildung und Ausbildung der Priester vom Klerus oft zu wenig Vorbildwirkung aus.

Gotischer Kirchenbau
Die Gotik war die fruchtbarste Periode fĂŒr den Kirchenbau in Oberösterreich, auch hat der Baubedarf nach den HussiteneinfĂ€llen im MĂŒhlviertel um 1420 viel zum spĂ€tgotischen BaufrĂŒhling beigetragen. Mit den Kirchen in Braunau, Steyr, vor allem in Mondsee und Eferding entstanden (bis zum Bau des Mariendoms in Linz) die grĂ¶ĂŸten GotteshĂ€user des heutigen Bistums. Die in unsere Tage herĂŒbergeretteten Bildwerke sind ihrer Anzahl nach nur noch eine Andeutung der einst ĂŒberreichen gotischen Ausstattungen unserer Kirchen. Erhalten sind die FlĂŒgelaltĂ€re in Gampern, Hallstatt, St. Wolfgang, Kefermarkt und der Altdorfer Altar zu St. Florian sowie Schutzmantelmadonna von Frauenstein. Vieles an Pretiosen und Kunstwerken fiel Kriegen, aber auch dem Stilwandel zum Opfer.

ReformansÀtze
Kirchliche ReformansĂ€tze wurden mehrfach gefasst, fĂŒhrten aber nicht zu einer fĂ€lligen grundlegenden Erneuerung. Bewegungen, die auf Verinnerlichung drĂ€ngten (devotio moderna), wurden nur ungenĂŒgend aufgegriffen. So konnte die Botschaft eines Martin Luther, der zur RĂŒckbesinnung auf das Evangelium aufrief und die traditionelle Kirche mit ihren Frömmigkeitsformen sowie ihre Hierarchie radikal in Frage stellte, auch bei der Bevölkerung des Landes ob der Enns begeistert Aufnahme finden. Die Schreinfigur des Christophorus am spĂ€tgotischen Schnitzaltar in Kefermarkt symbolisiert das Ende eines SĂ€kulums und das „besorgte” Ausschreiten in eine neue Zeit.

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