Forum OÖ Geschichte

Das Hochmittelalter


Investiturstreit
Bischöfe wurden bislang vom Kaiser ernannt und investiert (die Amstinsignien ĂŒbergeben), erst daran schloss sich die Bischofsweihe an. Diese Einmischung des Kaisers wollte der Papst unterbinden. Eine jahrelanger Machtkampf entbrannte, der als Investiturstreit (ab 1075) bezeichnet wird. Die Auswirkungen dieser Auseinandersetzungen bedeuteten, neben der Konstantinischen Wende und der Reformation, den tiefsten Einschnitt in der abendlĂ€ndischen Kirchengeschichte. Die Maßnahmen zielten auf eine völlige Umstrukturierung der „Reichskirche“ in eine „Papstkirche“ und somit auf eine vermehrte UnabhĂ€ngigkeit vom Kaisertum ab. 1122 konnte der Streit mit dem Wormser Konkordat beigelegt werden.

Neue Rollenverteilung
Sehr wesentlich gingen die kirchlichen Erneuerungsbewegungen von den Benediktinerklöstern Gorze und Cluny (Frankreich) aus. In diesem Zusammenhang wurden die Rollen der Geistlichen und der Laien neu verteilt, Ànderte sich das Priesterbild durch strenge Ausrichtung an monastischen Lebensformen (Zölibat) und wurden die Laien an die Basis des hierarchischen Aufbaus der Kirche verwiesen.

Straffung der Seelsorgeorganisation
Die zentralistische Ausrichtung der Seelsorge auf den Bischof hin förderte indirekt den Aufbau eines flĂ€chendeckenden Pfarrnetzes. Die bischöflichen KirchengrĂŒndungen standen in lebhafter Konkurrenz zu den weltlichen Kirchenstiftungen sowie zu den Klöstern, welche den Eigenkirchen inkorporiert waren. Das Rechtsinstitut „parochia“, bislang gĂ€ngige Bezeichnung fĂŒr eine Diözese, tritt seit Bischof Altmann (1065–1091) als Terminus fĂŒr einen genau umschriebenen, selbststĂ€ndigen Seelsorgesprengel (Pfarre) mit privilegierter Hauptkirche (Pfarrkirche) und mit herausgehobenen Kompetenzen des leitenden Priesters (Pfarrer) auf.

Mitwirkung der Laien
Die Mitwirkung der Laien im Niederkirchenwesen wurde damals im Bereich des „Patronats“ neu verankert (Ehrenrechte, Baulast).

BautÀtigkeit
Die kirchliche BautĂ€tigkeit jener Zeit (am Übergang vom Holzbau auf feste Bauweise) finden wir, von wenigen romanischen Plastiken und Portalen (Welser Stadtpfarrkirche, Wilhering) abgesehen, nur mehr am Kirchenbau von Aurachkirchen in seinem ursprĂŒnglichen Äußeren (12. Jh.) erhalten. Das Kloster Lambach zeigte eine große Strahlkraft (1089 grĂŒndeten Lambacher Mönchen das Stift Melk.) In Lambach ist der Westchor der ersten, 1089 geweihten Stiftskirche bis heute erhalten geblieben. Dort befinden sich auch bedeutende Freskenmalereien aus dem 11. Jahrhundert. Das beeindruckende Freskenprogramm zeigt u. a. das Ringen um das Ideal der „freien Kirche“, das den Investiturstreit geprĂ€gt hat.

KlostergrĂŒndungen
Neue und erneuerte Klöster sollten die bevorzugten TrÀger der kirchlichen Reformen sein.

     

Benediktiner:

Lambach (1056), Garsten (1107), Gleink (1123)

 

Augustiner Chorherren:

St. Florian (1071), Reichersberg (1084), Ranshofen (1125), Suben (1126), Waldhausen (1147)

 

Zisterzienser:

Baumgartenberg (1141), Wilhering (1146/1185), SchlÀgl (1202-1203), Engelszell (1293)

 

PrÀmonstratenser:

SchlÀgl (1218)

 

Benediktinerinnen:

Traunkirchen (1020/1040)

 

StĂ€dtegrĂŒndungen
Die zeitlich spĂ€ter einsetzende StĂ€dtegrĂŒndungswelle im 13. Jahrhundert bezeugt recht anschaulich der Umstand, dass vielfach der Pfarrsitz außerhalb der Stadtmauern angesiedelt war und erst im SpĂ€tmittelalter in die StĂ€dte verlegt wurde. (Beispiele: Vöcklabruck/Schöndorf, Gmunden/Ohlsdorf, Enns/Lorch).

Bettelorden
Dem Bedarf an zusĂ€tzlichen Seelsorgeleistungen (heute wĂŒrden wir es „kategorielle Pastoral” nennen) in den erblĂŒhenden stĂ€dtischen Siedlungen entsprachen recht erfolgreich die Bettelorden in Wels, Linz und Enns (Minoriten/Franziskaner).
Die von ihnen getragene Armutsbewegung, auch ein Protest gegen das Machtstreben des kirchlichen Establishments, bildete einen unverzichtbaren Beitrag zur Erneuerung der Kirche, zum Teil fĂŒhrte diese Bewegung ĂŒber den Rand der Kirche hinaus (Katharer, Waldenser). In Oberösterreich lebten in der Stadt Steyr und deren Umgebung viele AnhĂ€nger der Waldenser.

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