Forum OÖ Geschichte

Der Prozess

Seit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit konnten Ermittlungsverfahren entweder durch eine konkrete Klage oder eine Anzeige bei Gericht in Gang kommen, die bei Vorliegen entsprechender Tathinweise zu einem Strafprozess fĂŒhrten. Noch bis ins 16. Jahrhundert hinein spielten Gottesurteile, etwa der Zweikampf oder die Bahrprobe (der vermutete TĂ€ter musste die Leiche berĂŒhren, begannen die Wunden zu bluten, war der Schuldbeweis erbracht). Daneben etablierte sich immer mehr die Folter, die das hoch bewertete GestĂ€ndnis herbeifĂŒhrte. Mit der Constitutio Criminalis Carolina 1532 wurde die Folter zum ersten Mal in rechtliche Bahnen gelenkt. Wenn nach dreimaliger Folter kein GestĂ€ndnis vorlag, erfolgte ein Freispruch. Der Vorgang der Folter und die Aussagen mussten vom Gerichtspersonal genau protokolliert werden. Zeugen und corpora delicti waren ebenfalls im Beweisverfahren von einer gewissen Relevanz.

Autor: Gernot Kocher

Das Urteil

Sprach ein Richter das Urteil ĂŒber einen Delinquenten, hielt er den Richterstab in seiner Rechten und das Stadtrichterschwert lag vor ihm auf dem Tisch. Sprach er eine Lebensstrafe aus, wurde der Stab gebrochen und der Verurteilte dem Scharfrichter ĂŒbergeben. Gegen ein Urteil konnten eventuelle VerfahrensmĂ€ngel geltend gemacht werden, entweder durch den Verurteilten oder durch das kontrollierende Obergericht. Ein Begnadigungsakt konnte nur vom LandesfĂŒrsten erbeten werden. Nach erfolgter Beichte und dem Verzehr der Henkersmahlzeit, wurde der Delinquent zum Richtplatz verbracht und dort gemĂ€ĂŸ dem Urteil hingerichtet. Bei kleineren Vergehen, sprach der Richter Ehr- und Schandstrafen aus ohne den Stab zu brechen, bestimmte Ort und Zeitpunkt zur DurchfĂŒhrung und die Art der Bestrafung. Zumeist fand diese auf öffentlichen PlĂ€tzen oder vor der Kirche an Sonn- und Markttagen statt, damit möglichst viele Menschen der Strafe beiwohnen konnten.

Autorin: Ute Streitt

Fallbeispiel: Simon Enzendorfer, 1768

Der 24-jĂ€hrige Simon Enzendorfer, genannt der „Hecher-Buben“, wurde am 3. August 1768 im Landgericht Pragstein (bei Mauthausen) hingerichtet. Im Urteil steht, dass er wegen seiner villfĂ€ltig begangenen Diebereyen bereits zweimal abgestraft worden war, unverbesserlich wĂ€re und aufs neue widerumb verschiedentliche DiebstĂ€hl ausgeĂŒbet habe. Zur Abschreckung fĂŒr andere Diebe wurde er vom Henker mit dem Strang vom Leben zum Todt hingerichtet. Am Ende des schriftlichen Urteils bestĂ€tigt der Bannrichter noch die vollzogene Hinrichtung. Selten haben sich bei den Gerichtsakten noch Realien erhalten, wie in diesem Fall das gebrochene RichterstĂ€bchen und die durchgeschnittene Handfessel.

Autor: Josef Weichenberger


Schande, Folter, Hinrichtung. Forschungen zu Rechtsprechung und Strafvollzug in Oberösterreich. Ausstellung der Oö. Landesmuseen im Schlossmuseum Linz und MĂŒhlviertler Schlossmuseum Freistadt vom 8. Juni-2. November 2011

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