Forum O√Ė Geschichte

Die Folter als Mittel der Beweisf√ľhrung

Im heutigen Sprachgebrauch wird oft von einer ‚ÄěFolterstrafe‚Äú gesprochen. Diesen Begriff d√ľrfte es eigentlich nicht geben, da die Folter nie eine Strafe, sondern bis in die Zeit Josephs II. (1776) ein wichtiges Beweismittel war. Nur freiwillige oder mittels Folter erpresste Gest√§ndnisse von Verd√§chtigen wurden bei Gericht als Beweise anerkannt. Lediglich Jugendliche, Kranke, Schwangere und W√∂chnerinnen waren von der Folter ausgeschlossen. Erst nach 1848 wurde eine freie Beweisw√ľrdigung durch die Richter erm√∂glicht. 

Mund- oder Folterbirne

W√§hrend der Folter wurde dem Delinquenten die Mundbirne angelegt, damit er am Schreien gehindert wurde. Die spanische Inquisition d√ľrfte Mundbirnen seit dem 13. Jahrhundert eingesetzt haben, danach verbreiteten sie sich in ganz Europa. Obwohl Joseph II. 1776 die Folter abschaffte, blieb die Mundbirne als Zwangsmittel weiterhin im Gebrauch.

Autorin: Ute Streitt

Daumenschraube

Dieses mechanische Folterwerkzeug diente zum Einspannen von Daumen. Ziel war es ein Gest√§ndnis zu erpressen. Die Theresiana unterscheidet zwischen der Territion, das ist die Androhung von Folter durch Zeigen der Ger√§te oder scheinbarem Beginn von Folterhandlungen, und der tats√§chlichen Vornahme der Folter. Die Theresiana beinhaltet genaue Torturvorschriften und enth√§lt (verbindliche?) technische Zeichnungen f√ľr die Folterger√§te und deren Anwendung.

Beinschraube oder "Spanischer Stiefel"

Die Folter konnte nur auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung angewandt werden und war an ganz bestimmte Bedingungen gekn√ľpft. F√ľr kleinere Delikte war sie unzul√§ssig, da die Folter die vorgesehene Strafe √ľberschritten h√§tte. Die Folter war abgestuft, auch in Abh√§ngigkeit von der Schwere der vermuteten Tat.

1) Einsatz von Daumen- und Beinschrauben,

2) Aufziehen mit und ohne Stein, Zwicken mit gl√ľhender Zange, dem Brennen und vielem mehr.

Beinschrauben wurden um die Scheinbeine angelegt und verschraubt. Teilweise brachen die Knochen.

Autor: Gernot Kocher


Schande, Folter, Hinrichtung. Forschungen zu Rechtsprechung und Strafvollzug in Ober√∂sterreich. Ausstellung der O√∂. Landesmuseen im Schlossmuseum Linz und M√ľhlviertler Schlossmuseum Freistadt vom 8. Juni-2. November 2011

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