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Recht und Ordnung


Man ist nicht blo√ü ein einzelner Mensch, man geh√∂rt einem Ganzen an, und auf das Ganze haben wir best√§ndig R√ľcksicht zu nehmen, wir sind durchaus abh√§ngig von ihm.
(Theodor Fontane)



Die Entwicklung der Strafgesetzgebung in √Ėsterreich

Die mittelalterliche Rechtsgrundlage f√ľr Strafverfahren bildete das aus dem 13. Jahrhundert stammende √Ėsterreichische Landrecht, eine schriftliche Fixierung des Gewohnheitsrechtes. Seit dem 16. Jahrhundert wird unter dem Einfluss der Gesetzgebung im Heiligen R√∂mischen Reich (Constitutio Criminalis Carolina 1532) das Strafrecht langsam einer planm√§√üigen Kodifizierung zugef√ľhrt. F√ľr Ober√∂sterreich sind dies die Landgerichtsordnungen von 1559 und 1675, die dann ab 1768 (Theresianische Halsgerichtsordnung, 1787 Josephinisches Strafgesetzbuch, weitere Gesetzb√ľcher 1803, 1852 und 1974) durch eine f√ľr alle L√§nder einheitliche Gesetzgebung gegenstandslos wird.

Die Umsetzung der strafrechtlichen Vorschriften

Bis 1848 lag die Umsetzung der strafrechtlichen Vorschriften f√ľr die breite Masse der Bev√∂lkerung in der Hand der Landgerichte und der Dorf-, Markt- und Stadtgerichte. Der Versuch Josephs II., eigene Kriminalgerichte f√ľr die erste Instanz einzuf√ľhren, scheiterte an Geldmangel. Die Revolution 1848 brachte die Gerichtsorganisation, die bis heute existiert (Bezirksgerichte, Landes-/Kreisgerichte, Oberlandesgerichte, Oberster Gerichtshof). Parallel entstand der Sicherheitswachek√∂rper (Polizei, Gendarmerie). Die Rechtspflege wurde durch die richterlichen Garantien (vor allem durch die Unabh√§ngigkeit) vor willk√ľrlichen Eingriffen gesichert. Die Strafprozessreformen nach 1848 brachten die Einrichtung des Untersuchungsrichters und der Laienbeteiligung in der Strafrechtpflege (Sch√∂ffen- und Geschworenengerichte).

Autor: Gernot Kocher

Recht und Ordnung - Kindertext

Um das Leben von Menschen und den Frieden in einem Land zu sichern, sind Recht und Ordnung notwendig. Aus der Art der Strafe sollte man das begangene Verbrechen ablesen k√∂nnen ("spiegelnde Strafen"). Brach jemand das Gesetz, wurde er in gleicher Art bestraft. Die Bibel lehrte: "Aug um Aug, Zahn um Zahn", das bedeutete, dass jedes Verbrechen ger√§cht wurde. Damit die Menschen abgeschreckt wurden Verst√∂√üe zu begehen, griff man sehr hart durch: f√ľr Gest√§ndnisse folterte man, stellte die Schuldigen an den Pranger, d. h. in der √Ėffentlichkeit blo√ü, schlug ihnen die Hand ab oder verurteilte sie zum Tode und wollte damit den Frieden im Land garantieren.

Autorin: Ute Streitt


Schande, Folter, Hinrichtung. Forschungen zu Rechtsprechung und Strafvollzug in Ober√∂sterreich. Ausstellung der O√∂. Landesmuseen im Schlossmuseum Linz und M√ľhlviertler Schlossmuseum Freistadt vom 8. Juni-2. November 2011

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