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Paarformeln

Paarformeln sind feststehende Wortpaare, die meist durch Anfangs- oder Endreim miteinander verbunden sind. Sie waren urspr√ľnglich Lehr- und Merks√§tze der √§lteren Rechtssprechung. Ihr eigentlicher Sinn ist oft verloren gegangen. Viele gehen auf das germanische Recht zur√ľck, andere haben sich (nach diesem Muster) erst mit der Entstehung der heimischen deutschen Rechtssprache herausgebildet und entsprechen der Vorstellung des "alten Herkommens" und der Unab√§nderlichkeit des richtigen Rechts (vgl. Matzinger-Pfister 1972).

Autorin: Ingeborg Geyer


Paarformel

Bedeutung

Herkunft

 

recht und redlich

 

seit dem 13. Jahrhundert belegter Rechtssatz

 

Aug um Aug, Zahn um Zahn

Gleiches mit Gleichem vergelten

urspr√ľnglich mosaisches Recht, √ľber das r√∂mische Recht in das germanisch-deutsche Recht als Spiegelstrafe, Verst√ľmmelungsstrafe √ľbernommen

 

Haus und Hof

gesamter Besitz

besondere Friedensbestimmungen in den Land- und Stadtrechten garantierten Schutz im eigenen Haus bzw. gegendweise bis zur Dachtraufe, vermutlich √úbersetzung aus dem Lateinischen: casa et curtis cum campis et pratis

 

mit Haut und Haar

 

alles in allem

alter Rechtsbrauch: jemanden mit Rutenstreichen bei nacktem Oberkörper und geschorenen Haaren strafen

Schutz und Schirm

Geborgenheit symbolisierend

Recht und Pflicht des Lehensherrn gegen√ľber schutzbed√ľrftigen Personen, seit dem 14. Jh. belegt, Gegenst√ľck zur Treuepflicht der Lehensleute

 

recht und billig

angemessen

 

Ausdruck f√ľr Gerechtigkeit in der mittelalterlichen Rechtssprache

gleiche Rechte‚Äď gleiche Pflichten

 

h√§ngt mit dem mittelalterlichen Leben im Gemeinwesen zusammen: der Einwohner hat Rechte, aber auch Pflichten, erf√ľllt er diese nicht, kann er auch nicht auf seinen Rechten beharren; ‚Äěwer nicht deichen will, muss weichen‚Äú (zur Dammbaupflicht in den Niederlanden)

 

mitgegangen - mitgefangen -mitgehangen

Mitwisser- und Mittäterschaft zählen gleich

Mitwisserschaft/Mittäterschaft ist strafrechtlich relevantes Delikt

 

hoch und heilig schwören

ganz fest beeiden

hoch bezieht sich auf das Heben des Schwurfingers und heilig auf die Anrufung Gottes bzw. der Heiligen

 

Stein und Bein schwören

ganz fest beeiden

sehr alte Redensart und bildlicher Ausdruck f√ľr Festigkeit, sekund√§re Anlehnung an heidnische und christliche Br√§uche des Schw√∂rens

 

Kopf und Kragen riskieren

alles riskieren

bildhaft aus der Rechtssprache, Rechtspraxis: Hinrichtung durch das Schwert

 


Schande, Folter, Hinrichtung. Forschungen zu Rechtsprechung und Strafvollzug in Ober√∂sterreich. Ausstellung der O√∂. Landesmuseen im Schlossmuseum Linz und M√ľhlviertler Schlossmuseum Freistadt vom 8. Juni-2. November 2011

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