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Die Entwicklung der Todesstrafe

Schwere (auf Grund eines GestĂ€ndnisses oder unter Folter) nachgewiesene Verbrechen wie Mord wurden mit der Todes- oder Lebensstrafe gesĂŒhnt (Enthauptung, ErhĂ€ngen, ErtrĂ€nken, Scheiterhaufen). Das Urteil war abhĂ€ngig von Geschlecht und Stand. Das HĂ€ngen war die „unehrenhafteste“, die Enthauptung die „ehrenvollste“ Art der Hinrichtung. Frauen wurden mit ErtrĂ€nken bestraft. Hinrichtungen wurden öffentlich von einem Scharfrichter vollzogen. 1787 schaffte Joseph II. die Todesstrafe ab, nachdem sie vorher schon ausgesetzt worden war. Ersatz war die Verurteilung zu öffentlicher Arbeit (Schiffziehen, Schanzarbeit, ArbeitshĂ€user). Die so entstandenen ArbeiterhĂ€user unterstĂŒtzten die Industrie mit ArbeitskrĂ€ften, so auch die Linzer Wollzeugfabrik. 1795 fĂŒhrte man auf Grund der politischen Lage die Todesstrafe fĂŒr Hochverrat wieder ein und dehnte sie 1803 auf gedungenen Mord und Raubmord aus. 1920 wurde die Todesstrafe im ordentlichen und standrechtlichen erneut aufgehoben, 1933 im standrechtlichen und 1934 im ordentlichen Verfahren wieder aktiviert. 1950 erfolgte die neuerliche Abschaffung im Standesrechtsverfahren und 1968 die gĂ€nzliche Beseitigung der Todesstrafe.

Autoren: Ute Streitt, Gernot Kocher



Wussten Sie?

Die Todestrafe (und somit die Hinrichtung eines Menschen) ist die frĂŒheste kodifizierte Strafart. Bereits die Ă€lteste bekannte Rechtssammlung, der Codex Ur-Nammu (ca. 2100 v. Chr.) sah sie fĂŒr Mord und Ehebruch vor. Im Codex Hammurapi (ca. 1700 v. Chr.) wird sie auf weitere Vergehen ausgedehnt, wobei das Talionsprinzip fĂŒr Körper- und Todesstrafen angewandt wurde. Das begrenzte die Blutrache auf das Töten des TĂ€ters, nicht beliebiger anderer Personen.

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Die Todestrafe (und somit die Hinrichtung eines Menschen) ist die frĂŒheste kodifizierte Strafart. Bereits die Ă€lteste bekannte Rechtssammlung, der Codex Ur-Nammu (ca. 2100 v. Chr.) sah sie fĂŒr Mord und Ehebruch vor. Im Codex Hammurapi (ca. 1700 v. Chr.) wird sie auf weitere Vergehen ausgedehnt, wobei das Talionsprinzip fĂŒr Körper- und Todesstrafen angewandt wurde. Das begrenzte die Blutrache auf das Töten des TĂ€ters, nicht beliebiger anderer Personen.

Die biblische Tora zeigt die Entwicklung von der Blutrache zu geordneten Rechtsverfahren. Gen. 9,6 EU verlangt Vergeltung fĂŒr TötungsfĂ€lle, ohne Totschlag und Mord zu unterschieden und die AusfĂŒhrenden festzulegen: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.“

Moorleichen aus der Zeit nach dem 3. nachchristlichen Jahrhundert belegen Hinrichtungen. FĂŒr die Römerzeit sind Folterungen und Hinrichtungen ĂŒberliefert, die „berĂŒhmteste“ an Jesus von Nazareth. Seit dem 13. Jahrhundert wurden RichtstĂ€tten eingerichtet. Sie dienten der Zurschaustellung des inszenierten Tötens. Oft wurde der Körper eines Verurteilten in zwei oder mehr Teile „gehackt“ (köpfen, vierteilen,
)

Autoren: Fritz Fellner, Ute Streitt

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Schande, Folter, Hinrichtung. Forschungen zu Rechtsprechung und Strafvollzug in Oberösterreich. Ausstellung der Oö. Landesmuseen im Schlossmuseum Linz und MĂŒhlviertler Schlossmuseum Freistadt vom 8. Juni-2. November 2011

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