Forum OÖ Geschichte

Verfolgung und Vernichtung


Unterdrückung und Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung sind zentrale Herrschaftsmittel des NS-Regimes. Rassismus und Antisemitismus stehen im Zentrum der Ideologie. So genannte „Arier“ bilden die „Herrenrasse“ und die „Volksgemeinschaft“. Juden, Roma, Sinti, Zeugen Jehovas u. a. werden ausgegrenzt, verfolgt und ermordet. Darüber hinaus werden Regimekritiker verfolgt: Dazu zählen neben Sozialdemokraten und Kommunisten auch Monarchisten, Kartellbrüder oder Freimaurer. Die NS-Organe stützen sich auf Spitzel und Denunzianten und versuchen das öffentliche und private Leben der Bürger zu kontrollieren.

KZ Mauthausen

Mauthausen ist das größte Konzentrationslager auf österreichischem Gebiet.

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Mauthausen ist das größte Konzentrationslager auf österreichischem Gebiet. Durch Sklavenarbeit, medizinische Versuche, Krankheiten, Unterernährung und systematische Vernichtung kommen im KZ Mauthausen und in seinen Nebenlagern über 100.000 Menschen ums Leben. Seit 1949 ist das ehemalige KZ eine Gedenkstätte.

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NS-Medizinverbrechen

Die Nationalsozialisten verfolgen Menschen mit Behinderung, Geisteskranke oder Angehörige sozialer Randgruppen.

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Die Nationalsozialisten verfolgen Menschen mit Behinderung, Geisteskranke oder Angehörige sozialer Randgruppen. Sie werden zwangssterilisiert, zu medizinischen Forschungszwecken missbraucht und schließlich als „unwertes Leben“ vernichtet („Euthanasie“).

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Verfolgte

Juden: Der Nationalsozialismus nützt den weit verbreiteten Antisemitismus als politisches Instrument: Juden gelten als „Volksschädlinge“. In Deutschland werden sie seit 1933 schrittweise aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt und entrechtet. In Österreich verlieren 1938 über Nacht mehr als 200.000 Menschen, die nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 als Juden gelten, ihre Rechte. Sie werden gedemütigt, enteignet, verhaftet oder vertrieben. In der so genannten „Reichskristallnacht“ (9./10. November 1938) gehen Synagogen in Flammen auf, wird jüdisches Eigentum geplündert, werden Juden misshandelt und ermordet. 1941 beginnt die systematische Deportation und Vernichtung von Juden in Konzentrationslagern.

Homosexuelle: Homosexualität wird als „Seuche“ betrachtet und streng bestraft. Denunziationen und Polizeiüberwachung bringen Homosexuelle vor Gericht und in Konzentrationslager. Die Todesrate dieser Gruppe ist besonders hoch. Erst 1995 erhalten sie den Status als NS-Opfer.

Roma und Sinti: Roma und Sinti werden vor allem in den „Reichsgauen“ Steiermark und Niederdonau kriminalisiert, später in Konzentrationslager und ab 1940 in eigene „Zigeunerlager“ eingewiesen. Deportationen in Vernichtungslager führen beinahe zur völligen Ausrottung der österreichischen „Zigeuner“.

Zeugen Jehovas: Zeugen Jehovas verweigern aus religiösen Gründen den Wehrdienst und Tätigkeiten in der Rüstungsindustrie. Verhaftungen und Deportationen in Konzentrationslager sind die Folge.

Österreichische Todesopfer der NS-Verfolgung (Schätzung)

100.000–110.000 Tote

mind. 10.000 Roma und Sinti

mind. 20.000 Opfer der NS-Medizinverbrechen

rund 66.000 Opfer der Shoa

mind. 4.000 Opfer der politischen Verfolgung

mind. 500 Opfer der Militärjustiz

Autoren: Stefan Karner und Lorenz Mikoletzky, 2008 (wissenschaftliche Ausstellungsleitung)


Der Rest ist Österreich. Geschichte der Republik. Dokumentation zur Ausstellung im Nordico. Museum der Stadt Linz vom 3. Februar-18. April 2010

 

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