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Infrastruktur-Planungen fĂŒr Linz


Industrie
Hermann Göring, Reichsbeauftragter fĂŒr den Vierjahresplan (1936) und Generalfeldmarschall der Wehrmacht (1937), drĂ€ngt aus wirtschaftlichen Überlegungen zum Anschluss. Es geht ihm um die österreichischen Goldreserven, die Erzvorkommen der Steiermark und um das große Reservoir an freien ArbeitskrĂ€ften (Arbeitslose und Ausgesteuerte). Er denkt bereits vor dem Einmarsch an ein großes Stahlwerk im Raum Linz-Steyr-St.Valentin, welches fĂŒr die RĂŒstung dringend benötigt wird und nimmt bereits zwei Monate nach dem Anschluss (13. Mai) persönlich den Spatenstich fĂŒr die Hermann-Göring-Werke vor. Ende MĂ€rz steht auch fest, dass die Stadt an das Reichsautobahnnetz angeschlossen wird.

Prachtbauten
Der Schwerindustrie im SĂŒden soll im Zentrum der Stadt ein kulturelles Pendant gegenĂŒbergestellt werden, ergĂ€nzt mit reprĂ€sentativen Bauten fĂŒr Partei und Verwaltung. Der gleichzeitig ventilierte Alterssitz des FĂŒhrers im Schloss soll Linz ein sechstes schmĂŒckendes Beiwort sichern.

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Wohnungen
TatsĂ€chlich steigt die Zahl der Einwohner bis 1943 auf 185.000, was gleichbedeutend ist mit einem Fehlbestand von annĂ€hernd 15.000 Wohnungen. Allein fĂŒr den Neubau der Hermann-Göring-Werke mĂŒssen an die 5000 Einwohner von St. Peter und Zizlau – manchmal von heute auf morgen – Haus und Feld verlassen. Im ĂŒberwiegend stadtnahen Freiland werden mehrgeschoßige Wohnbauten in Blockform errichtet, die als „Hitlerbauten“ noch heute das Linzer Stadtbild prĂ€gen. In Urfahr sind dies die Komplexe der Karlhof-, Hartmayr-, Rothenhof- und „FĂŒhrersiedlung“ (= Harbachsiedlung). FĂŒr die Werksangehörigen der Hermann-Göring-Werke und die Umsiedler aus St. Peter entsteht die grĂ¶ĂŸte geschlossene Linzer Wohnsiedlung auf dem Harter Plateau mit den Siedlungen Spallerhof, Bindermichl und Keferfeld, Ă€hnlich die Wambachsiedlung in Ebelsberg. Weitere Wohnschwerpunkte gibt es in KleinmĂŒnchen und am Froschberg. GĂ€nzlich unterbleibt der Aufbau einer entsprechen Infrastruktur mit KindergĂ€rten, Schulen, öffentlichem Verkehrsnetz etc.

Fremd- und Zwangsarbeiter
Mit dem Polenfeldzug beginnt die Rationierung der Lebensmittel, der Traum vom nationalsozialistischen Wirtschaftswunder ist schnell verblasst. Ohne „Fremdarbeiter“ ist die Versorgung mit KonsumgĂŒtern nicht aufrechtzuerhalten. Die „Fremdarbeiter“ finden ĂŒberall Verwendung: Beim Wohn- und Straßenbau, in der Industrie, in der Landwirtschaft und im Haushalt. Dabei wird genau unterschieden zwischen „Helfern“ aus befreundeten, besetzten oder unterworfenen Nationen. Dazu kommen ab 1940 noch die Kriegsgefangenen. Sie und alle anderen leben in den insgesamt 84 ĂŒber die Stadt verstreuten Barackenlagern mit mehr als 50.000 SchlafstĂ€tten. Die Lager werden zu den zentralen Institutionen der NS-Zeit schlechthin. Ihre Bewohner sind meist nach Nationen sowie nach Geschlechtern getrennt und unterschiedlich streng ĂŒberwacht. Die noch Lebenden unter ihnen werden erst im Jahr 2000 zumindest symbolisch entschĂ€digt.

StĂŒckwerk
Halbfertiges wird generell zum teils schweren Erbe nach 1945. Das betrifft die begonnenen HĂ€fen mit drei Becken fĂŒr die Handelsschifffahrt ebenso wie die fĂŒnf Becken fĂŒr die Industrie. Der bis 1945 geplante Rhein-Main-Donaukanal wird erst 1992 Wirklichkeit. In den Hermann-Göring-Werken gehen von den geplanten sechs Hochöfen nur vier in Betrieb, Stahl- und Walzwerk werden nie errichtet. Besser steht es um die angeschlossenen Eisenwerke Oberdonau (Panzerfertigung) und die Stickstoffwerke, welche das anfallende Kokereigas zur Produktion von Sprengstoffen (Munition) nutzen. Der Bau der Reichsautobahn wird 1942 beendet und 1954 wieder aufgenommen. Die von Hamburg bis Istanbul geplante Breitspurbahn kommt ĂŒber erste Planungen ebenso wenig hinaus wie diverse Lokalbahnen in und um Linz.

Bombenkrieg
Bis zum Sommer 1944 gilt der Gau Oberdonau (= Oberösterreich) als natĂŒrlicher Luftschutzbunker des Reiches. Erst als die Alliierten auch vom SĂŒden her BombereinsĂ€tze fliegen können, geraten besonders die Linzer RĂŒstungsbetriebe ins Fadenkreuz der BombenschĂŒtzen. Bei insgesamt 22 Luftangriffen zwischen Juli 1944 und April 1945 sterben an die 1680 Menschen. Die ca. 8000 Treffer machen 20.000 Personen obdachlos. 690 GebĂ€ude werden total zerstört, weitere 1500 erheblich beschĂ€digt.


Der Rest ist Österreich. Geschichte der Republik. Dokumentation zur Ausstellung im Nordico. Museum der Stadt Linz vom 3. Februar-18. April 2010

 

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