Forum OÖ Geschichte

Geteiltes Linz – Geteiltes Oberösterreich


Besatzungszonen

Ab 29. April 1945 dringen amerikanische Truppen nördlichen und südlich der Donau in Oberösterreich ein und stoßen relativ kampflos bis in die Gegend um Königswiesen vor, im Süden bis zur Enns. Die Sowjetarmee erreicht von Osten kommend am 9. Mai den Grenzfluss. Am Tag danach wird zwischen beiden eine vorläufige Demarkationslinie entlang der Summerauer Bahn im Norden festgelegt, im Süden reicht die russische Zone von Steyr bis Altenmarkt westlich über den Fluss hinaus.
Anfang August erfolgt die endgültige Aufteilung in Besatzungszonen: Das Mühlviertel kommt unter sowjetische Obhut, der größere Teil südlich der Donau unter amerikanische. Linz wird dadurch wieder zur geteilten Stadt, der einzigen neben der Großstadt Berlin.
Das ständig wachsende Misstrauen zwischen den beiden Siegermächten USA und UdSSR ist für die Bevölkerung im Alltag besonders durch die strengen Kontrollen an der Nibelungenbrücke und der Ennsbrücke spürbar. Im ganzen Land herrscht Angst vor einer Abtrennung der sowjetisch besetzten Gebiete.

Verwaltung
Die Sowjets bestehen auf einer eigenen Verwaltung ihrer Zone mit einem eigenen Staatsbeauftragten für die Region Mühlviertel (Johann Blöchl) und einen Bürgermeister für die wiederbegründete Stadt Urfahr (Ferdinand Markl). Im November 1945 finden demokratische Wahlen für den Landtag und den Gemeinderat von Linz statt, Landeshauptmann wird - nun demokratisch gewählt - Heinrich Gleißner, Bürgermeister Ernst Koref. Sowohl Blöchl als auch Markl werden in die jeweilige Regierungsmannschaft aufgenommen. Das stört die Sowjets ebenso wenig wie die Tatsache, dass alle finanziellen Lasten vom Süden getragen werden. Mit diesen Maßnahmen wird eine halbwegs einheitliche Verwaltung des Landes ermöglicht – ein wichtiger Schritt zur Verhinderung einer Spaltung Oberösterreichs.


Der Rest ist Österreich. Geschichte der Republik. Dokumentation zur Ausstellung im Nordico. Museum der Stadt Linz vom 3. Februar-18. April 2010

 

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