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1934

Leopold Kunschak

Leopold Kunschak (Christlichsozialer Politiker) am 9. Februar 1934:

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Leopold Kunschak (Christlichsozialer Politiker) am 9. Februar 1934:
„Gebe Gott, daß sich die Zerrissenheit des Geistes und der Seele von unserem Volk und seinen FĂŒhrern bald hebe, ehe Volk und Land an GrĂ€bern steht und weint.“

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BĂŒrgerkrieg
Am 12. Februar 1934 wehren sich in Linz illegale SchutzbĂŒndler gegen die Durchsuchung eines sozialdemokratischen Parteilokals durch Heimwehr und Exekutive. Die KĂ€mpfe weiten sich auf die Industriezentren Österreichs, vor allem jene in Wien, Oberösterreich und in der Obersteiermark, aus.  Bundeskanzler Engelbert Dollfuß setzt das Bundesheer gegen die AufstĂ€ndischen ein. Artillerie schießt auf Arbeiterheime und Gemeindebauten. Der BĂŒrgerkrieg dauert nur wenige Tage, doch er hinterlĂ€sst tiefe Wunden in der Gesellschaft. Über 320 Todesopfer sind zu beklagen. AnfĂŒhrer des Aufstandes werden hingerichtet, Tausende SchutzbĂŒndler verhaftet. Die Regierung verbietet die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Der Weg zur endgĂŒltigen Beseitigung der Demokratie ist nun frei: Dollfuß lĂ€sst von einem Rumpfparlament die „stĂ€ndische“, autoritĂ€r geprĂ€gte Verfassung „im Namen  Gottes“absegnen. Am 1. Mai 1934 proklamiert er diese im Wiener Praterstadion.

Einparteiensystem
Die VaterlĂ€ndische Front ist die einzige zugelassene politische Organisation, auch die bĂŒrgerlichen Regierungsparteien gehen in ihr auf. Sie bleibt jedoch ohne Massenbasis. Zur Mobilisierung der Bevölkerung und Abgrenzung gegenĂŒber dem nationalsozialistischen Deutschland setzt das Regime mit wenig Erfolg auf die Entwicklung eines Österreich-Patriotismus.

Juliputsch
Illegale österreichische Nationalsozialisten fĂŒhren am 25. Juli 1934 einen Putschversuch durch. Sie besetzen die Rundfunkstation in Wien und dringen in das Bundeskanzleramt ein. Engelbert Dollfuß wird von den Putschisten ermordet. Die mehrtĂ€gigen KĂ€mpfe in ganz Österreich fordern mehr als 200 Todesopfer. Der bisherige Justizminister Kurt Schuschnigg ĂŒbernimmt die FĂŒhrung im „StĂ€ndestaat“.

 

Autoren: Stefan Karner und Lorenz Mikoletzky, 2008 (wissenschaftliche Ausstellungsleitung)


Der Rest ist Österreich. Geschichte der Republik. Dokumentation zur Ausstellung im Nordico. Museum der Stadt Linz vom 3. Februar-18. April 2010

 

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