Forum OÖ Geschichte

Grenzkarten


Oberösterreich und die Grenze in Karten

Sieht man ab von römischen Karten, stammt die Ă€lteste erhaltene Karte Oberösterreichs (1542 gedruckt 1583) vom NĂŒrnberger Kartenstecher Augustin Hirschvogel. Die FlĂŒsse sind ziemlich ungenau gezeichnet, ebenso die Salzkammergutseen, die Karte ist nach SĂŒden ausgerichtet. Durch das Einzeichnen von Kirchen und GebĂ€udegruppen ist das Bild sehr lebendig und interessant. Die Grenze zu den NachbarlĂ€ndern ist hier allerdings nicht markiert.

Ein weiterer wichtiger Kartograph dieser Zeit war der Geschichtsschreiber Wolfgang Lazius. 1545 vollendete er die Karten von Ober- und Niederösterreich. 1561 veröffentlichte er einen Atlas von Österreich, von dem ein Blatt Oberösterreich gewidmet ist.

1618 brachte Abraham Holzwurm, ein stĂ€ndischer Ingenieur, eine Karte zum Abschluss, die eigentlich auf Wunsch der StĂ€nde Johannes Kepler hĂ€tte ausfĂŒhren sollen.

Dem Pfarrer Georg MatthĂ€us Vischer verdankt Oberösterreich viel Wissen ĂŒber landschaftliche Details, Orte und Schlösser.
Seine auch heute noch bekannte Karte stammt aus dem Jahre 1667, erschienen ist sie 1669. In einem Dreivierteljahr hatte er Oberösterreich vermessen und gezeichnet.

SpĂ€tere, oft sehr genaue Kartenwerke waren z. B. die Josefinische MilitĂ€raufnahme (1769 - 1772), die Franziszeische Aufnahme, besser bekannt als Franziszeischer Kataster, begonnen 1806, die Administrativkarte des Erzherzogtums Österreich ob der Enns von A. Souvent oder die historischen Karten des Pfarrers Johann Lamprecht.

Etwa zur selben Zeit wie die ersten Karten Oberösterreichs, also im 16. Jahrhundert, entstanden auch die beiden, weitgehend unbekannten Karten ĂŒber das Grenzgebiet Österreich-Bayern. Nicht nur der genaue Verlauf der alten Grenze kann durch sie rekonstruiert werden, man gewinnt auch Ă€ußerst interessante Erkenntnisse ĂŒber verschiedene Orte, Schlösser, GerichtsstĂ€tten und Straßen.

Das Libell mit 35 Ansichten des Grenzstreifens von 1594

„Verfasst“ wurde die Karte von Dr. Georg Högl und ein Maler Lens „illuminierte“ sie. Sie entstand wegen der Auseinandersetzungen um die Grenze zwischen Österreich ob der Enns und Bayern. Das Buch mit den von Innviertler Seite aus gezeichneten Karten ist ein Tafelwerk, das in zwei Serien zu 17 und 18 Landschaftsbildern die Grenze der Landgerichte Ried und SchĂ€rding zu Österreich ob der Enns zeigt.
Die Federzeichnungen zeigen die Landschaft aus der Perspektive des Zeichners. Seinem Sehfeld entsprechend sind sie in einzelne, schwarz umrandete Bilder unterteilt. Die Sternchen in Silber zeigen anerkannte Grenzen, die roten strittige, diese sind zusÀtzlich getupft dargestellt. Interessant ist auch die deutende Hand, die die Flussrichtung der BÀche anzeigt. Solche Richtungspfeile findet man bei Karten eigentlich erst im 18. Jahrhundert. Buchstaben in der Karte und die ErlÀuterungen unterhalb geben interessante Einblicke in den Grenzverlauf und die umstrittenen Gebiete, aber auch in lokale Gegebenheiten.

Die „Mappa des Gerichts Ried im Innkreis“ (vor 1600)

Leider fehlt sowohl eine Datierung dieser Karte, als auch eine Beschreibung, zu welchem Anlass sie gezeichnet wurde. Es handelt sich um eine farbige Handzeichnung auf Papier, die vermutlich spĂ€ter auf Leinwand aufgezogen wurde. Die GrĂ¶ĂŸe der Karte betrĂ€gt 2,1 m x 1,37 m.

Vielleicht gehörte sie zu einer der schriftlichen Grenzbeschreibungen des Landgerichtes Ried. Dieses ist auf der Karte in Rosa, Starhemberg in Gelb dargestellt, SchĂ€rding braun und Braunau grĂŒn. Da das Landgericht Ried dargestellt werden soll, ist diese Gegend besonders genau gezeichnet.


Kartentafeln

Libell 1594, Blatt 6

A Wimmer (Hohenzell) WĂ€ldchen
B Wimm, bayrisches Dorf
C Dornhof (Pram)
D Wimmer und Grieser Wiesen, WĂ€ldchen und Scheidegraben sind Grenze
E Gries, österreichischer Edelmannsitz
F Pram
G Grausgruber Feld (St. Marienkirchen), Felleisen genannt, bayrisch, drĂŒber der Haager
Straße, darauf Ried die Gerichtsbarkeit hat
H Haager Straße, die man entlang dem Felleisen auch in Bayern gebraucht
I Grausgruber Feld
K Zaun, der Grenze ist
L Grenzgraben
M Kiener Holz
N Grenzgraben
O Hohe Eiche, die im Öder Wald oder Zaun steht, Grenze
P Öd (bei Pramerdorf), bayrisch
Q Pramerdorf, österreichisch
R Renhartholz, gehört den Jetzingern, bayrischen Untertanen
S Graben, der vom Prambach herauf Grenze ist
T Feldrain, Grenze
V Feld der Jetzinger, bayrisch
W weiter ist die Grenze auf der Höhe
X Feldrain herunter ist Grenze
Y GĂŒĂŸgraben bei Hausruckgattern, Grenze
Z SĂ€gemĂŒhle, bayrisch
TZ Jetzing, bayrisch

ErlÀuterungen
E Gries: Die Reste des Edelsitzes Gries kann man noch als ErdhĂŒgel bei einem trockengelegten Teich in der NĂ€he des Wirt z`Gries erkennen. Damals stand das Holzschlösschen auf einer von der Pram umflossenen Halbinsel. Zwischen 1400 und 1500 wurde der Sitz von den Mulwangern und Mulhaymern bewohnt. Ab 1570 besaßen die ZĂ€rtel, denen zuvor auch Schloss Geboltskirchen gehört hatte, den Edelsitz. Danach findet sich Gries im Besitz Wolfgang Jörger V. Im Jahr 1594 gehörte Gries offensichtlich W. HĂ€berl, da dies auf einer der vorigen Karten vermerkt ist. Im Bauernkrieg 1626 wurde der Sitz im Zuge der Kampfhandlungen bei Kornrödt ein Raub der Flammen.
R Renhartholz: Besonders spektakulĂ€r war und ist die Grenzbefestigung im Renhartholz. Dort sind heute noch tiefe GrĂ€ben und WĂ€lle zu sehen, die ĂŒber die Pram weit in das Land ob der Enns und in das Landgericht Starhemberg hereinreichten. Wodurch dieser Einschub ĂŒber die Pram entstanden war, kann nicht mehr gesagt werden. Vielleicht lag es an alten Besitzrechten freier Bauern, die Jetzinger hatten dort ihre Felder. Vielleicht gehörte das Gebiet auch vor Entstehung des Landgerichtes und der Grenze einem Adeligen, der sich zum Personenverband der Bayern bekannte (vielleicht einem Reginhard?), es gibt auf der andern Seite des Pramwaldes, bei Buchegg, auch einen Renhartsberg.
Y GĂŒĂŸgraben / Hausruckgattern: Auch dieser Graben ist heute noch im GelĂ€nde zu sehen.
Z SagmĂŒhl Bayrisch: Die Grundfesten der MĂŒhle kann man noch sehen. 200 Meter nördlich von ihr steigt die Grenze entlang dem Renhartholz an Richtung Hausruckgattern. Auf Höhe von Hausruckgattern geht sie im rechten Winkel Richtung SĂŒden, um nach ca. 200 Metern wieder abwĂ€rts zu gehen und direkt hinter der MĂŒhle wieder am Prambach anzukommen.

Libell 1594, Blatt 7

A GĂŒĂŸgraben bei Hausruckgattern, Grenze
B Hausruckgattern, österreichisch
C Starhemberger Hochgericht
D Schloss Starhemberg und der Markt
E PrambÀchl
F Jetzingerholz
G Kothgraben, Grenze
H Jetzinger und Schernhamer Weg, Grenze
I Dorf Schernham, österreichisch, 6 HÀuser
K Ursprung der Pram
L Berge und Wald sind österreichisch bis an den Schneewinkel und heißen Hausruck bis
an die Kleine Frei, wie im nÀchsten Bild zu sehen
M schöner ebener Weg und Straße, die nach Haag geht
N Kleiner Baum bei einem WĂ€ldchen, Grenze
O Jetzinger Kornfeld
P WĂ€ldchen im Jetzinger Kornfeld
Q Bandzaun, wo die Wolfpaizinger GrĂŒnde anfangen
R Birnbaum, Grenze
S Wolfpaizing, bayrisch
T Zaun, der die Wolfpaizinger (B) und Schernheimer (Ö) GrĂŒnde trennt
V Feldrain, der Richtung Pilgersheimer Holz zugeht, Grenze
W Graben
X Breiter Anger (grasbewachsenes Land)
Y Harböck, auf Schernhamer Seite, Zaun, Grenze
Z Schernhamer Wiesen
1 Schneewinklbach, auch KriegerbÀchl genannt
2 Fahrtweg
3 Ursprung des SchneewinkelbĂ€chls. Beim Bach geht die Grenze hinauf und trennt zu linker Hand Schernhamer (Ö) und zu rechter Hand Ottacker (B) UntertanengrĂŒnde. Es gibt auch einen Gangsteig hinauf auf die Höhe, der gut zu gehen ist
4 Grenzbuche mit alt eingehauenem Kreuz
5 Grenzbuche auf der Höhe des Hausrucks beim GrĂŒnen Weg, daran stĂ¶ĂŸt rechts der Haager
Forst an
6 Ottacker, bayrisch
7 Pilgersheimer Wald

ErlÀuterungen

C Hochgericht: Die Darstellung des Hochgerichtes an dieser Stelle auf einer Karte von 1594 ist deshalb besonders interessant, weil es in der Literatur ansonsten heißt, der Galgen sei erst um oder nach 1600 vom Ranspeck (Weibern) an diese Stelle gekommen. Verantwortlich dafĂŒr ist die Notiz aus dem Urbar von 1592 - 1595 in der vermerkt wird, die Untertanen von Grolzham hĂ€tten Verbrecher zur Hinrichtung nach Ranspeck zu bringen. Vielleicht wurde hier einfach noch eine alte Überlieferung festgehalten. Wenn die Notiz am Beginn der Niederschrift des Urbars (1592) gemacht wurde, ergibt sich auch kein Widerspruch mit dem Standort des Galgens um 1594. In diesem Jahr befand er sich jedenfalls schon an der Stelle des Hohen Gerichtes, am Übergang ĂŒber den Hausruck, oberhalb Eidenedt
M, 5: Schöner ebener Weg, in der Fortsetzung GrĂŒner Weg genannt. Den auch heute noch vorhandene Weg am Kamm gab es damals schon, die Bezeichnung „GrĂŒner Weg“ trĂ€gt heute allerdings ein auf halber Höhe verlaufender Weg an der Ostseite des Hausrucks.
3 Schneewinkl: An dieser Stelle geht die Grenze hinauf zum Hausruckkamm, der Weg ist auch heute noch vorhanden

Libell 1594, Blatt 8

A Teil des Hausrucks
B Weg und Straße am Hausruckkamm, Grenze
C Berg und Wald Kleine Frei
D Weg und Straße, die auf der Kleinen Frei verlĂ€uft, an der etliche Grenzbuchen stehen, deren Gehölze zur rechten Hand den Albertshamer und Stranzinger (B) und zur linken unter der Straße den Gschwendtern und anderen österreichischen Untertanen gehören.
E Pfaffensteig, der von Eberschwang aus dem Pfarrhof, zu der unterhalb der Grenze in Österreich gelegenen und zur Pfarre Eberschwang gehörigen Filialkirche Geboltskirchen, geht und Wahrzeichen der Grenze ist. Alda soll, wie die Sage bei den Untertanen geht, vor Jahren durch die „Kinigischen“ (Österreicher) ein Priester, der von Eberschwang nach Geboltskirchen den katholischen Gottesdienst zu verrichten ging, erschlagen worden sein.
F Mairhof, Edelmannsitz des Hans Caspar Marschalchen, der derzeit dort wohnt
G Pfarrkirche und Dorf Eberschwang
H Große Frei
I Straße, die von der Kleinen Frei um die Große Frei herum geht und Grenze ist
K Der strittige Teil vor dem Tanzflecken, 20 Schritt breit und der LĂ€nge im Bayrischen 80, im Österreichischen 60 Schritte
L Beide Tanzflecken, die die Straße als Grenze scheidet, und die links österreichisch und rechts bayrisch sind, diese Tanzflecken besuchen zur Sommerszeit beider LĂ€nder umliegendes „jungs Paurngsindl“ und halten „gemaine“ TĂ€nze alda. Links, auf der österreichischen Seite, grenzt der Köplingerwald und der Polheimer Forst an
M Straße, Grenze
N Straße von „Zwischpalten“ (Frankenmarkt)
O Hölliger KreuzsĂ€ule, die neben der Straße steht und von beiden Seiten anerkanntes Grenzzeichen ist
P Meingassen, ein bayrisches Bauerngut
Q Ein Teil des Berges und Waldes „Murheimer“ (Urhamer), der umstritten ist

ErlÀuterungen

C Klein Frei: Die Namen Kleine Frei und Große Frei dĂŒrften auf einen Grund hinweisen, auf dem die Menschen der umliegenden Siedlungen ein Nutzungsrecht hatten. In diesem Fall durften sie vermutlich das Holz der WĂ€lder nutzen.
E Pfaffensteig: Der Weg von Geboltskirchen nach Anhang, heute ein Kreuzweg, trĂ€gt noch immer diesen Namen. Die Pfarrer von Eberschwang gingen jahrhundertelang diesen Weg, um in der Eberschwanger Filialkirche in Geboltskirchen die Messe zu lesen. Es dĂŒrfte auch stimmen, dass einer dieser Priester auf dem Weg zur Messe am Pfaffensteig erschlagen wurde. Der aus Eberschwang kommende Pfarrer war katholisch, wĂ€hrend es im viel lĂ€nger evangelischen Geboltskirchen einen protestantischen Geistlichen gab, den die Bevölkerung als den „wahren“ Priester ansah. Der aufgezwungene Eberschwanger Pfarrer wird dementsprechend unbeliebt gewesen sein. Vielleicht hatten diese Spannungen zu dem Priestermord gefĂŒhrt, es heißt im Libell, die „Kinigischen“ seien die Mörder gewesen. Dies war eine von den Bayern zu dieser Zeit verwendete Bezeichnung fĂŒr die Österreicher. In der Geboltskirchner VolksĂŒberlieferung soll der Geistliche am 16. Dezember 1600 von Evangelischen ermordet worden sein. Woher dieses Datum stammt, ist nicht mehr nachvollziehbar. Es kann sich jedenfalls nicht um den in der Karte von 1594 beschriebenen Mord handeln, der laut Text schon „vor Jahren“ geschehen war. Entweder stimmt also das in Geboltskirchen tradierte Datum nicht, oder es kam gleich zweimal zu der Tötung eines Priesters, und die beiden Morde verschmolzen in der Überlieferung zu einem. Depinys Sagenbuch bietet auch keinen Anhaltspunkt fĂŒr eine Lösung des RĂ€tsels, dort waren ĂŒberhaupt RĂ€uber die Mörder des Priesters.
F Mairhof: Bei dem auf der Karte gezeigten Schloss handelt es sich noch nicht um das Wasserschloss Mayrhof, sondern um dessen VorlĂ€uferbau, der allerdings auch von einem Wassergraben umgeben war, wie auf beiden Karten zu sehen ist. Zwischen 1500 und 1600 besaßen den Sitz die Marschalch zu Mayrhof, wie auch auf der Karte vermerkt. Das neue Wasserschloss Mayrhof wurde erst 1668 durch Graf Tattenbach erbaut und stand bis 1832, als es wegen BaufĂ€lligkeit abgetragen wurde. Heute sieht man nur mehr die NebengebĂ€ude.
L Tanzboden: Der Platz, an dem der Tanzboden eingezeichnet ist, entspricht nicht dem Platz, der heute als Tanzboden bezeichnet wird. Heute trĂ€gt der Teil der Straße von Eberschwang nach Holzleithen, der durch den Hausruck fĂŒhrt, bzw. das Plateau an der höchsten Stelle der Strecke, diesen Namen. In alten Grenzbeschreibungen und Karte ist der Tanzboden etwa 1,5 Kilometer sĂŒdwestlich der heute so benannten Stelle zu finden. Auch der Berg genannt Murhamer / Urhamer, war mit dem Tanzboden „gewandert“. Vermutlich hatte es in alten Schriften immer geheißen: Der Tanzboden beim Murhamer, an der Straße von Eberschwang nach Frankenburg gelegen. Als diese Straße um 1800 an ihren heutigen Platz verlegt wurde, scheint die Bezeichnung mitgewandert zu sein. Um den Tanzboden ranken sich viele Sagen. In mehreren alten Schriften wird berichtet, dass sich die jungen Leute von beiden Seiten der Grenze dort zum Tanz trafen.
O Höllinger Kreizseiln: Die KreuzsÀule war zwar nicht mehr auffindbar, aber den Platz, an dem sie sich vermutlich befunden hatte, kann man im GelÀnde noch erkennen. Sie stand an der Wegkreuzung des Höhenweges mit dem Weg von Frankenmarkt nach Eberschwang.

Libell 1594, Blatt 9

A Murheimer (Urhamer), dem die Österreicher, nĂ€mlich der von Polheim, Bayern alle sichtbaren Grenzzeichen entziehen wollen, ohne RĂŒcksicht darauf, dass er zwei bayrischen LandsmĂ€nnern, Johel von Franking und Hans Caspar Marschalchen zu Eberschwang gehört, wie diese beiden mir untertĂ€nigst berichteten
B die herumgehende Landstraße, Grenze
C Besuch- und Fahrtweg, wo der von Polheim an allen rechtmĂ€ĂŸigen Grenzzeichen von der oberen Straße, dem richtigen Grenzzeichen, abweicht und nahe der Grenzbuche zu wollte
D Steinhaufen, Grenze
E Straße, Grenze
F Straße Richtung „Unser Frauen Zell“ (Zell am Pettenfirst)
G Christelleiten, österreichischer Wald
H Ampflwangerweg
I Grenzbuche, ein alter stehender, verfaulter Stock, in den man beiderseits das Grenzzeichen hat
K Polheimer Forst, der an das bayrische Grenzzeichen links herzustĂ¶ĂŸt
L Prinsach
M Pienerring
N SaurĂŒsselbacherl
O MĂ€rzenbacherl
P Straße, Grenze
Q Schranken an der Sallach

ErlÀuterungen

A Der Streit um den Berg Murhamer (Urhamer) wird auch in anderen Grenzbeschreibungen erwÀhnt.
D Steinhauffen: Ein interessantes Geheimnis sind die Steinhaufen in der Gegend um den Urhamer, die in diesem und in vielen anderen Texten um 1600 erwĂ€hnt sind und in einigen Sagen vorkommen. Angeblich sollen sie noch bis vor einigen Jahren zu sehen gewesen sein, ohne dass jemand gewusst hĂ€tte, welche Bedeutung sie haben. Der letzte große Steinhaufen in Manneshöhe soll beim Bau des Reitweges und der Forststraße vernichtet worden, einige kleinere Steinhaufen sollen noch heute ganz ĂŒberwachsen im Wald zu sehen sein. In der Sage deutet man die Entstehung des Steinhaufens dadurch, dass ĂŒber den Hausruck ziehende Wallfahrer Steine mitgenommen hatten, um dort eine Kapelle zu errichten. Da niemand die Erhaltungskosten tragen wollte, habe man das Bauvorhaben aufgegeben. Eine andere Deutung ist die einer Steinabgabe zur SĂŒndenvergebung. Dies war eine Möglichkeit frĂŒherer Zeiten, sich die unliebsame Beichte zu ersparen. Dieser Brauch soll sich in der Gegend der Redlalm bis in die 50er Jahre erhalten haben. Da die Steinhaufen im Volksmund auch als „FĂŒrichthaufen“ bezeichnet wurden, hat auch die Theorie ihre Berechtigung, man hĂ€tte beim Gang ĂŒber den Hausruck, der an manchen Stellen „nicht ganz geheuer“ war, Steine mitgenommen, die man dann, nach Passieren des unheimlichen Ortes, zurĂŒckließ.
Q Der Schranken an der Sallach dĂŒrfte ident mit dem Schranken bei Ottenschlag und dem SchlĂ€gerer Schranken sein. Dieser Schranken fungierte als Grenzschranken zwischen Österreich und Bayern.


„Mappa des Gerichts Ried im Innkreis“, vor 1600

1. Schloss „Veldeck“, Feldegg: Zu sehen sind eigentlich zwei schlossĂ€hnliche GebĂ€ude. Das grĂ¶ĂŸere Haus mit Turm dĂŒrfte das von Christoph Abraham zu Retschan 1589 - 1594 errichtete neue Schloss sein, das er oberhalb seines verfallenden alten Wasserschlosses erbaut hatte. Bei dem kleineren zweiten GebĂ€ude könnte es sich noch um das frĂŒhere Schloss handeln, das bei den heute noch vorhandenen Teichen gestanden war.
2. Schloss Gries: Ein wichtiger Hinweis fĂŒr die Datierung der Karte ist, dass man Schloss Gries sieht. Dieser Edelsitz wurde im Bauernkrieg 1626 ein Raub der Flammen, die Karte muss also vor 1626 und wegen der Darstellung des neuen Schlosses Feldegg nach 1590 gezeichnet worden sein.
3. Wie auf anderen Karten und Beschreibungen dieser Zeit ist auch hier die Bezeichnung TĂŒrkengraben zu finden.
4. Das Feld Felleisen, auch immer ein markanter Punkt, da es, ebenso wie das Gebiet mit den Orten Wimm und OberrĂŒhring, in das Land Oberösterreich hineinragte.
5. Das Starhemberger Gericht ist im Gegensatz zum Markt Haag und Schloss Starhemberg, die nur schematisch dargestellt werden, genau eingezeichnet, auch die Form des Galgens ist ersichtlich.
6. Der Renhart, darĂŒber das Jetzinger Feld, wieder ein Teil Bayerns, der nach Österreich hereinragte. Auch heute kann man dort noch gewaltige GrenzgrĂ€ben sehen.
7. Die „Saag“, eine SĂ€gemĂŒhle, von der man die Grundfesten noch findet und die auch in vielen Grenzbeschreibungen vorkommt.
8. Der Kotgraben bei Hausruckgattern, auch heute noch im GelÀnde sichtbar.
9. Wie auch am Libell eingezeichnet und beschrieben, der Ursprung des SchneewinkelpÀchls
10. Schloss Mayrhof, das auch im Libell eingezeichnet ist.
11. In Geboltskirchen sind zwei grĂ¶ĂŸere GebĂ€ude, eines davon vermutlich ein Sitz, eingezeichnet. Es kann sich dabei nur um den Sitz Geboltskirchen oder den Sitz Polzing handeln, beide verfielen vor 1600.
12. Die Bezeichnung ZĂ€rtlforst gibt auch einen Hinweis auf die Datierung der Karte. Der Wald trĂ€gt noch den Namen der ZĂ€rtl, die das Schloss Geboltskirchen bis 1566 und die GrĂŒnde etwas lĂ€nger besaßen.
13. Auch hier ist wieder das Tanzfleckl zu sehen, auf dem man sich, laut Text des Libells, zum Tanz traf.
14. Die Große Frey, vermutlich ein Gebiet, das den Bauern gemeinsam gehörte.
15. Bei der Marterseyll am Hausruckkamm dĂŒrfte es sich um das in der anderen Karte als „Herlinger KreuzsĂ€ule“ bezeichnete Marterl handeln, das an der markanten Kreuzung des Weges von Zell am Pettenfirst mit der Straße am Hausruckkamm stand, unter der KreuzsĂ€ule findet sich auch die Bezeichnung Höling (=Herling).
16. Hier ist einer der großen, sagenumwobenen Steinhaufen zu sehen, die man auch in den anderen Grenzbeschreibungen oft findet. Die Lagestelle lĂ€sst sich lokalisieren, der Steinhaufen ist jedoch nicht mehr zu finden.
17. Unser Lieben Frauen Zell ist die alte Bezeichnung fĂŒr Zell am Pettenfirst.
18. Der Schranken, der auch in allen Karten und Beschreibungen vor 1600 vorkommt, ist hier ĂŒber der Bezeichnung Sallach zu finden. Das Hochzeiterholz ist auch eingezeichnet, es befindet sich ein StĂŒck unterhalb des Schrankens. Es ist also derselbe Schranken wie am Libell, auch die SchlegergrĂŒndt sind ganz in der NĂ€he des Schrankens. Hier findet man also alle Ortsbezeichnungen, die dem Schranken als Namen dienten.
19. Besonders interessant ist die Darstellung von Ried. Das Schloss Ried, das heutige Spital, und der Markt sind auf der Karte zu sehen. Bei dem markanten GebĂ€ude mit den zwei TĂŒrmchen außerhalb der Stadtmauer könnte es sich um das Leinenweberzunfthaus handeln. Vermutlich ist diese Ansicht, neben dem Fresco von Hans Thonauer von 1588, eine der Ă€ltesten Darstellungen von Ried.
20. Auch Schloss Wegleiten ist auf der Karte zu sehen. Von Wegleiten dĂŒrfte es die einzige Darstellung außer der von Wening um 1705 sein. Diese zeigt allerdings schon den Bauzustand nach dem Brand um 1670.
21. Interessant ist auch, dass in der NĂ€he von Ried, bei Bankham, ein Gerichtsplatz, vermutlich mit Galgen und Rad, zu sehen ist.


Dokumenation zur Ausstellung "Landler/Bandler - Innviertler/Rindviertler. Der Hausruck als Grenze" im Kulturgut Hausruck und Schloss Starhemberg, in Kooperation mit der OÖ. Landesausstellung 2012.

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