Forum OÖ Geschichte

Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft | OÖ Landesausstellung 2016


Reiten als Kampf um die Emanzipation

Ob und wie Frauen reiten, ist ein wichtiges Thema der Kulturgeschichte, aber auch des Geschlechterdiskurses, von den Amazonen im antiken Griechenland bis zur Emanzipationsbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts. Antike Göttinnen, heidnische Idole und mittelalterliche FĂŒrstinnen wurden hĂ€ufig im Seitsitz reitend dargestellt. FĂŒr schnelles und selbstbestimmtes Reiten war der Seitsitz allerdings wenig geeignet, da kaum eine Einwirkung auf das Pferd möglich ist.

Daher wurde im 16. Jahrhundert  der Damensattel erfunden und sukzessive weiter verbessert. Die Dame schlug ein Bein ĂŒber den Sattelknauf und verwendete fĂŒr den anderen Fuß einen SteigbĂŒgel statt der FußstĂŒtze. Damit saß die Reiterin trotz Rock in Reitrichtung und mit ihren Schultern fast parallel zu den Pferdeschultern. Beim Gabelsattel wurde der Sattelknauf durch zwei Hörner ersetzt, zwischen die der rechte Oberschenkel zu liegen kam. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Schraub- oder Sprunghorn entwickelt. In der Übergangszeit gab es Drei-Horn-SĂ€ttel. Aus SicherheitsgrĂŒnden wurde dann das rechte Horn weggelassen. Die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch fĂŒr Damen sich immer mehr durchsetzenden Hosen machten den Damensattel ĂŒberflĂŒssig. Emanzipation! Und eine neue große Liebe, die Liebe zu Pferden! Aber auch das Damensattelreiten hat seine Faszination nicht ganz eingebĂŒĂŸt.

Autor: Roman Sandgruber, 2016


Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft. Dokumentation zur OÖ Landesausstellung 2016, 29. April bis 6. November 2016 im Pferdezentrum Stadl Paura.

© 2018