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Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft | OÖ Landesausstellung 2016


Die Pferdebahn

Die Pferdebahnen waren zwar nur ein kurzes Intermezzo in der langen Geschichte des Pferdes. Aber sie bereiteten der Eisenbahn den Weg. In England und den USA wurden sie rasch durch Dampfbahnen ersetzt. Die im Endausbau 197 km lange Pferdebahn Budweis-Linz-Gmunden war die längste auf dem europäischen Festland. Doch auch sie blieb nicht lange in Betrieb: auf der Südstrecke Linz-Gmunden 20 Jahre, im Nordteil nach Budweis immerhin 40 Jahre.

Die Planungen gehen auf den Prager Technikprofessor Franz Josef Gerstner und dessen Sohn Franz Anton Gerstner zurück. 1825 erfolgte der Spatenstich in Netrowitz (Netřebice). 1832 konnte der Nordteil Urfahr-Budweis feierlich eröffnet werden, die 1832 begonnene Verlängerung nach Gmunden im Jahr 1836. Der Südteil war deutlich rentabler als der Nordteil. Für die Stadl Paurer Schiffsleute bedeutete die Pferdebahn einen tiefen Einschnitt: Die Erbitterung gegen die Bahn war so groß, dass es in der Revolution von 1848 zu Zerstörungen der Bahntrasse kam.

Die letzten Züge mit Pferde-Bespannung verkehrten auf dem Südteil 1855/56. Nach der Inbetriebnahme der normalspurigen Westbahn im Jahre 1858 wurde die schmalspurige Pferdebahntrasse vom Linzer Gleisdreieck bis Lambach aufgelassen. Der Streckenteil Lambach-Gmunden wurde 1903 auf Normalspur (1,435 m) umgestellt. Der Nordteil blieb bis 1872 als Pferdebahn erhalten und wurde dann stillgelegt.

Autor: Roman Sandgruber, 2016


Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft. Dokumentation zur OÖ Landesausstellung 2016, 29. April bis 6. November 2016 im Pferdezentrum Stadl Paura.

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