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Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft | OÖ Landesausstellung 2016


Die Lipizzaner in Oberösterreich

Die Hengste der Spanischen Hofreitschule mussten 1945 wegen der Bombardierungen aus der Wiener Stallburg evakuiert werden. Der damalige Kommandeur Oberst Alois Podhajsky fand ein geeignetes Areal im Schloss der Grafen Arco in St. Martin im Innkreis. Zwischen dem 1. Februar und 7. April 1945 wurden Hengste und Inventar in mehreren Transporten aus Wien herausgebracht. Im Oktober 1946 wurde die Hofreitschule von St. Martin nach Wimsbach und in die ehemalige Dragonerkaserne Wels übersiedelt. Erst nach Abschluss des Staatsvertrages kehrte sie nach Wien zurück.

Das  Lipizzaner-Gestüt Piber war im Krieg aus der Steiermark nach Südböhmen transferiert worden. Kurz nach Kriegsende konnten die Pferde über Bayern nach Oberösterreich gebracht werden. Maßgeblich dafür war das Eingreifen des Kommandanten der 8. US-Armee General George S. Patton, der selber einst Dressurreiter und Olympiateilnehmer gewesen war. Am 18. und 22. Mai 1945 trafen 230 Pferde in Reichersberg ein und wurden auf Wimsbach und andere Quartiere aufgeteilt. Erst als 1952 das Gestüt in Piber wieder reaktiviert wurde, konnte das Gestüt in Wimsbach aufgelöst werden.

Ballett der Pferde: Die Spanische Hofreitschule – Ein österreichisches Weltkulturerbe

2015 wurde die Spanische Hofreitschule in das Verzeichnis des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Ihre Wurzeln gehen bis auf Kaiser Ferdinand I. zurück, der 1521 Pferde von Spanien mitbrachte. Aus 1565 unter Kaiser Maximilians II. stammt die erste Erwähnung der späteren Spanischen Hofreitschule. 1580 kam es zur Gründung des Hofgestüts Lipica durch Erzherzog Karl von Innerösterreich. Kaiser Karl VI. ließ schließlich in den Jahren 1729 bis 1735 die berühmte Winterreitschule errichten. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Hofreitschule zu einem Zentrum der europäischen Reitkunst. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Gestüt in Lippiza an Italien gefallen. Auch die Aufgabe, Pferde für den Kaiserhof zu liefern, gab es nicht mehr. Doch es gelang, die Reitschule zu konsolidieren und zu einem internationalen Wahrzeichen Österreichs zu machen. Die Vorführungen der Spanischen Hofreitschule sind höchste Perfektion der Hohen Schule auf der Erde und über der Erde. Unter den Figurinen der Pozellanmanufaktur Augarten nimmt die Serie „Hofreitschule“ nach traditionellen Entwürfen einen besonderen Platz ein. Die Ausstellung vereinigt sie zu einem ins Unendliche gehenden Rossballett.

Grundgangarten und Hohe Schule der Reitkunst

Die drei Grundgangarten des Pferdes sind Schritt, Trab und Galopp. Sogenannte Gangpferde beherrschen anstatt oder daneben auch Tölt und Pass oder sonstige Sondergangarten. Die hohe Schule der Reitkunst, wie sie in der Spanischen Hofreitschule gelehrt und gezeigt wird, beinhaltet als wichtigste Figuren „auf der Erde“ die Pirouette, die Passage und die Piaffe, „über der Erde“ die Levade und Pesade, die Courbette und die Kapriole.

Pirouetten reitet man als Schritt-, Galopp- und Piaffepirouetten. Die Passage besteht in einem Trab in verzögerten Tritten und geringem Raumgewinn. Bei der Piaffe zeigt das Pferd eine trabartige Bewegung auf der Stelle oder mit nur maximal einer Hufbreite Raumgewinn.

Bei der Levade verlagert das Pferd das Gewicht auf die gebeugte Hinterhand und hebt seinen Rumpf in einem Winkel von weniger als 45°. Ist der Winkel größer, spricht man von einer Pesade. Bei der Courbette hebt sich das Pferd und vollführt einen oder mehrere Sprünge auf der Hinterhand mit angezogenen Vorderbeinen. Bei der Kapriole springt das Pferd und schlägt am höchsten Punkt mit den Hinterbeinen aus.

Autor: Roman Sandgruber, 2016


Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft. Dokumentation zur OÖ Landesausstellung 2016, 29. April bis 6. November 2016 im Pferdezentrum Stadl Paura.

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