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Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft | OÖ Landesausstellung 2016


Die Biologie des Pferdes

Pferde sind Fluchttiere. Ihr Sehvermögen ist darauf ausgerichtet. Mit ihren seitlich am Kopf platzierten Augen haben sie einen fast vollstĂ€ndigen Rundblick (ca. 340 ⁰). Es gibt nur zwei kleine tote Winkel, unmittelbar vor dem Kopf und hinter dem Körper. Wahrscheinlich sehen Pferde kein oder nur schlecht Rot. Das Hörvermögen ist deutlich besser als das menschliche. Was fĂŒr Menschen laut ist, ist fĂŒr Pferde fast unertrĂ€glich. Pferde haben einen ausgezeichneten Geruchssinn. Ihr Geschmackssinn reagiert auf sĂŒĂŸ, sauer und salzig, offensichtlich aber nicht auf bitter.

Pferde sind reine Pflanzenfresser. Trotzdem sind ihre MĂ€gen extrem klein. Das bedingt, dass sie hĂ€ufig Futter brauchen und bis zu 16 Stunden am Tag beim Fressen verbringen. Eine dreimalige FĂŒtterung am Tag entspricht nicht ihren natĂŒrlichen BedĂŒrfnissen. Im Unterschied zu Rindern sind sie keine WiederkĂ€uer. Die Verdauung erfolgt in ihrem großen Darmtrakt.
Eine Stute trĂ€gt ihr Fohlen elf Monate lang. Bei der Geburt wiegt es ca. 50 kg. Bereits zehn Minuten nach der Geburt kann es stehen. Es folgt sofort seiner Mutter, spielt und kann auch schwimmen. Die Hufe hĂ€rten noch am ersten Lebenstag aus. Mit drei Jahren sind Pferde geschlechtsreif. EndgĂŒltig erwachsen sind sie mit etwa fĂŒnf Jahren.

Kraft und Schnelligkeit

Pferde sind schnell und krĂ€ftig. In ihrem Kreislauf fließen bis zu 40 Liter Blut. Das Herz wiegt zwischen drei und vier Kilo und ist viel leistungsfĂ€higer als das menschliche. Die Lunge ist fĂŒr extremen Sauerstoffbedarf gerĂŒstet. Sie hat bei einem Warmblut bis zu 50 m2 innere OberflĂ€che (beim Menschen etwa 9 m2).  Das Gehirn ist mit 600 g im Vergleich zum menschlichen Gehirn (1200 bis 1500 g) verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig klein.

Die von dem Erfinder der Dampfmaschine James Watt eingefĂŒhrte PferdestĂ€rke (PS oder HP/Horsepower) ist noch immer eine weit verbreitete Maßeinheit fĂŒr Leistung, auch wenn sie wissenschaftlich durch Kilowatt (kW) ersetzt ist. Ein PS ist die Leistung, die erbracht werden muss, um eine Masse von 75 kg mit einer Geschwindigkeit von 1 Meter pro Sekunde hoch zu heben. 1 PS entspricht etwa Ÿ kW.

Die Rassen

Die letzten noch lebenden echten Wildpferde sind die Przewalski-Pferde. In freier Wildbahn wurden sie 1968 zum letzten Mal beobachtet. In Zoos und Wildparks konnten sie ĂŒberleben. Durch systematische ZĂŒchtung und Auslese wurde das Pferd immer besser an die menschlichen BedĂŒrfnisse und Verwendungen angepasst. Die Zuchtziele werden von der Nutzungs- und Einsatzart bestimmt: ob Kriegs- und Ackerpferde, Rennpferde und Traber oder Sport- und Freizeitpferde. Aktuell sind in der Rassenliste von Caballo 438 Pferderassen verzeichnet: WarmblĂŒter (Lipizzaner, Friesen, Andalusier, Appaloosa, Quarter Horse
), KaltblĂŒter (Noriker, Rheinisch-deutsches Kaltblut, Freiberger, Shire Horse
), Ponys und Kleinpferde (Haflinger, Shetland, IslĂ€nder, 
), Rennpferde (Englisches Vollblut, Deutsche Traber
). Als wichtigste österreichische Traditionsrassen, deren Zucht in Stadl Paura besonders gepflegt wird, gelten Noriker, Haflinger, österreichisches Warmblut, Lipizzaner, Shagya Araber und Huzulen.

Autor: Roman Sandgruber, 2016


Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft. Dokumentation zur OÖ Landesausstellung 2016, 29. April bis 6. November 2016 im Pferdezentrum Stadl Paura.

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