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Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft | OÖ Landesausstellung 2016


Das Sommerrefektorium

Das im frĂŒhen 18. Jahrhundert unter Abt Maximilian Pagl von Carlo Antonio Carlone ausgestaltete Sommerrefektorium ist einer der reprĂ€sentativsten RĂ€ume des Stiftes Lambach. SĂ€mtliche Stuckarbeiten stammen von Diego Francesco Carlone. Die Decken- und WandgemĂ€lde von Wolfgang Andreas Heindl bringen Szenen des Alten und Neuen Testaments: Jesus an der Tafel der PharisĂ€er, das vom Himmel regnende Manna, Moses schlĂ€gt Wasser aus dem Felsen, Jesus wird nach der Versuchung von Engeln gelabt.

Die Lesekanzel mit zweiseitigem Aufgang ist eine Arbeit des Ennser Tischlers Balthasar Melber.

Europas wichtigstes Attribut bei den in der FrĂŒhneuzeit beliebten Erdteil-Allegorien ist das Pferd: als Zeugnis seiner Bedeutung fĂŒr diesen Kontinent, aber auch als Ausdruck des EigenverstĂ€ndnisses der Vorherrschaft ĂŒber alle anderen Erdteile. Die an den vier Ecken des zentralen Deckenfreskos in Grisaillemalerei widergegebenen Erdteilallegorien kehren im Konventhof als Erdteilputten mit Ă€hnlichen Attributen wieder.


Regieren ist Reiten – Reiten ist Herrschaft

Die Verbindung von Pferd und Reiter ist eines der Ă€ltesten und langlebigsten Symbole von Macht und Herrschaft. Der mittelalterliche König ist ohne sein Pferd nicht König: "Mein Königreich fĂŒr ein Pferd!", ruft Richard III. bei Shakespeare.
Viergespanne und Reiterstandbilder kennzeichnen die Herrscher der Antike. Hoch zu Ross erscheinen die mittelalterlichen Ritter und FĂŒrsten. Auch fĂŒr die chinesische Kultur war das Pferd Ausdruck höchster Macht. Und unter europĂ€ischem Einfluss ĂŒbernahmen auch die westafrikanischen Königreiche der FrĂŒhneuzeit das Statussymbol Pferd.

Nicht nur der technische Fortschritt, sondern auch die demokratischen Reformen haben dem Pferd als Herrschaftssymbol zugesetzt. Im 20. Jahrhundert sind die jahrtausendealten traditionellen Aufgaben und Rollen des Pferdes verloren gegangen. Anton Lehmdens „Zerfallendes Pferd“ symbolisiert diesen Bedeutungsverlust. Das königliche Tier ist es dennoch geblieben, wenn auch auf demokratischem Boden und nunmehr fĂŒr viele erschwinglich und zugĂ€nglich.


Reiterstandbilder

Die StĂ€dte der Antike muss man sich voller Reiterstandbilder denken, ĂŒberwiegend von Kaisern, aber auch von erfolgreichen HeerfĂŒhrern und Honoratioren. Mit dem Ende des römischen Weltreiches wurden diese Monumente, wenn sie aus Metall waren, eingeschmolzen. Nur ein einziges kaiserliches Reiterdenkmal ist vollstĂ€ndig erhalten geblieben, jenes des Marc Aurel auf dem römischen Kapitol, weil man es fĂ€lschlich fĂŒr eine Darstellung des ersten christlichen Kaisers Konstantin hielt.

Von den italienischen RenaissancefĂŒrsten und SöldnerfĂŒhrern wurde die antike Tradition des Reiterstandbilds in Italien wieder aufgegriffen, in Ferrara, Florenz, Neapel, Mailand, Piacenza, Sabbioneta und Turin. Im Absolutismus entstanden DenkmĂ€ler nicht nur in Paris, Versailles, Nancy und anderen französischen Residenzen, sondern auch in Wien, Kopenhagen, Lissabon, Madrid und Sankt Petersburg. Etienne-Maurice Falconets Standbild fĂŒr Peter den Großen ist Richtungsweisend geworden. Fast immer waren es die MĂ€nner, die so reprĂ€sentierten. Zu den wenigen Ausnahmen zĂ€hlen Maria Theresia oder die englische Königin Victoria, allerdings im Kabinettformat.


Autor: Roman Sandgruber, 2016


Mensch & Pferd - Kult und Leidenschaft. Dokumentation zur OÖ Landesausstellung 2016, 29. April bis 6. November 2016 im Stift Lambach.

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