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Musik von ~ 500–1500 in Oberösterreich – Mittelalter


Die wenigen Daten, die zum Musikleben der langen Zeitspanne des Mittelalters ĂŒberliefert sind, sind nur ein Ă€ußerst geringer Teil dessen, was tatsĂ€chlich erklungen ist. Damit ließe sich keineswegs ein reprĂ€sentatives Bild der Musikkultur dieser Zeit nachzeichnen. Der Blick auf HintergrĂŒnde, Gegebenheiten, Möglichkeiten, AnlĂ€sse und Motive zur Musikpflege kann aber einiges erhellen.

Musikpflege in den Klöstern
Vom Christentum kamen starke Impulse zum kulturellen Schaffen. Da das Mönchtum eine hohe Geistesbildung erfordert, entwickelten sich die Klöster bald zu Zentren der Geisteskultur und bedeutenden Kulturzentren. Hier sind v. a. die Klöster Mondsee (gegrĂŒndet 748) und KremsmĂŒnster (gegrĂŒndet 777) sowie die den heutigen Landesgrenzen nahe liegenden Klöster St. Peter in Salzburg, Mattsee und Michaelbeuern zu nennen. Vermutlich noch im 8. Jahrhundert entstanden auch Klöster in AltmĂŒnster und St. Florian sowie das Marienkloster an der Enknach (Pischelsdorf). Die Klöster wirkten auch im Landesausbau, in der Bewirtschaftung der KlostergĂŒter und in der Seelsorge.

Ab dem ausgehenden 11. Jahrhundert entstanden auf Grund verschiedener Reformen neue Orden, von denen die Reformzweige der Benediktiner, der Augustiner Chorherren, die Zisterzienser und PrÀmonstratenser im Gebiet des heutigen Oberösterreich zahlreiche Niederlassungen hatten.

--> KlostergrĂŒndungen des Hochmittelalters in Oberösterreich

1355 entstand in Schlierbach ein Zisterzienserinnenkloster, im 15. Jahrhundert folgten noch die Kollegiate in Spital am Pyhrn und Mattighofen.

Liturgischer Gesang
Eine der wichtigsten Aufgaben der Klöster war und ist die Feier der Gottesdienste. Deren musikalische Gestaltung dĂŒrfen wir uns in großzĂŒgiger Entfaltung vorstellen, wobei der Liturgiegesang in den verschiedenen Gottesdiensten zunĂ€chst einstimmiger Gesang war, jedoch nicht nach dem Melodiengut, das wir heute als Gregorianischen Choral verstehen. Das allgemein bekannte Gesangsrepertoire wurde an bestimmten Festen durch liturgische Sonderformen, die man von anderen Klöstern ĂŒbernahm, und durch selbst erstellte Festoffizien oder zumindest bestimmte Teile davon erweiterte.

Im Laufe des Mittelalters wurde die Liturgie stÀndig weiter ausgestaltet. So kam bei ausgewÀhlten GesÀngen eine einfache improvisierte mehrstimmige Gesangspraxis in Oktav- und Quintenparallelen durch Mönche und Chorknaben zum Einsatz.

Neben (nicht notierter) mehrstimmiger Gesangspraxis wurden auch aufgezeichnete mehrstimmige Kompositionen aufgefĂŒhrt. Solche Werke sind in Handschriften aus Mondsee, KremsmĂŒnster, Reichersberg und Wilhering ĂŒberliefert.

Klosterschulen
FĂŒr die AusfĂŒhrung mehrstimmiger Kompositionen war eine höhere Musikbildung mit dem nötigen theoretischen Wissen Voraussetzung. Dieses wurde in Klosterschulen, spĂ€ter auch an UniversitĂ€ten vermittelt. So trugen die Klosterschulen, in denen die jungen Klosterangehörigen und jugendlichen Oblaten, aber auch der Pfarrklerus, die Lehrer der Pfarrschulen oder manchmal auch Dichter-SĂ€nger ihre Ausbildung erhielten, zur Entfaltung des liturgischen Gesangs bei.

Poetisch begabte Konventualen dichteten auch Reimoffizien, Sequenzen und Hymnen. Eines dieser Reimoffizien ist in KremsmĂŒnster ĂŒberliefert. FĂŒr besondere Feste wurden Sequenzen zu einer bereits gebrĂ€uchlichen Melodie gedichtet. Solche sind aus den Stiften KremsmĂŒnster, St. Florian, Ranshofen, Reichersberg, Suben und Waldhausen ĂŒberliefert.

Liturgische Dramen
Liturgische Dramen - etwa das aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts stammende Dreikönigsspiel in Lambach oder die Osterspiele in St. Florian, Suben und KremsmĂŒnster - galten als „inszenierte Predigten“.

Liturgische Spiele

Liturgische Spiele haben ihren Ursprung in mimisch-gestischer PrĂ€sentation von lateinischen WechselgesĂ€ngen im Rahmen der Liturgie hoher kirchlicher Feste, wobei die Darstellung meist Kleriker ĂŒbernahmen. Fassbar sind diese dramatischen Elemente ab dem 10. Jahrhundert mit der Szene vom Besuch der Frauen am Grab Jesu und deren Begegnung mit dem Engel. Die Spieltexte wurden durch Erweiterung liturgischer Texte entwickelt und großteils gesungen vorgetragen.

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Liturgische Spiele haben ihren Ursprung in mimisch-gestischer PrĂ€sentation von lateinischen WechselgesĂ€ngen im Rahmen der Liturgie hoher kirchlicher Feste, wobei die Darstellung meist Kleriker ĂŒbernahmen. Fassbar sind diese dramatischen Elemente ab dem 10. Jahrhundert mit der Szene vom Besuch der Frauen am Grab Jesu und deren Begegnung mit dem Engel. Die Spieltexte wurden durch Erweiterung liturgischer Texte entwickelt und großteils gesungen vorgetragen.

Dieser szenisch dargestellte Wechselgesang erfuhr im Laufe der Zeit eine gesangliche und textliche Ausgestaltung hin zum Osterspiel mit dem Ziel, den GlÀubigen das Geschehen bildhaft zu vergegenwÀrtigen und verstÀndlich zu machen. Im 11. und 12. Jahrhundert entwickelte sich zudem die Darstellung von Szenen zum Weihnachtsfest und zur Passion Christi.

Durch das stĂ€ndige Wachsen der Anteilnahme und damit des gestaltenden Einflusses der Laien in der Glaubenspraxis entstanden schließlich vom Volksempfinden getragene Eigenformen wie Passions- und Auferstehungsspiele. FĂŒr Oberösterreich bezeugen dies etwa zwei um 1500 aufgezeichnete Textfragmente eines Passionsspiels mit gesungenen Abschnitten innerhalb der Karfreitagsliturgie der Stadtpfarrkirche Wels.

Diese Gepflogenheiten sind auch in der gedruckten Passauer Agende von 1514 enthalten und waren daher in der gesamten Diözese allgemein verbreitet.

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Skriptorien
Eng mit den Klosterschulen verbunden stellten die klösterlichen Skriptorien die fĂŒr das Mönchsleben erforderlichen BĂŒcher (Liturgie, SpiritualitĂ€t) her. Unter den wenigen erhaltenen liturgischen BĂŒchern aus dem frĂŒhen Mittelalter ragt eine vermutlich in Mondsee zu Anfang des 9. Jahrhunderts entstandene Bibel heraus, in der die Lamentationen mit damals gebrĂ€uchlichen linienlosen Neumen versehen sind. Aus den meisten Klöstern sind in Handschriften auch Musiktraktate ĂŒberliefert, die eine profunde Musikausbildung ermöglichten. In diesen liturgischen BĂŒchern verwendete man die verschiedenen Notationsformen, die von linienlosen Neumen ĂŒber Hufnagelschrift zur Mensuralnotation und Tabulaturschriften reichen. In beinahe allen Klöstern des Landes sind BĂŒcher mit diesen Notationsformen ĂŒberliefert.

Aber auch weltliches Liedgut begegnet uns in klösterlichen Handschriften, etwa im Dulce solum aus den Carmina burana in einer Garstener Handschrift sowie Lieder des Walther von der Vogelweide in KremsmĂŒnster. Auch der KremsmĂŒnsterer Mönch Leuthold von Hagwald († 1309) könnte sich als Liederdichter betĂ€tigt haben. Die erhaltenen Handschriften mit Liedern des Mönchs von Salzburg aus Mondsee und Lambach bezeugen nicht nur das Interesse am geistlichen Liedschaffen dieses berĂŒhmten Meisters, sondern auch die Möglichkeit der Verwendung einiger Lieder in besonderen Gottesdiensten.

Orgelspiel
Das Orgelspiel wurde im Lauf der Zeit entsprechend der Entwicklung dieses Instrumentes im Gottesdienst eingesetzt, wobei durch die Melker Reform (ab 1418) der Gebrauch der Orgel in den Gottesdiensten genau geregelt wurde. Der Bau einer Orgel in Wilhering (1354/55) gilt als frĂŒhester Nachweis fĂŒr dieses Instrument in Oberösterreich. Den etwas spĂ€teren ErwĂ€hnungen von Orgeln in KremsmĂŒnster, Mondsee und Garsten (1418) sowie in Reichersberg und Spital (um 1430) könnten schon frĂŒhere Orgeln vorausgegangen sein. Aus dem spĂ€ten Mittelalter sind in Klöstern zudem durchwegs wandernde Orgelbauer belegt.
Auch Orgelunterricht war ĂŒblich: In Gleink wurden 1475 zwei Chorherren aus St. Florian im Orgelspiel unterwiesen, 1502 bekam der Waldhausner Chorherr Andreas Orgelunterricht im Stift Lambach. Zu erwĂ€hnen sind auch die Orgelkompositionen in Mondseer Handschriften.

Orgeln in Pfarrkirchen

Aus der sehr unvollstÀndigen Reihe von Orgeln in Pfarrkirchen wird der Gebrauch dieses Instruments bereits im 14. Jahrhundert erwÀhnt.

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Aus der sehr unvollstÀndigen Reihe von Orgeln in Pfarrkirchen wird der Gebrauch dieses Instruments bereits im 14. Jahrhundert erwÀhnt.
Als frĂŒhester Belegeg wird der Gebrauch dieses Instruments in den Stadtpfarrkirchen Linz (1380) und Steyr (1398) genannt; hierbei fehlen aber sicherlich frĂŒhrere Daten.

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Musikpflege in den Pfarrkirchen
BezĂŒglich des Kirchengesanges in den Dorfkirchen darf man vermuten, dass anfĂ€nglich der Brauch des Psalmengesanges, wie ihn die Vita Severini darstellt, weiterhin ĂŒblich war. Es ist zudem an gesungene Akklamationen, Litaneien und Leisen zu denken. Eine Synode unter dem hl. Bonifatius verbot 745 in den Kirchen weltliche Lieder zu singen. Die Statuta Salisburgensia von 799 ordneten schließlich an, dass das Volk mit Ehrfurcht und Frömmigkeit, mit feierlichem Gesang, mit Litaneien in der Prozession gehen und statt ihrer Lieder das Kyrieeleison singen solle.

In den gewöhnlichen Gottesdiensten beteiligten sich die GlĂ€ubigen mit volkssprachlichen geistlichen Liedern, wie es Gerhoh von Reichersberg (1092/93–1169) beschreibt. Diese Lieder entsprachen weitgehend dem im 12. Jahrhundert aufgezeichneten Lied Christ ist erstanden, das als Abschluss liturgischer Osterspiele von den GlĂ€ubigen gesungen wurde. Anspruchsvollere liturgische Musik konnte dagegen nur der Schulmeister mit seinen SchĂŒlern ausfĂŒhren.

Pfarrschulen
Zur Errichtung von Pfarrschulen kam es erst im Zug der vielen PfarrgrĂŒndungen in MĂ€rkten und StĂ€dten ab dem 13. Jahrhundert. Ihre Aufgabe war neben der Vermittlung der Grundbegriffe des Lesens und Schreibens die religiöse Unterweisung sowie die liturgische und musikalische Bildung zum Mitwirken an feierlichen Gottesdiensten. Als Lehrer waren meist KaplĂ€ne, Benefiziaten oder auch Laien tĂ€tig, die Dom- oder Klosterschulen absolviert hatten.

Weltliche Musikpflege
Grafen und Grundherren, unter deren Burg sich eine Stadt ausbreiten konnte, brachten ihre politische Bedeutung und Machtstellung durch eine entsprechende Ausgestaltung ihrer Residenz, durch den Kontakt zu fahrenden SĂ€ngern – einige ihrer Ministerialen und DienstmĂ€nner traten auch als SĂ€nger in Erscheinung – und durch eine reprĂ€sentative Umrahmung ihrer politischen Amtshandlungen, persönlichen Feste und gesellschaftlicher Ereignisse zum Ausdruck. Als Patrone der Kirchen sorgten sie entsprechend ihrem BedĂŒrfnis nach ReprĂ€sentation fĂŒr einen großzĂŒgigen Kirchenbau, den Unterhalt eines Priesters, die Stiftung von Gottesdiensten und deren feierliche Gestaltung.
Im Rahmen ihrer ReprĂ€sentationsaktivitĂ€ten und Hofhaltungen traten fahrende SĂ€nger auf und trugen Lieder und epische Dichtungen vor. So darf man etwa annehmen, dass den Gerichtstag des bayerischen Herzogs Heinrich des Löwen im Jahr 1176 in Enns auch SĂ€nger und Spielleute besuchten. Mit RĂŒcksicht auf die politische Bedeutung der Otakare in Steyr dĂŒrften auch auf diesem Herzogshof Ă€hnlich wie bei den Babenbergern SĂ€nger zu den unterschiedlichsten AnlĂ€ssen aufgetreten sein, umso mehr, als die Styraburg ab 1192 in der Hand der Babenberger war. Zwei im 13. Jahrhundert entstandene mittelhochdeutsche epische Dichtungen Biterolf und Dietleib und König Laurin erwĂ€hnen die Styraburg, was deren herausragende Bedeutung und hohe WertschĂ€tzung in Kreisen der Dichter beweist und darĂŒber hinaus diese zu einem der Heldensage wĂŒrdigen Ort macht.

„Stirce ein burc“

Biterolf und Dietleib ist als großes Epos um die Mitte des 13. Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Steiermark entstanden, und zwar im Umland von Steyr und im oberen Ennstal. Dietleib wird damit zum Vertreter seines neuen Heimatlandes und daher stĂ€ndig mit dem Beinamen „von Stire“, „von Stirmarke“ oder nur „der Stiraere“ genannt.

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Biterolf und Dietleib ist als großes Epos um die Mitte des 13. Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Steiermark entstanden, und zwar im Umland von Steyr und im oberen Ennstal. Dietleib wird damit zum Vertreter seines neuen Heimatlandes und daher stĂ€ndig mit dem Beinamen „von Stire“, „von Stirmarke“ oder nur „der Stiraere“ genannt.
Im gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstandenen König Laurin wird „stire ein burc“ in Zusammenhang mit der RĂŒckkehr der entfĂŒhrten Schwester Dietleibs nach Steiermark erwĂ€hnt. Die aus lokalpatriotischer Gesinnung erfolgte Zuschreibung dieser Werke an Heinrich von Ofterdingen, der in enger freundschaftlicher Beziehung zu den Otakaren gesehen wurde, ist heute widerlegt und hinterließ den legendĂ€ren „Heini von Steyr“ als rĂ€tselhafte und unhistorische Gestalt, die man eher in Ofterdingen im Landkreis TĂŒbingen lokalisieren kann.

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Kaiserlicher Hof in Linz
Höhepunkte des höfischen Musiklebens waren die kurzzeitigen Hofhaltungen zweier LandesfĂŒrsten in Linz. Herzog Albrecht VI. weilte von 1458 bis 1463 mit seinem Hofstaat auf dem Linzer Schloss. Nach seinem Tod hielt sich sein Bruder Kaiser Friedrich III. zunĂ€chst nur gelegentlich hier auf, von 1484 bis zu seinem Tod 1493 residierte er stĂ€ndig in Linz. Das veranlasste auch KĂŒnstler, sich in deren Umgebung niederzulassen; vielleicht auch den Orgelbauer Hans Lar(er), der 1485 in Linz genannt ist. Das Schloss wurde ausgebaut, auf einem Turm wurde ein Hornwerk errichtet. Innerhalb des Hofzeremoniells kam die Hofkapelle, ĂŒber die nur sehr wenig bekannt ist, zum Einsatz, so etwa beim Linzer Turnier, das vom Kaiser und seinem Sohn Maximilian zu Ehren des ungarischen Königs zwischen 31. Oktober 1489 und 17. JĂ€nner 1490 veranstaltet wurde und viele Adelige anzog. Auch die musikalische AusfĂŒhrung der Exequien nach dem Tod des Kaisers – es wurden ungefĂ€hr 1000 Messen gefeiert – war Sache der Hofkapelle.

Dichter in Oberösterreich

Mehrere bekannte Dichter sind im Gebiet des heutigen Oberösterreich nachzuweisen, was insoferne fĂŒr die Musikgeschichte Bedeutung hat, da Dichtung ja gesungen vorgetragen wurde.

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Mehrere bekannte Dichter sind im Gebiet des heutigen Oberösterreich nachzuweisen, was insoferne fĂŒr die Musikgeschichte Bedeutung hat, da Dichtung ja gesungen vorgetragen wurde.
So hat vielleicht Walther von der Vogelweide, der sich bei Bischof Wolfger von Passau und am Hof der Babenberger in Wien aufgehalten hat, auch bedeutende Adelssitze in Oberösterreich besucht. In Passau und im oberösterreichischen Donauraum vermutet man auch die Entstehung des Nibelungenliedes. In dessen stilistischer NĂ€he wird der KĂŒrenberger (2. HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts) gesehen. Wie dieser ist aber auch Dietmar von Aist nicht nur auf dem Boden Oberösterreichs zu suchen.
Weiters ist der Ministeriale Meinhard Tröstel von Zierberg zu nennen, der seit 1240 bis vor 1254 als „scriba ducis in Anaso“ nachweisbar und um 1240 Mitglied der SĂ€ngerrunde am Babenbergerhof Herzog Friedrichs II. von Österreich war.
Werner der Gartenaere (Meier Helmbrecht), in der 2. HÀlfte des 13. Jahrhunderts tÀtig, wird auf Grund der Sprache und der im Meier Helmbrecht der genannten Orte (Burghausen, Wanghausen) im bayerisch-österreichischen Grenzraum lokalisiert.
Neidhart von Reuenthal hat gemeinsam mit dem Salzburger Erzbischof Eberhard die Steiermark besucht und diese mit einem Spottlied („Marke, du versinc!“) bedacht. Um 1240 besingt er in einem seiner Winterlieder ein Schwert namens „fidelboge“ und rĂŒhmt die hervorragende QualitĂ€t der in Waidhofen an der Ybbs produzierten Schwertklingen.

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StÀdte und MÀrkte
Im Laufe des Hoch- und SpĂ€tmittelalters wurden Siedlungen auf Grund eines grĂ¶ĂŸeren Einzugsgebietes zu Handelszentren und rechtlich gesicherten MĂ€rkten und StĂ€dten, die Lage an Verkehrswegen förderte ihre Entwicklung. Die Ausbildung und die Entfaltung des Kulturpotentials einer stĂ€dtischen Siedlung setzte nicht erst mit der Verleihung des Stadtrechtes ein, sondern ging vom SelbstwertgefĂŒhl und dem damit verbundenen ReprĂ€sentationsbedĂŒrfnis ihrer Bewohner aus. Das Recht Wochen- und JahrmĂ€rkte abhalten zu dĂŒrfen hatte grĂ¶ĂŸeren Absatz ihrer GĂŒter und damit mehr Mittel fĂŒr kulturelles Schaffen zur Folge, das Zusammentreffen mit von weither anreisenden Kaufleuten ermöglichte den Kontakt zu florierenden HandelsstĂ€dten und den damit verbundenen Kulturaustausch. Das BildungsbedĂŒrfnis, angeregt durch die stĂ€ndig wachsenden und weitrĂ€umigen Handelsbeziehungen, strebte nach dem Ausbau des Lehrprogramms der lateinischen Pfarrschulen bzw. nach der Errichtung von stĂ€dtischen Schulen.

FĂŒr das Musikleben war dieser Boden sehr fruchtbar. Die BĂŒrgerschaft feierte Feste, bei denen von weit angereiste fahrende SĂ€nger, Musikanten und Gaukler wie auch bodenstĂ€ndige Spielleute auftraten. Neben den in den Adelsresidenzen auftretenden SĂ€ngern beteiligten sich auch manche Talente aus der Bevölkerung, deren kĂŒnstlerische Leistungen den gehobenen kulturellen BedĂŒrfnissen der BĂŒrger entsprachen. Einfache Elemente der Volkskultur wurden weiterentwickelt und in das Festzeremoniell des Stadtadels und BĂŒrgertums eingebunden. Ein Fresko (um 1500) auf einem BĂŒrgerhaus in Wels bezeugt etwa den Tanz bĂ€uerlicher Paare.

Musik des „einfachen Volkes“

Das „einfache Volk“ hatte im Lauf eines Jahres ebenfalls eine Reihe von AnlĂ€ssen, bei denen Gesang, Musik und Tanz nicht fehlen durften.

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Das „einfache Volk“ hatte im Lauf eines Jahres ebenfalls eine Reihe von AnlĂ€ssen, bei denen Gesang, Musik und Tanz nicht fehlen durften.
So berichtet bereits im FrĂŒhmittelalter Venantius Fortunatus (~ 540-600), der 565 durch die Ostalpen zum Hof der Merowinger unterwegs war, dass die Bajuwaren zur brummenden Harfe barbarische Lieder sangen. Damit dĂŒrfte er als Dichter liturgischer Hymnen temperamentvolle und eher ausgelassene Lieder zur Unterhaltungen oder auch rhythmusbetonte Lieder zum Tanz gemeint zu haben. Über weitere damals verwendete Musikinstrumente gibt es keine konkreten Anhaltspunkte. Bilddarstellungen mit Musik- und Tanzszenen sind uns aus dieser Zeit ebenfalls nicht ĂŒberliefert.

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Das SchĂŒtzenwesen hatte fĂŒr Sicherheit und Verteidigung der Stadt zu sorgen. Im Lauf des 15. Jahrhunderts wurde die Errichtung von SchießstĂ€tten durch die Stadtobrigkeit und die GrĂŒndung einer aus BĂŒrgern bestehenen Vereinigung der „SchĂŒtzenmeister und Schießgesellen“ genannt. Die Übungen im Schießen wurden oft mit Wettbewerben kombiniert. Solche SchĂŒtzenfeste wurden zu beliebten Festen, bei denen Unterhaltung, Musik und Tanz nicht fehlen durften. Spielleute unterschiedlichster Art (und Niveaus) traten auf und unterhielten Teilnehmer wie Publikum.

StĂ€dte, MĂ€rkte, Burgen und Klöster hatten auf einem Turm auch einen Wachdienst, der Feuerausbruch oder sonstige bedrohliche Erscheinungen durch Hornsignale melden musste. Signale zu geben wurde die musikalische Verpflichtung der TĂŒrmer oder Stadtpfeifer. Daneben kamen die TĂŒrmer aber auch immer dort zum Einsatz, wo in der Stadt Instrumentalmusik gebraucht wurde, etwa in der Kirche. Die Nennung des Wenzel Reickher als SchĂ€rdinger TĂŒrmermeister im Jahr 1393 gilt derzeit als der frĂŒheste Nachweis dieses Amtes. Bedeutung erlangten die TĂŒrmer vor allem in der Zeit der Renaissance.

Glocken und Maultrommeln

Auch die Glocken dĂŒrfen im Bereich der Musik nicht unerwĂ€hnt bleiben. Dem Ă€ltesten genannten Glockengießer namens Glockenton (um 1500) gingen in einem Land der Eisenverarbeitung sicher schon frĂŒhere voraus.

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Auch die Glocken dĂŒrfen im Bereich der Musik nicht unerwĂ€hnt bleiben. Dem Ă€ltesten genannten Glockengießer namens Glockenton (um 1500) gingen in einem Land der Eisenverarbeitung sicher schon frĂŒhere voraus.
Maultrommeln erzeugten die verschiedenen Eisen verarbeitenden Handwerker. In Enns wurde eine Schmiede aus dem SpÀtmittelalter entdeckt, in der man Bestandteile dieses weit verbreiteten Instrumentes fand.

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Volksfrömmigkeit im SpÀtmittelalter
Die BlĂŒte der Volksfrömmigkeit im SpĂ€tmittelalter brachte zahlreiche Stiftungen von Benefizien und Bruderschaften hervor. Dieser quantitativen Bereicherung der Volksliturgie in den Pfarr- und Klosterkirchen der StĂ€dte und MĂ€rkte folgte auch eine aufwĂ€ndige Ausgestaltung der Gottesdienste. Im Lauf des 15. Jahrhunderts wurden in den Pfarrkirchen Messen und Vespern gestiftet, hĂ€ufig auch mit Gesang.

Stiftungen

In einer Stiftung fĂŒr die Stadtpfarrkirche Steyr (1495) wurde der dreistimmige Gesang des Salve Regina an Sonn- und Feiertagen durch Schulmeister und SchĂŒler angeordnet. In der 2. HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts erwĂ€hnt eine Messstiftung fĂŒr die Stadtpfarrkirche SchĂ€rding mehrstimmiges Singen. Auch die zwischen 1489 und 1510 aufgezeichnete detaillierte Ordnung des Festablaufes fĂŒr das Kirchweihfest der Stadtpfarrkirche Enns bezeugt, dass mehrstimmiger Gesang einen festen Platz in der Liturgie dieser Festtage einnahm. Am Kirchweihfest waren (vermutlich) alle 25 in Enns tĂ€tigen Priester beteiligt. Die liturgische Musik lag in den HĂ€nden des Organisten und des Schulmeisters mit den SchĂŒlern („scholasticus cum coro“) und SĂ€ngern („domini cantores“)

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In einer Stiftung fĂŒr die Stadtpfarrkirche Steyr (1495) wurde der dreistimmige Gesang des Salve Regina an Sonn- und Feiertagen durch Schulmeister und SchĂŒler angeordnet. In der 2. HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts erwĂ€hnt eine Messstiftung fĂŒr die Stadtpfarrkirche SchĂ€rding mehrstimmiges Singen. Auch die zwischen 1489 und 1510 aufgezeichnete detaillierte Ordnung des Festablaufes fĂŒr das Kirchweihfest der Stadtpfarrkirche Enns bezeugt, dass mehrstimmiger Gesang einen festen Platz in der Liturgie dieser Festtage einnahm. Am Kirchweihfest waren (vermutlich) alle 25 in Enns tĂ€tigen Priester beteiligt. Die liturgische Musik lag in den HĂ€nden des Organisten und des Schulmeisters mit den SchĂŒlern („scholasticus cum coro“) und SĂ€ngern („domini cantores“).
FĂŒr die Messe und fĂŒr wichtige Teile des Offiziums war mehrstimmige Musik angeordnet. Das Te Deum dĂŒrfte zur GĂ€nze mehrstimmig gesungen worden sein („Te Deum laudamus in figuratis“), im Benedictus (Canticum der Laudes) wechselten der mehrstimmige Chor und die Orgel versweise ab („in figuratis et organo cantatur“). Diese Art der AusfĂŒhrung scheint hier auch fĂŒr das Ave Regina und das Salve Regina ĂŒblich gewesen zu sein.
In der Messfeier wurden dem damaligen Usus entsprechend die OrdinariumssÀtze und das Graduale im versweisen Wechsel zwischen mehrstimmigem Chor und Orgel musiziert. Der Organist hatte auch bei den kleineren Gebetszeiten des Stundengebetes mitzuwirken.

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QualitÀtvolle Musikpflege
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erreichte das mittelalterliche Musikleben seinen Höhepunkt, wobei der Übergang zur Renaissance fließend vonstatten ging. Die Klosterkirchen und viele Pfarrkirchen verfĂŒgten ĂŒber Orgeln und ein gut gebildetes Musikpersonal. In den Klöstern Mondsee, KremsmĂŒnster und Lambach musizierten reich besetzte Kantoreien, deren Niveau die nur sehr geringe Überlieferung von Musikalien bezeugt. Der Tod Kaiser Maximilians I. am 12. JĂ€nner 1519 setzte mit den von der kaiserlichen Hofkapelle in der Stadtpfarrkirche Wels gefeierten Exequien den Schlusspunkt des mittelalterlichen Musiklebens.

Musiker aus Oberösterreich

Einige aus Oberösterreich stammende Musiker wirkten im SpÀtmittelalter in besonderen Positionen.

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Einige aus Oberösterreich stammende Musiker wirkten im SpÀtmittelalter in besonderen Positionen:

Johannes von Gmunden († 1442) war Astronom und hielt ab 1410 an der UniversitĂ€t Wien musiktheoretische Vorlesungen. Ab 1445 war in derselben Position Mag. Johannes de Werdea (Hieronymus von Mondsee) tĂ€tig. Johann von Gmunden wiederum wurde 1498 als Diskantist mit der Verpflichtung „auf brabantisch zu diskantieren“ in die kaiserliche Hofkapelle aufgenommen.

Nikolaus Krombsdorfer († 1479), der aus Kronstorf gebĂŒrtig sein dĂŒrfte, ist 1436 bis 1462 als NicolĂČ Tedesco in Ferrara als SĂ€nger und Organist bezeugt, anschließend bis zu seinem Tod in der Innsbrucker Hofkantorei Herzog Siegmunds von Tirol, wo ihm Paul Hofhaimer nachfolgte.

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