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Musik von ~ 1750–1820 in Oberösterreich – Klassik


Die so genannte „klassische“ Periode von etwa 1750 bis um 1820 ist geprĂ€gt von weit reichenden gesellschaftlichen, politischen und sozialen UmwĂ€lzungen. Der Zerfall der feudalen Ordnung, die Ideenwelt der AufklĂ€rung und ein im Wandel begriffenes SelbstverstĂ€ndnis des KĂŒnstlertums formten neue kulturelle Ideale, die sich unmittelbar im kulturellen Schaffen abbildeten.
In den Mittelpunkt kompositorischer Technik traten motivisch-thematische Arbeit und Variation, zur Grundlage wurde die Sonatenform. Als typische Gattungen gelten Sinfonie und Streichquartett.

Klösterliche Musikpflege
Im Zentrum des musikalischen Geschehens standen nach wie vor die Stifte. Erst die Klosterreformen Kaiser Josephs II. fĂŒhrten ab den Achtzigerjahren zu massiven kulturellen EinbrĂŒchen. Es folgten die Napoleonischen Kriege, die das kĂŒnstlerische Schaffen des gesamten Landes in eine tiefe Krise stĂŒrzten. Ein Aufschwung zeichnete sich erst im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ab. Nun Ă€nderte sich das kulturelle Erscheinungsbild grundlegend und als zentrale TrĂ€gerschicht trat das BĂŒrgertum in Erscheinung.

Stiftstheater
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts befanden sich die Stifte auf dem Höhepunkt ihrer kulturellen Entfaltung. Neben der geistlichen Musikpflege stand vielerorts allerdings ein gleichberechtigter weltlicher Bereich. Besondere Bedeutung besaßen nach wie vor die BĂŒhnenspiele. Neben Opern und Oratorien standen musikalisch durchsetzte Schuldramen barocker Manier. Als berĂŒhmter Vertreter der BĂŒhnentradition galt der im Stift KremsmĂŒnster wirkende Geistliche Franz Sparry (1715–1767). Er schrieb Sing-, Schauspiele und Oratorien, schuf aber auch Lieder, Arien und Instrumentalwerke. Ebenfalls mehrere Kompositionen fĂŒr die StiftsbĂŒhne verfasste der aus Garsten stammende und in KremsmĂŒnster als Organist beschĂ€ftigte Ignaz Albert Dansky (1717–1797). Wie Sparry vertonte er zahlreiche Libretti des Mitbruders Johann Nepomuk Weylgoune (1708–1760). Zu den schillernden Persönlichkeiten des Stiftes KremsmĂŒnster zĂ€hlte Placidus Fixlmillner (1721–1791). Der Neffe von Abt Alexander Fixlmillner (reg. 1731–1759) studierte in Salzburg Theologie, Philosophie, Sprachen und Geschichte. Parallel dazu nahm er Kompositions- und Orgelunterricht bei Johann Ernst Eberlin (1702–1762). In Fixlmillners Nachlass finden sich theologische, kirchenrechtliche, philosophische und pĂ€dagogische Schriften, internationale Reputation erwarb er sich aber mit seinen Publikationen auf dem Gebiet der Astronomie. Neben zahlreichen Kirchenmusikwerken lieferte auch er mehrere BeitrĂ€ge fĂŒr die BĂŒhne.

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts öffneten sich die StiftsbĂŒhnen der italienischen Oper und dem deutschen Singspiel. Auf dem Programm standen Kompositionen von Niccolo Jommelli (1714–1774), Giovanni Paisiello (1740–1816), Antonio Salieri (1750–1825) oder Georg Christoph Wagenseil (1715–1777).

VolkstĂŒmliche Elemente
Mit dem Gedankengut der AufklĂ€rung rĂŒckten auch Brauchtum, volkstĂŒmliche Lied- und Tanzelemente in das Licht musikalischer Reflexion. In zunehmendem Maße widmeten sich die Klosterkomponisten der Vertonung deutscher Textvorlagen, steigender Beliebtheit erfreuten sich auch Dialektvertonungen. Eine zentrale Rolle spielte der im Stift Lambach wirkende Benediktinerpater Maurus Lindemayr (1723–1783), der sich in seinem dichterischen Schaffen intensiv mit der deutschen Sprache auseinandersetzte. Lindemayr stand in persönlichem Kontakt mit dem Florianer Chorherrn Franz Joseph Aumann (1728–1797), der eine Vielzahl seiner Lied- und Singspieltexte in Musik setzte.

Aumann stammte aus Traismauer. Nach seiner TĂ€tigkeit als SĂ€ngerknabe studierte er in Wien, wo er die Bekanntschaft von Johann Georg Albrechtsberger (1736–1809) und Johann Michael Haydn (1737–1806) machte, zu beiden pflegte er zeitlebens Kontakt. Im Jahr 1753 trat er in das Stift St. Florian ein und wurde bereits 1755 zum Regens chori berufen. KompositionsauftrĂ€ge und Verbreitungsgrad seiner Werke wiesen ihn bereits zu Lebzeiten als geschĂ€tzten Komponisten aus. Er hinterließ ein breites Oeuvre an geistlichen und weltlichen Kompositionen. Dem mundartlichen Singspiel widmeten sich auch die Klosterkomponisten Joseph Langthaler (1722–1790) oder Johann Wittmann (1757–1847).

Einen zentralen Stellenwert besaß die Liedpflege. Neben Aumann trat vor allem der in KremsmĂŒnster tĂ€tige Ernest Frauenberger (1769–1840) in den Vordergrund. Sein Liedschaffen stand bereits im Zeichen des aufstrebenden Kunstliedes. Im Bereich der Instrumentalmusik erfreuten sich Streicherkammermusik, Harmoniemusik und Sinfonien großer Beliebtheit.

Musikarchive in den Stiften
In den Klosterarchiven Oberösterreichs finden sich die Werke aller bedeutenden Komponisten der Zeit. Einen betrĂ€chtlichen Anteil des Bestandes nehmen stiftseigene Komponisten ein, etwa Franz Joseph Aumann, Friedrich Kramel (1727–1782), Stanislaus Reidinger (1734–1794), Friedrich Bayer (1773–1840), Georg Pasterwiz (auch: Pasterwitz) (1730–1803) oder Johann Adam Scheibl (1710–1773). Letzterer stammte aus Spital am Pyhrn und diente im dortigen Stift als SĂ€ngerknabe. Nach einer Anstellung als Organist im Stift Seitenstetten ĂŒbernahm er den Posten eines Organisten und Regens chori im Chorherrenstift St. Pölten.

Profane Musikpflege
In den StÀdten und Dörfern erfuhr die Musikpflege einen wesentlichen Impuls durch die Schulreformen Kaiserin Maria Theresias. Im Zug der Allgemeinen Schulordnung kam es zu einer Aufwertung der Stellung des Lehrers, die als Organisten, Chorleiter und MusikpÀdagogen die örtliche Kultur entscheidend belebten. Von ihnen gingen entscheidende Impulse aus.

Komponisten aus Lehrerfamilien

Aus einer Lehrerfamilie stammten etwa der als Musiktheoretiker geschÀtzte Josef Riepel oder Johann Georg Roser von Reiter, der mit der Familie Mozart in Kontakt stand.

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Aus einer Lehrerfamilie stammte etwa der als Musiktheoretiker geschĂ€tzte Josef Riepel (1708–1782) aus Hörschlag. Ausgebildet in den Jesuitenseminaren von Linz und Steyr, ĂŒbernahm er nach mehreren Wanderjahren eine Stelle als Musiker im Thurn- und Taxis'schen Hof in Regensburg.

Ebenfalls Sohn eines Lehrers war der in Naarn im Machland geborene Johann Georg Roser von Reiter (1740–1797). Er stand mit der Familie Mozart in Verbindung und wirkte spĂ€ter als Linzer Dom- und Stadtpfarrorganist.

Der aus Schwanenstadt stammende Lehrersohn Franz Xaver SĂŒĂŸmayer (1766–1803) pflegte ebenfalls Kontakt mit Wolfgang Amadeus Mozart. SĂŒĂŸmayr besuchte das Gymnasium in KremsmĂŒnster und begab sich auf Empfehlung von Georg Pasterwiz 1786 nach Wien, wo er SchĂŒler von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1792) und Antonio Salieri (1750–1825) war. 1792 wurde er als Kapellmeister an das KĂ€rntnertortheater verpflichtet.

Dem Bekanntenkreis Mozarts ist auch der geborene Linzer Franz Aspelmayr (1728–1786) zuzurechnen. Er wirkte als Ballettkomponist am Deutschen Theater in Wien, war Mitglied der kaiserlichen Hofmusikkapelle und zĂ€hlte mit seinen Instrumentalkompositionen zu den fĂŒhrenden ReprĂ€sentanten der Wiener Klassik.

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MilitÀrmusikkapellen
SpĂ€testens seit den Franzosenkriegen fanden in den StĂ€dten regelmĂ€ĂŸig Darbietungen der MilitĂ€rmusikkapellen statt. In den GarnisonsstĂ€dten Linz, Wels und Enns lagen Regimenter mit bedeutenden Ensembles, die Vorbild fĂŒr die vielerorts gegrĂŒndeten Musikformationen der BĂŒrgergarden waren. Gerade im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Blasmusikwesen in Oberösterreich entschieden weiter.

Linzer Musikleben
Das Musikleben in Linz nahm in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts einen bedeutenden Aufschwung. FĂŒrst Carl Auersperg unterhielt ein eigenes Musikensemble, Graf Rottenhann veranstaltete öffentliche Konzerte und Graf Rosenberg unterhielt ein privates Haustheater. Auch auf den Landsitzen wurde musiziert, etwa auf den Schlössern in Ebelsberg, Schwertberg oder am FĂŒrstlich Starhembergischen Schloss in Eferding.

Im Jahr 1766 grĂŒndeten Baron Stiebar und Christoph Wilhelm Graf ThĂŒrheim in Linz die Adelige TheatersozietĂ€t, die bis 1780 bestand. Auf dem Programm fanden sich Zauber- und Feenspiele, Maschinenkomödien und Singspiele. Nach ihnen bemĂŒhten sich Emanuel Schikaneder (1748–1812), Friedrich Heinrich Bulla und Johann Baptist Lasser (1751–1805) um den Aufbau eines geregelten Spielbetriebes. Auf dem Programm standen Werke von AndrĂ© Modeste GrĂ©try, Georg Anton Benda, Ignaz Umlauff oder Giovanni Paisiello. Die Theaterunternehmungen in Linz stellten das Vorbild fĂŒr die GrĂŒndung von SpielstĂ€dten in Steyr, Ried, Grein, Bad Ischl, Bad Hall und Braunau dar.

Franz Xaver Glöggl und Johann Baptist Schiedermayr

Franz Xaver Glöggl war am Theater tÀtig und wirkte als Domkapellmeister in Linz. Einer seiner Nachfolger war Johann Baptist Schiedermayr.

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Franz Xaver Glöggl war am Theater tÀtig und wirkte als Domkapellmeister in Linz. Einer seiner Nachfolger war Johann Baptist Schiedermayr.

Unter der FĂŒhrung von Franz Xaver Glöggl (1734–1839) begann der kĂŒnstlerische Aufstieg des Linzer Theaters. Glöggl zĂ€hlte zu den fĂŒhrenden Musikerpersönlichkeiten des Landes. Nach einer vielseitigen musikalischen Ausbildung ĂŒbernahm er 1782 die Leitung des Theaterorchesters und grĂŒndete eine Kunst- und Musikalienhandlung. 1790 wurde er (der letzte) TĂŒrmermeister von Linz, gleichzeitig fĂŒhrte er neben dem Linzer Theater auch die BĂŒhnen von Salzburg und Passau. 1797 legte er den Großteil seiner Funktionen nieder und wurde Domkapellmeister in Linz.
1799 grĂŒndete er eine Musikschule, die allerdings nur kurze Zeit bestand. Mit seinen Initiativen zur GrĂŒndung der Linzer Gesellschaft der Musikfreunde im Jahr 1821 stellte er wichtige Weichen fĂŒr die Etablierung der bĂŒrgerlichen Musikkultur. Die Herausgabe theoretischer Werke und eine Musikalische Zeitung belegen seine Interessen als Musikschriftsteller.

Einer seiner Nachfolger war der in MĂŒnster bei Straubing geborene Johann Baptist Schiedermayr (1779–1840). Seit 1796 als Organist in St. Nikola bei Passau tĂ€tig, ĂŒbersiedelte er nach der Auflösung des Stiftes nach SchĂ€rding und schließlich 1804 nach Linz, wo er zum Substituten und im Jahr 1810 zum Nachfolger von Franz Xaver Glöggl an die Dom- und Stadtpfarre berufen wurde. 1821 ĂŒbernahm er die kĂŒnstlerische Leitung der Gesellschaft der Musikfreunde und der angeschlossenen Musikschule. Von 1824 bis 1839 war er – mit kurzer Unterbrechung – als Theaterkapellmeister tĂ€tig.

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Musikalische GĂ€ste
Von den zahlreichen Musikerpersönlichkeiten die Oberösterreich besuchen, sind besonders Joseph Haydn (1732–1809), Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) und Ludwig van Beethoven (1770–1827) zu erwĂ€hnen.
Joseph Haydn reiste 1790 und 1794 auf seinem Weg nach London durch Oberösterreich, Verbindungen bestanden zu den Linien einiger AdelshÀuser und vor allem zu Franz Xaver Glöggl.
Mozart durchreiste Oberösterreich erstmals 1762 und 1767. 1762, 1767, 1773 und 1783 sind Aufenthalte im Stift Lambach, 1783 in Linz belegt, in diesem Jahr wurde auch die Graf Johann Joseph Anton von Thun gewidmete Linzer Symphonie aufgefĂŒhrt. 1785 und 1790 weilte Mozart ein weiteres Mal im Land.

Die engste Verbindung zu Oberösterreich unterhielt Ludwig van Beethoven. Im September 1812 war er lĂ€ngere Zeit zu Gast in Linz, um seinen hier lebenden Bruder Johann zu besuchen, der die „Wasserapotheke“ fĂŒhrte, die heute allerdings nicht mehr besteht. WĂ€hrend dieses Aufenthalts vollendete Betthoven seine 8. Symphonie.

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