Forum OÖ Geschichte

Musik von ~ 1600–1750 in Oberösterreich – Barock


Monodie
Die große Neuerung in der Musik des 17. Jahrhunderts war die Monodie: der mit Generalbass begleitete Gesang, der - klassisch-antiken Anschauungen folgend - dramatische Effekte ermöglichte und so unter anderem die Grundlagen fĂŒr Oper und Oratorium bildete. In Italien entwickelt und zum ersten Höhepunkt gefĂŒhrt, kamen die neuen Formen auch nördlich der Alpen bald in Mode. Am Wiener Kaiserhof, der eine der fĂŒhrenden Musikkapellen Europas unterhielt, beschĂ€ftigte man italienische Komponisten, welche die neuen Formen bereits zur Vollendung gebracht hatten. Da der Klerus mit dem Kaiserhof in enger Verbindung stand und deshalb auch ein reger Musiker- und Repertoireaustausch gepflegt wurde, erklangen die neuen Kompositionen bald in den großen Stiften, allen voran in KremsmĂŒnster. Aber auch die Jesuiten, die mĂ€chtigen TrĂ€ger der Gegenreformation, bedienten sich der neuen musikalischen Formen und schufen mit ihren ordenseigenen musikalischen Dramen eine Gattung, die lange bestehen sollte und das kulturelle Bild in den großen landesfĂŒrstlichen StĂ€dten Oberösterreichs nachhaltig beeinflusste.

Der nachweisbar erste Komponist in Oberösterreich, der generalbassbegleitete Vokalwerke verfasste, war der Garstener Organist und Regens chori Sebastian Ertl (~ 1555–1618). Seine Werke, die in mehreren in MĂŒnchen gedruckten BĂ€nden erhaltenen sind, stehen in der Tradition eines Andrea und Giovanni Gabrieli.

Musikpflege im Stift KremsmĂŒnster
Über die AnfĂ€nge barocken Musizierens ist man aus dem Stift KremsmĂŒnster am besten unterrichtet, da hier, im Vergleich zu allen anderen Klöstern, auch Repertoire aus dem frĂŒhen 17. Jahrhundert erhalten ist. An erster Stelle sei in diesem Zusammenhang Benedikt Lechler (1594–1659) genannt, der ab 1628 die Leitung der Stiftsmusik innehatte und auch als Komponist in Erscheinung trat. Er beschaffte eine Reihe an neu erschienenen Notenmaterialien und kopierte selbst Werke, die er als auffĂŒhrenswert erachtete. In den Jahren 1632 und 1633 weilte er in Rom, von wo er ebenso Musikalien mit nach KremsmĂŒnster nahm. Unter diesen befanden sich etwa Psalmkollektionen von Alessandro Grandi oder Stefano Bernardi. Lechlers Verbindungen reichten weit ĂŒber KremsmĂŒnster und Oberösterreich hinaus. So hatte er ebenso Kontakte nach Wien, Graz, Salzburg und MĂŒnchen als auch nach Mailand, Padua, Venedig und natĂŒrlich nach Rom. Enge Beziehungen unterhielt er zum Komponisten Johann Stadlmayr († 1648), der wiederum einen Band Musica super cantum gregorianum Abt Anton Wolfradt von KremsmĂŒnster widmete (1625).

Unter Lechlers Nachfolgern als Chorregenten, Oddo Wengermayr (1622–1703) und MatthĂ€us Eisnetzhammer (1614–1686), kamen Kompositionen allerneuester Mode ins Stift, darunter GrĂ¶ĂŸen wie Felice Sances (~ 1600-1679), Antonio Bertali (1605-1669) oder Johann Heinrich Schmelzer (~ 1620-1680). Viele dieser Werke haben sich bis heute als Unikate in KremsmĂŒnster erhalten. Doch auch im Stift selbst wirkten immer wieder Komponisten, die sich vom Durchschnitt abhoben. Nach Lechler wĂ€re vor allem der Stiftsorganist Wolf Stephan Hieber (~ 1675–1733) zu nennen.

Musikpflege im Stift Lambach
Stift Lambach, das mit KremsmĂŒnster enge Beziehungen unterhielt, verfĂŒgte ebenso ĂŒber profunde Komponisten, von denen zumindest einige nicht unerwĂ€hnt bleiben sollen. So wirkte dort unter anderem einer der ersten Lehrer Johann Beers, Benjamin Ludwig Ramhaufski (1631–1694), als Organist und Komponist. Er schrieb zwei Schuldramen fĂŒr die Salzburger UniversitĂ€t, die jedoch als verloren gelten; dem Abt von KremsmĂŒnster – Ehrenbert Schreyvogel – widmete Ramhaufski 1670 eine groß angelegte Messe, die sich im Stift erhalten hat und die Ă€hnlichen Werken von Giovanni Felice Sances und Johann Heinrich Schmelzer um nichts nachsteht.
Am bedeutendsten war aber wohl Romanus Weichlein (1652–1706), ein gebĂŒrtiger Linzer, der im Stift zum Priester geweiht wurde und spĂ€ter als Stiftsorganist und Bibliothekar wirkte. Neben kirchenmusikalischen Werken stammt auch die Sonatensammlung Encaenia musices aus seiner Feder. Die zwölf, fĂŒr vierstimmigen Streichersatz und Generalbass konzipierten Werke, die gelegentlich um zwei Trompeten erweitert werden, waren unzweifelhaft von Ă€hnlichen Schöpfungen des Salzburger Hofkapellmeisters Heinrich Ignaz Franz Biber inspiriert worden.

Auch in Balthasar Hochreither (~ 1668–1731) verfĂŒgte man in Lambach ĂŒber einen ausgezeichneten Organisten und Komponisten. Nach dessen Dienstzeit im Stift wurde er 1721 einer der Organisten am Salzburger Dom. Seine Werke sind vor allem durch Mehrchörigkeit und reiche Instrumentalbesetzung geprĂ€gt.

Musikpflege der Jesuiten
Der Glanz barocker Musik konnte sich aber nicht nur in den großen Stiften entfalten, sondern auch in den StĂ€dten. Hier waren es vor allem die Jesuiten, die das kulturelle Leben prĂ€gten. Eine erste Niederlassung des Ordens in Oberösterreich wurde 1600 in Linz gegrĂŒndet, der zwei Jahre spĂ€ter ein Gymnasium angeschlossen wurde. Steyr folgte 1630. FĂŒr die Jesuiten war Musik ein nĂŒtzliches Instrument zur geistlichen Erziehung. Neben den gĂ€ngigen musikalischen Erscheinungsformen (Kirchen- und Tafelmusik) etablierte sich das Ordensdrama, das ursprĂŒnglich einmal jĂ€hrlich zu PrĂ€mienverleihungen abgehalten wurde. Der musikalische Anteil dieser Schauspiele war sehr hoch und enthielt Chöre, Einleitungs- und Zwischenaktmusiken. Die Libretti waren moralisch-religiösen bzw. didaktisch-pĂ€dagogischen Inhalts und wurden meist von Mitgliedern des Ordens, von Lehrern oder begabten Zöglingen verfasst.

Ein Blick in den Spielplan der Linzer Jesuiten gibt Auskunft ĂŒber die QualitĂ€t der dort gebotenen Dramen: Ferdinand Tobias Richter (1649–1711), Wiener Hoforganist und Lehrer Kaiser Leopolds I., schrieb die Musik zu Fidelis amor und Poenitens Coronatus (1690) sowie zu Altera Bethlehem (1684), der Jesuit Bernhard Staud (Staudt) (1654-1712), ein bekannter Wiener Kapellmeister, zu Victricis innocentiae (1698) und der St. Florianer Stiftsorganist Melchior KĂ€mpfl (~1670-1727) zu Bacqueville Normandiae Comes (1714).

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens in Österreich (1773) hielten sich dessen Traditionen im Volk. So dĂŒrfte das bis heute gepflegte Antlass-Singen in Traunkirchen auf die Jesuiten zurĂŒckzufĂŒhren sein.

Erste OpernauffĂŒhrung
Im 17. und 18. Jahrhundert weilte der Kaiserhof immer wieder in Oberösterreich. Zu diesen AnlĂ€ssen wurden FestivitĂ€ten begangen, in deren Rahmen zahlreiche musikalische Werke vorgetragen wurden. AuffĂŒhrungen von kleineren dramatischen Werken, die in Linz und Steyr dargebracht wurden, waren selbstverstĂ€ndlich. So fĂ€llt auch die erste OpernauffĂŒhrung in Linz bzw. Oberösterreich in diese Zeit: Als Kaiser Leopold I. mit seiner Gemahlin Eleonora Magdalena Theresia 1677 in Linz weilte, gelangte ihnen zu Ehren Antonio Draghis (1635–1700) Hercole acquistatore dell’immortalitĂĄ zur AuffĂŒhrung. Dramatische Werke Draghis erklagen in den folgenden Jahren vielfach in Linz, so L’ ingegno a sorte (1680), La forza dell’ amicicia (1681 und 1694), Gl’ elogii, Tullio Hostilio und ein Intermedio (1684).

Nach einer lĂ€ngeren Pause, in der nichts ĂŒber AuffĂŒhrungen musikdramatischer Werke bekannt ist, wurde in Linz erst wieder 1732 eine grĂ¶ĂŸere Oper aufgefĂŒhrt. Die Erbhuldigung der StĂ€nde bot Anlass, nun in Anwesenheit Kaiser Karls VI. Antonio Caldaras Asilo d’amore zum Mittelpunkt Ă€ußerst prachtvoller Festveranstaltungen werden zu lassen. Die PrĂ€senz des Monarchen, der zu Zwecken der Jagd auch das Salzkammergut und Wartenburg bei Vöcklabruck besuchte, wurde dort mit musikalischen AuffĂŒhrungen umrahmt. In Gmunden ist etwa die Produktion einer Messe von Johann Joseph Fux belegt, in Wartenburg die einer Pastorale von Georg Reutter dem JĂŒngeren.

Verbindungen zum Kaiserhof
Aber auch in den Klöstern und Stiften prĂ€gte die enge Verbindung zum Wiener Kaiserhof das Musikleben, wie erhaltene Repertoarien bzw. musikalische BestĂ€nde eindrucksvoll belegen. Zu den in dieser Zeit am meisten vertretenen Komponisten zĂ€hlen wohl Johann Joseph Fux (1660–1741) und Antonio Caldara (1670–1736), Kapellmeister und Vizekapellmeister von Kaiser Karl VI. in Wien. Ihre Werke finden sich vor allem in den BestĂ€nden von KremsmĂŒnster, wo viele davon als Unikate vorhanden sind. Gerade Fux, der durch seine Schrift Gradus ad Parnassum auch als Musiktheoretiker eine internationale KapazitĂ€t war, prĂ€gte den musikalischen Stil der Zeit wie kein anderer, der in weiterer Folge vielfach von den Klosterkomponisten, die ein wichtiges Bindeglied zum beginnenden „Klassischen Stil“ darstellen, nachgeahmt wurde.

Klosterkomponisten
In der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts - und somit bereits der Klassik zuzurechnen - stĂ¶ĂŸt man gerade in Oberösterreich auf viele namhafte Vertreter dieser Klosterkomponisten, die das barocke Erbe weiter tradierten, jedoch volkstĂŒmlicher gestalteten und somit schon die neue Zeit vorwegnahmen. Die bedeutendsten Komponisten unter ihnen waren Franz Joseph Aumann (1728–1797) in St. Florian, Franz Sparry (1715–1767) und Georg Pasterwitz (1730–1803) in KremsmĂŒnster, aber auch Johann Michael Haydn (1737–1806), dessen freundschaftliche Beziehungen zu Lambach von großer Bedeutung fĂŒr Oberösterreich waren.
Die Werke der Klosterkomponisten waren fĂŒr lange Zeit nicht nur in den großen Stiften, sondern auch in Landkirchen omniprĂ€sent. Diese prĂ€gten die musikalische Kultur Oberösterreichs nachhaltig. Im so genannten „Bauernbarock“ findet man Elemente daraus noch in der Volksmusik im 19. Jahrhundert, aber auch der junge Anton Bruckner (1824–1896) war noch von den Werken dieser Klosterkomponisten beeinflusst.

Komponisten aus Oberösterreich

Hier sei noch auf zwei bedeutende Komponisten aus Oberösterreich hingewiesen: Johann Beer und Rupert Iganz Mayr.

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Hier sei noch auf zwei bedeutende Komponisten aus Oberösterreich hingewiesen: Johann Beer und Rupert Iganz Mayr.

Johann Beer (1655–1700) stammte aus Oberösterreich, fand sein GlĂŒck aber anderswo fand. In St. Georgen im Attergau geboren, erhielt er seine musikalische Ausbildung in den Stiften Lambach und Reichersberg, spĂ€ter in Passau. Mit seinen Eltern emigrierte er des evangelischen Glaubens wegen nach Regensburg, wo er das protestantische Gymnasium poeticum besuchte. Nach weiteren Studien in Leipzig wurde Beer Altist in der Hofkapelle der Herzöge von Halle-Weißenfels und schließlich deren Konzertmeister. Seine erhaltenen Werke weisen Beer als originellen Komponisten aus. Wirkliche BerĂŒhmtheit erlangte er allerdings durch seine musiktheoretischen Schriften und satirischen Romane, die in der Tradition eines Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen stehen.

Rupert Ignaz Mayr (1646/47–1712) stammte dem heutigen VerstĂ€ndnis nach ebenfalls aus Oberösterreich, wurde er doch in SchĂ€rding (damals Bayern) geboren. Mayr wandte sich spĂ€ter als Violinist nach Freising (1671), EichstĂ€tt (1678), Passau (1683) und MĂŒnchen (1685), bis er schließlich Hofkapellmeister des FĂŒrstbischofs von Freising wurde. Seine gedruckten Kirchenmusikalien und Instrumentalwerke waren im ganzen sĂŒddeutsch-österreichischen Raum verbreitet.

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