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Das Oberösterreichische Volksliedwerk


Das Volkslied in Oberösterreich
Im Jahre 1904 wurde unter der Leitung von Josef Pommer (1845–1918) das Unternehmen Das Volkslied in Österreich gegrĂŒndet, die VorgĂ€ngerinstitution des Österreichischen Volksliedwerkes. Mit dem Unternehmen verbundene Musik- und Sprachwissenschaftler erarbeiteten ein Konzept fĂŒr eine Publikation, in der die Volkslieder der einzelnen monarchistischen NationalitĂ€ten hĂ€tten veröffentlicht werden sollen. Zu diesem Zweck wurden in den folgenden Jahren auch in den KronlĂ€ndern ArbeitsausschĂŒsse ins Leben gerufen, die sich um die Aufzeichnung und Dokumentation des regionalen Volksmusikgutes annahmen. So gilt die GrĂŒndung des Arbeitsausschusses fĂŒr Oberösterreich im Jahre 1906 als Geburtsstunde des Oberösterreichischen Volksliedwerkes bzw. des Oberösterreichischen Volksliedarchivs. Erster Obmann war der Wiener UniversitĂ€tsprofessor Robert Much (1862–1936). Der Vorstand dieser Gruppierung hatte im ganzen Land Mitarbeiter eingesetzt, die vor Ort Feldforschung betrieben, Lieder und MusikstĂŒcke niederschrieben und zur Archivierung weiterreichten. Ihre Sammlungen bilden den Grundstock des Oberösterreichischen Volksliedarchivs.

Eifrige SammeltÀtigkeit
Obwohl letztlich die Umsetzung von Pommers Monumentalprojekt – der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vereitelte das Unterfangen – scheiterte, hielt die Arbeit in den einzelnen BundeslĂ€ndern an. Anstatt umfangreicher Studien erschienen nun kleinere, nicht weniger wichtige BeitrĂ€ge in regionalen Zeitschriften. Zu den eifrigsten Sammlern dieser Zeit gehörte Hans Commenda (1889–1971), der spĂ€tere Obmann des Ausschusses fĂŒr Oberösterreich, dessen besondere Vorliebe dem MĂŒhlviertel galt. Er begann schon frĂŒh mit der systematischen Aufzeichnung von Volksliedern, aber auch um die Erforschung des Landlers hat er sich erste Verdienste erworben. Neben Commenda wĂ€ren aber noch viele andere zu nennen, die sich damals um regionales Musikgut annahmen. Stellvertretend seien Theodor Berger (1874–1956) fĂŒr das Hausruck- und Innviertel, Ferdinand Schaller (1875 –1921) fĂŒr das Salzkammergut und Georg Preisinger (1853–1924) fĂŒr das Hausruckviertel genannt.

WĂ€hrend der NS-Zeit kam die wissenschaftliche BeschĂ€ftigung der Dachorganisation fast zum Erliegen, da die parteikonforme Pflege im Vordergrund stand. Viktor Junk, seit 1. Oktober 1938 Leiter des nunmehr OstmĂ€rkischen Volksliedunternehmens, forderte in einem Rundschreiben zu einer solchen auf. Somit wurden die Aufgaben der GauausschĂŒsse (vormals LandesausschĂŒsse) ebenfalls neu definiert. Auch hier stand nun die praktische Pflege im Vordergrund. Hans Commenda wurde im September 1939 von Ernst Burgstaller (1906–2000) als Leiter abgelöst, der nun das Archivmaterial betreuen sollte. Er legte jedoch sein Amt bald zurĂŒck, da der aus Ried im Innkreis stammende fĂŒr eine Arbeit in Linz nicht flexibel genug war. Neuer Nachfolger wurde der bisher bei der Organisation „Kraft durch Freude“ fĂŒr das Brauchtum zustĂ€ndige Hermann Derschmidt (1904–1997). Er galt bald als KoryphĂ€e der Volkstanzforschung und -pflege.

Oberösterreichisches Volksliedwerk
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es notwendig, die Organisation neu zu strukturieren: Das Österreichische Volksliedwerk mit Sitz und Zentralarchiv in Wien entstand. Aus den einzelnen ArbeitsausschĂŒssen wurden die jeweiligen BundeslĂ€ndervolksliedwerke. Zum ersten Obmann des nunmehrigen Oberösterreichischen Volksliedwerkes wurde Hans Commenda berufen. Als solcher nahm er erneut die Forschungs- und SammeltĂ€tigkeit auf. Commenda war die Unterbringung des stetig steigenden Archivbestandes ein wichtiges Anliegen, doch bis zu seinem Lebensende war er nur auf Provisorien angewiesen. Als er schließlich 1971 starb, hinterließ er seine private Fachbibliothek und seine eigenen Aufzeichnungen dem Land Oberösterreich, welches nun im Panzaglgut, dem Depot des Oberösterreichischen Landesmuseums in Pasching, RĂ€umlichkeiten zur VerfĂŒgung stellte. Doch auch das war nur eine Notlösung. EndgĂŒltige Abhilfe schaffte die 1974 erfolgte GrĂŒndung des Vereines Oberösterreichisches Volksliedwerk und die Umsiedelung des Archivs in das Landeskulturzentrum Ursulinenhof im Jahre 1977. Seit Kurzem ist die Institution im GebĂ€ude Promenade 37 in Linz untergebracht.

Aufgaben
Die Aufgaben des Oberösterreichischen Volksliedwerkes gliedern sich in wissenschaftliche, pflegerische und pĂ€dagogische Bereiche. Durch Feldforschungen im ganzen Bundesland werden musikalische BestĂ€nde erhoben und somit fĂŒr die Nachwelt bewahrt. Eine wissenschaftliche Auswertung des Materials wird in einschlĂ€gigen Publikationen einem breiten Interessentenkreis zugĂ€ngig gemacht. DafĂŒr wurde eigens eine Schriftenreihe - Oberösterreichische Schriften zur Volksmusik - ins Leben gerufen. Der Schwerpunkt der Erhebungen liegt mittlerweile nicht mehr nur bei der Volksmusik, sondern vor allem im Bereich lĂ€ndlicher Gebrauchsmusik. Die so gewonnenen NeuzugĂ€nge stellen auch das Material fĂŒr AktivitĂ€ten zur Musikpflege.Somit können Musik- und Liederpublikationen fĂŒr den praktisch ausĂŒbenden Musiker und SĂ€nger entstehen. In der Reihe Volkslied und Volksmusik aus Oberösterreich, die mittlerweile ĂŒber 80 Hefte umfasst, kann dem Liebhaber kostengĂŒnstig und effizient das breite Spektrum lĂ€ndlicher Volkskultur zugeeignet werden. Weiters wird als Kommunikationsinstrument der Vierteltakt herausgegeben. 

--> BeitrÀge des Vierteltakt [2000 bis 2007]

Vermittlungsarbeit
Ein wesentlicher Aspekt in der Arbeit des Volksliedwerkes ist die pĂ€dagogische Vermittlung von Volksmusik und Volkskultur. In diversen Seminaren wird – vor allem der Jugend – Volksmusik in ihrer eigentlichen Form nĂ€her gebracht. Bereits zur Tradition gewordene Fortbildungsveranstaltungen in Kirchschlag und Klaffer am Hochficht laden dazu ein. DarĂŒber hinaus geben in verschiedenen kleineren Seminaren Fachleute der Materie ihr Wissen an andere weiter. Im Rahmen der vom Bundesministerium geförderten Projekte Mit allen Sinnen besteht auf Wunsch die Möglichkeit, in Schulen Kinder und Jugendliche an die eigene sowie an andere Kulturen heranzufĂŒhren. Doch nicht nur zwischen Kulturen wird hier vermittelt, denn auch zu Menschen mit Behinderungen und ĂŒber alle Generationen hinweg werden BrĂŒcken geschlagen. Fachpersonal vermittelt in informativ-spielerischer Weise Lied Musik und Tanz.

Da das musikalische Erbe Oberösterreichs noch lange nicht erforscht ist und Volkskultur generell einem steten Wandel unterliegt, ist auch in nĂ€chster Zukunft dafĂŒr gesorgt, dass das Oberösterreichische Volksliedwerk seine bisherigen TĂ€tigkeiten fortsetzen kann.

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