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Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg

Auf Schloss Kremsegg, dem Stift KremsmĂŒnster gegenĂŒber liegend, befindet sich eines der profiliertesten Museen des Landes Oberösterreich – das Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg.

„Kompetenzzentrum“ fĂŒr Musik
Das Musikinstrumentenmuseum bildet eine besondere Schnittstelle: Auf Schloss Kremsegg trifft sich das Museumsland Oberösterreich mit dem Musikland Oberösterreich. Seine Sammlungen und Dauerausstellungen ergeben in Verbindung mit den rĂ€umlichen Möglichkeiten des Schlosses und dem angebotenen Kulturprogramm ein anspruchsvolles „Kompetenzzentrum“ fĂŒr Musik.

Klangforschung
Ein Ziel der musealen Einrichtung auf Schloss Kremsegg ist die musikalische Grundlagenarbeit. Durch die besondere Betreuung und PrĂ€sentation der Sammlung stehen die Objekte, also die Musikinstrumente, dem Fachpublikum in einer Art und Weise zur VerfĂŒgung, wie selten in der globalen Musik-Museums-Landschaft. Die Instrumente sind nĂ€mlich spielbar und können von MusikerInnen bzw. von StudentInnen musikalischer AusbildungsstĂ€tten erprobt, von InstrumentenbauerInnen vermessen und von MusikwissenschaftlerInnen fĂŒr Studienzwecke benĂŒtzt werden. Mit der Philosophie, die Instrumente gezielt fĂŒr die Klangforschung einzusetzen, gehört das Kremsegger Haus der Kultur zur internationalen Museums-Avantgarde in diesem Fachbereich.

Lebendige Objekte
FĂŒr die Bewahrung des musikalischen Erbes stellen Instrumente einzigartige Objekte dar: Sie sind das einzige Dreidimensionale, physisch Betast- und SpĂŒrbare, das von Musik ĂŒbrig bleibt, wenn sie verklungen ist. Tonaufnahmen können einmalige Darbietungen konservieren; Noten und NachlĂ€sse sind zweidimensionales Studienmaterial; Instrumente hingegen sind lebendig. Zum einen sind sie Endprodukte einer alten Handwerkskunst und MeisterstĂŒcke aus WerkstĂ€tten, zum anderen sind sie Ausgangsmaterial fĂŒrs Musizieren, Arbeitsmittel fĂŒr Musikerinnen und Musiker.

Sammlungsgeschichte
Nach sorgfĂ€ltigen Überlegungen, vielen GesprĂ€chen und ausgereiften Planungen begann das Unternehmen ‚Musikinstrumentenmuseum’ mit einer großen Überfahrt. Die legendĂ€re Sammlung der „Streitwieser-Foundation“ gelangte 1996 aus den USA nach Europa. Sie wurde dem Verein „Musica KremsmĂŒnster“ sowie dem Land Oberösterreich zur öffentlichen PrĂ€sentation und weiteren Betreuung ĂŒbergeben.

Diese Sammlung hatte der bayerisch-US-amerikanische Musiker Franz Xaver Streitwieser begrĂŒndet. Er widmete sich nach der Beendigung seiner aktiven Trompeter-Karriere der Geschichte „seines“ Instrumentes. Seine musikhistorischen Recherchen und die professionelle Sammelleidenschaft ließen im Laufe der Jahre sein privates Museum in Pennsylvania enorm anwachsen. Mehr als tausend Exponate umfasste damals bereits schon die Sammlung, die durch die Betreuung internationaler Experten bald ihren ausgezeichneten Ruf erhielt. Neben den Instrumenten gehören auch eine umfangreiche Bibliothek, eine Notensammlung, eine Phonothek und ein betrĂ€chtliches Fotoarchiv zu diesem Lebenswerk.

Blechblasinstrumente

Schloss Kremsegg stellte die Objekte seinen ersten GĂ€sten in der Ausstellung „RaritĂ€ten der BlĂ€sermusik“ vor. Sie bildet noch immer den Grundstock der Museumsschau. Beim Rundgang durch die PrĂ€sentation erfĂ€hrt der Besucher die chronologisch geordnete und spannende Entwicklung dieser Instrumentengruppe durch zwei Jahrtausende. Zu den Höhepunkten der Blechblasinstrumenten-Sammlung gehören unter anderem ein Solotenorhorn, das fĂŒr den russischen Zaren Alexander III. gebaut wurde, Jazztrompeten, wie jene von Louis Armstrong und Dizzy Gillespie, aber auch Innovationen durch die einsetzende Ventiltechnik und Kuriosa aus dem Bereich des Instrumentenbaus. Ein ganz sicher verwahrtes Objekt ist die Ă€lteste Sopranzugposaune der Welt aus dem Jahre 1677.

Das Wiener Horn - Sammlung Pizka
Im Dachgeschoss des Museums wird in einer Sonderschau die Entwicklung des Wiener Horns dargestellt. Neben RaritĂ€ten wie Basshörnern, einer Wagnertuba oder dem Jagdhorn Josef Schantls (1842–1902) werden u. a. auch Fotos, Noten, Dokumente und MundstĂŒcke prĂ€sentiert. Diese Sonderausstellung soll einen Einblick in die umfangreiche Sammlung von Hans Pizka geben, die seit 2009 zum Bestand von Schloss Kremsegg gehört. ErgĂ€nzt durch Leihgaben von – dem Haus verbundenen – Sammlern runden das Thema „Horngeschichte in Wien“ ab.

Tasteninstrumente

Ein weiteres Epizentrum in der musealen Klangwelt von Kremsegg ist die umfassende und kostbare Klaviersammlung mit eindrucksvollen Originalen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sie wird unter dem Titel „Hier ist doch gewis das Clavierland. Über die Kunst Klaviere zu bauen“ prĂ€sentiert und vermag LaiInnen wie ExpertInnen zum genauen Hören anzuregen und in Staunen zu versetzen. Ob FlĂŒgel aus der Zeit Mozarts und Beethovens oder GlanzstĂŒcke der Klavierbaufirmen Graf, Bösendorfer, Erard und Steinway, das Clavierland dokumentiert und prĂ€sentiert eindrucksvoll die Geschichte des Klavierbaus. Mit HĂ€nden, Augen und Ohren wird der Besucher zu einer Entdeckungsreise rund um das Klavier eingeladen. Die Klaviersammlung des Wiener Pianisten Paul Badura-Skoda bereichert die hauseigene Sammlung.

Johann Nepomuk David (1895–1977) im Kontext seiner Zeit
Die derzeit jĂŒngste Dauerausstellung auf Schloss Kremsegg eröffnete im Oktober 2014 und behandelt den oberösterreichischen Komponisten Johann Nepomuk David. Die Ausstellung „Johann N. David im Kontext seiner Zeit“ gibt einen chronologischen Überblick zu Johann N. Davids Lebensstationen, beginnend mit seinem Geburtsort Eferding bis hin zu seinen LehrtĂ€tigkeiten an den Musikhochschulen in Leipzig und zuletzt in Stuttgart.

Verschiedenste Exponate wie Fotos, Briefe, Dokumente, Zeugnisse, Autographe, Kritiken etc. ermöglichen vielseitige Einblicke in Johann N. Davids Leben und Schaffen. Sein Komponiertisch mit integriertem Clavichord sowie sein Pedal-Cembalo – eine Besonderheit im Tasteninstrumentenbau – sind einmalige Exponate der Ausstellung. Eine Hörstation bietet die Möglichkeit, in das umfangreiche Werkschaffen des Komponisten einzutauchen.

Das im Sommer 2014 in Kremsegg entstandene Interview mit seinem Sohn Lukas David und auch die Filmdokumentation „Zu Gast bei Johann Nepomuk David“ aus den 1970ern zeigen Johann N. David als Person.

Die Ausstellung lÀdt zum Verweilen ein und ermöglicht eine selbstÀndige Auseinandersetzung mit dem Komponisten und dessen Werk. Sie soll dazu beitragen, Johann N. Davids Werk und seine Bedeutung als Lehrender wieder in Erinnerung zu rufen.

Ausstellung fĂŒr Friedrich Gulda

Mit dem Titel „Befreite KlĂ€nge“ wĂŒrdigt eine Sonderausstellung den im Jahre 2000 – am 244. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts – verstorbenen österreichischen Ausnahmepianisten und Komponisten Friedrich Gulda. Im Mittelpunkt der Schau stehen zahlreiche Exponate aus dem Probenraum bzw. seiner Wohnung am Attersee. Diese geben den Besuchern einen Einblick in die ArbeitsverhĂ€ltnisse und PrivatsphĂ€re, lassen sie aber auch in die Gedankenwelt Guldas eintauchen. Geordnet nach den Schaffensphasen des Komponisten steht die nahezu gesamte Diskographie des KĂŒnstlers zum Anhören und Anschauen bereit. Nach der Übernahme seines schriftlichen Nachlasses wurde die Ausstellung zu einer DauerprĂ€sentation.

Das Museum schÀrft damit sein Profil, durch moderne PrÀsentation versunkene Klangwelten wieder erstehen zu lassen. Mit Schloss Kremsegg als BegegnungsstÀtte und als Knotenpunkt der internationalen Musik-Fachwelt untermauert das Land Oberösterreich seine europÀische Vorrangstellung in der Musikausbildung. Es bildet einen wichtigen und markanten Punkt in der Musikszene Oberösterreichs und gibt mit seinen Sammlungen eine wichtige Orientierungshilfe.

Wechselnde Sonderausstellungen
In einem kleineren Teil des Musikinstrumentenmuseums werden mehrmals jÀhrlich wechselnde Sonderausstellungen angeboten, um heimischen MusikerInnen, die auch in der bildenden Kunst aktiv tÀtig sind, Gelegenheit zu geben, ihre Werke auszustellen und diese mit Ihrer eigenen Musik in Verbindung zu bringen.


Geschichte von Schloss Kremsegg

Herren aus dem vergessenen Geschlecht der Rot erbauten das Schloss als adeliges Anwesen auf einem HĂŒgel rechts der Krems. Im 16. Jahrhundert war es der Familiensitz der protestantisch gesinnten GrĂŒnthaler. Sie erweiterten die Anlage, setzten markante Akzente in der damaligen Agrartechnik und richteten am Fuße des Schlosses eine Taverne ein. Im Zuge der Gegenreformation kam der Abt des Stiftes KremsmĂŒnster 1627 in den Besitz. Seit dem 19. Jahrhundert wechselten die Besitzer rasch. In Erinnerung bleiben das Wirken der GrĂ€fin Therese Kinsky und das Engagement der Industriellenfamilie Werner Lutzky. Von ihr ĂŒbernahm der TrĂ€gerverein Musica KremsmĂŒnster Mitte der 1990er Jahre das Haus mit seiner weitlĂ€ufigen Anlage.


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