Forum OÖ Geschichte

Klösterliche Musikerziehung und Stadtschulen


Stiftsschulen
Im Mittelalter fand die Musikausbildung praxisbezogen durch persönliche Unterweisung im Rahmen diverser Institutionen – v. a. der Stiftsschulen, seit dem spĂ€ten Mittelalter auch der ZĂŒnfte (Meistersinger) - statt. Zudem wurde Musikunterricht direkt innerhalb bestimmter TrĂ€gerschichten – TĂŒrmer (Stadtmusiker), Spielleute – gegeben. Im schulischen Bereich war durch die von der antiken Bildung her kommende Verankerung der Musik im Quadrivium ein besonderer Akzent auf deren Zahlengrundlagen gelegt. Die Erlernung des liturgischen Gesangs stand im Vordergrund, wie ĂŒberhaupt Musikunterricht im wesentlichen Gesangsunterricht bedeutete, ergĂ€nzt durch die notwendige Theorie. FrĂŒhe Lehrtexte zu Ton- und Intervallsystem sind u. a. aus dem Stift Mondsee bekannt (15. Jahrhundert, heute in der Österreichischen Nationalbibliothek); auch die im Stift Wilhering befindlichen Handschriften mit der Abbildung der „Guidonischen Hand“ (visuelle Darstellung des Tonsystems) und einer SingĂŒbung sowie Regeln ĂŒber den Halbton stammen aus der Lehrpraxis im klösterlichen Umfeld.

Lateinschulen und deutsche Schulen
Die Tradition der Unterweisung im liturgischen Gesang setzte sich in der frĂŒhen Neuzeit in Latein- und deutschen Schulen fort. So existierten in den Stiften St. Florian und KremsmĂŒnster eigene SĂ€ngerknabeninstitute; fĂŒr die 1395 gegrĂŒndete Lateinschule in SchĂ€rding etwa ist die Ausbildung von Singknaben ebenfalls verbĂŒrgt. Mit der Ausbreitung des Humanismus ĂŒbernahmen zum Teil auch weltliche LehrkrĂ€fte den Gesangsunterricht, beispielsweise der Lateinschulmeister Ulrich Lufftenecker im Stift Reichersberg.

Landschaftsschule und Stadtschulen
Durch die Reformation mit ihrem Ziel eines breitflĂ€chigen kirchlichen Gesanges kamen neue Impulse, wie die evangelische Landschaftsschule in Linz oder die Stadtschule in Steyr mit ihrer reichhaltigen Spieltradition beweisen. Aber auch in der jesuitischen Ausbildung spielte der Gesang – besonders im Rahmen der Schuldramen – eine Rolle.
Die aufgrund der Schulorganisation vorgegebene Bindung des Lehrers an die jeweilige Pfarre fĂŒr musikalische Aufgaben (Regens chori, Orgeldienst) war fĂŒr die weitere Entwicklung bedeutsam. Schon 1495 schrieb in Steyr eine Salve-Regina-Stiftung den Schulmeister mit seinen Singknaben als AusfĂŒhrende vor. SpĂ€ter wurde der Lehrer – vor allem in lĂ€ndlichen Gebieten – der Mittelpunkt im sprichwörtlichen „Dorfkonservatorium“; dies spiegelt sich auch in der Lehrerausbildung wider. Die Vielfalt von kirchlichem und weltlichem Musizieren ist etwa auch noch in Anton Bruckners frĂŒher Zeit anschaulich dokumentierbar.

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