Forum OÖ Geschichte

Musikgeschichte des PrÀmonstratensterstiftes SchlÀgl


1204 bemĂŒhten sich Zisterzienser aus der Diözese Bamberg, die Gegend des heutigen SchlĂ€gl zu besiedeln, doch verließen diese, bedingt auch durch das raue Klima, schon bald wieder den Ort. 1218 versuchte der GrĂŒnder Kalhoch von Falkenstein nochmals, geistliche Herren in die Region zu holen, diesmal allerdings PrĂ€monstratenser, die bis heute in SchlĂ€gl wirken. Woher die Mönche kamen, lĂ€sst sich nicht mehr eindeutig klĂ€ren: Vermutet wird eine Herkunft aus Osterhofen bei Passau oder MĂŒhlhausen in Böhmen. Durch Schenkungen wurde der Besitz des Klosters im Laufe des Mittelalters sukzessive ausgedehnt, was auch zu einer wirtschaftlichen Verbesserung des Hauses fĂŒhrte. Zudem trieben die Mönche die Rodung des Waldes in der Region voran.

Zerstörte Quellen
Nach einer BlĂŒtzeit im 14. Jahrhundert setzten die Hussitenkriege im 15. Jahrhundert dem Kloster schwer zu. Im Bauernkrieg des Jahres 1626 wurde das Kloster SchlĂ€gl schließlich großteils zerstört und mit ihm beinahe der gesamte Bestand an Musikalien. Dies ist der Grund dafĂŒr, warum aus der Zeit des Mittelalters kaum musikalische Quellen aus SchlĂ€gl auf uns gekommen sind. Eine Ausnahme bilden einige aus dem 11. bzw. 12. Jahrhundert stammende Fragemente, deren Provenienz allerdings nicht geklĂ€rt ist. ReprĂ€sentative Choralhandschriften sind erst aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Um 1522 kopierte Fr. Stephan Schmierer ein Antiphoniar (242 Cpl 1) und ein Graduale (243 Cpl 2). Das Ă€lteste in SchlĂ€gl erhaltene Prozessionar stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts (227 Cpl 253).
Vom Ende des 16. Jahrhunderts sind schließlich die ersten Musiker namentlich bekannt: 1596 findet der Laie Georg Molitor (MĂŒller) als Kantor, 1578 der Organist Sewald Reichensperger ErwĂ€hnung.

Wiederaufbau im Barock
Eine wichtige Persönlichkeit fĂŒr das Stift war Martin Greysing (1627–1665). Der aus Vorarlberg stammende Abt wagte nach den Zerstörungen des Jahres 1626 einen Neuaufbau der Abtei mit lediglich zwei Konventualen. Allein wĂ€hrend seiner Regierungszeit gelang es ihm, 51 MĂ€nner fĂŒr das Leben im Kloster zu gewinnen. 1657 wurde SchlĂ€gl auch zur Abtei erhoben. In dieser Zeit erlebte das Kloster nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell eine neue BlĂŒte, wovon Arbeiten zahlreicher KĂŒnstler aus dieser Zeit zeugen. Im Bereich der Musik legte der Abt besonderen Wert auf den Orgelbau. So schuf Andreas Putz fĂŒr die Stiftskirche 1733/34 die noch heute bestehende frĂŒhbarocke Orgel. Berufsmusiker gab es in dieser Zeit in SchlĂ€gl allerdings nicht, vielmehr mussten die Mitarbeiter des Hauses auch ein Instrument beherrschen, der Kammerdiener des Abtes genauso wie der Koch.

Schwerpunkt Orgelbau
Das 18. und 19. Jahrhundert in SchlĂ€gl sind im Bereich der Musikgeschichte noch wenig erforscht. Das 18. Jahrhundert verlief vergleichsweise ruhig, das Kloster entging sogar der Auflösung durch Joseph II., dennoch wurde das kulturelle Leben des Hauses massiv beeintrĂ€chtigt. Vom Anfang des 18. Jahrhunderts stammen als besondere Kostbarkeit unter den Musikinstrumenten ĂŒbrigens drei Blockflöten aus Elfenbein, die der WerkstĂ€tte des NĂŒrnberger Flötenmachers Johann Benedikt Gahn zuzuordnen sind.

Das 19. Jahrhundert brachte eine gĂŒnstige Zeit fĂŒr das Haus: Abt Dominik Lebschy (1838–1884), der auch Landeshauptmann von Oberösterreich war, ließ zahlreiche Bauvorhaben realisieren und die Stiftskirche restaurieren und förderte auch die Musik. So wurden in den inkorpoierten Pfarren zahlreiche neue Orgeln errichtet. Auch in der Stiftskirche selbst wurde die große Orgel durch den Orgelbauer Joseph Breinbauer umgestaltet.

Besondere Pflege erfuhr in dieser Zeit besonders Musik aus den Klöstern der Umgebung, v. a. aus Böhmen, wie ĂŒberhaupt das Kloster intensivere Verbindungen zum böhmischen Raum pflegte, etwa zum PrĂ€monstratenserkloster Strahov bei Prag. Böhmische Musiker wirkten immer wieder in SchlĂ€gl – so Johann Nepomuk Albert Maxandt, der von etwa 1773 bis 1776 hier weilte und dessen SchĂŒler der komponierende Konventuale Friedericus Bayer (?–1840) war, oder Andreas Bartholomaeus Kamen (1757–1802), welcher mehrere Instrumentalkonzerte komponierte.

In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts zeigte auch in SchlĂ€gl der CĂ€cilianismus seine Auswirkungen, was u. a. dazu fĂŒhrte, dass Ordinarien der Wiener Klassik kaum mehr zur AuffĂŒhrung gelangten.

An der Wende zum 20. Jahrhundert wirkte in SchlĂ€gl Abt Norbert Schachinger, der durch WidmungsauftrĂ€ge versuchte, die Musikpflege im Stift zu beleben. FĂŒr die musikalischen AuffĂŒhrungen standen allerdings eher bescheidene Mittel zur VerfĂŒgung.

HochkarĂ€tige Musikveranstaltungen1941 bis 1945 wurde das Kloster von den Nazis aufgelöst.1950 wurde Bruno GrĂŒnberger Prior des Stiftes, der sich besonders der Musik annahm. Er machte sich v. a. um die Neuorganisierung des Gregorianischen Chorals in Österreich verdient und versuchte, der Orgelrestaurierung einen entsprechenden wissenschaftlichen Hintergrund zu geben. So wurde 1952 bis 1954 von Wilhelm Zika sen. in der Stiftskirche eine Chororgel errichtet, die 1965 eine Erweiterung erfuhr. JĂŒngst wurde die Chororgel restauriert und am 4. Mai 2008 geweiht. Auf dieser Orgel spielte auch Peter Planyavsky, der 1968/69 Organist in SchlĂ€gl war und fĂŒr das Stift auch einige Werke komponierte.

Seit 1975 leitet als Stiftskapellmeister Rupert Gottfried Frieberger die Kirchenmusik in SchlĂ€gl (Cantoria Plagensis und das Stiftsorchester), seit demselben Jahr wirkt Ingemar Melchersson als Stiftsorganist. Frieberger widmet sich in besonderer Weise der Pflege des Gregorianischen Chorals. Auf sein Engagement gehen auch die SchlĂ€gler Orgelkonzerte, die hochkarĂ€tigen Konzerte im Rahmen der Internationalen SchlĂ€gler Musikveranstaltungen sowie die SchlĂ€gler Musikseminare zurĂŒck. Frieberger ist zudem als Komponist tĂ€tig und wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Der Text wurde auf Basis folgender Literatur verfasst:

Frieberger, Rupert Gottfried: SchlĂ€gl, in: Wessely, Othmar (Hg.): Musikstadt Linz – Musikland Oberösterreich. Linz 1993, S. 182-184.

SchlĂ€gl, in: Flotzinger, Rudolf – Gruber, Gernot (Hg.): Musikgeschichte Österreichs. 2. Aufl. Graz, Wien 1995, S. 2080-281.

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