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Meistersang in Oberösterreich


Die Kultur der im Handwerk verwurzelten Musikpraxis des Meistergesangs beruht auf einem selbstbewussten Zunftwesen, auf selbstständigen Städten und nicht zuletzt auf der reformatorischen Religionspraxis. Nichts davon war in Österreich und Oberösterreich voll ausgebildet. Die Handwerkszünfte waren hier schwächer und daher stärker unter obrigkeitlicher Aufsicht, die Städte kleiner und der Protestantismus mit seiner Bibelkenntnis, aus der die Meistersinger die meisten ihrer Themen schöpften, stand in keiner beherrschenden Position, zumindest nach dem Greifen der gegenreformatorischen Maßnahmen im Land ob der Enns ab dem Ende des 16. Jahrhunderts.
Während die protestantischen Stadtherren in Eferding (Starhemberg) und Wels (Polheim) sowie die breite Basis zünftisch geordneten Handwerks in Steyr Meistergesang zuließen, blieb die Landeshauptstadt ohne „Schule“ (dem obrigkeitlich gestatteten Treffen der Meister), ohne „Freisingen“ oder „Hauptsingen“ um ein Ehrengeschenk.

Die Praxis der Meistersingerkunst war ganz handwerklich. Sie ist – wie das Handwerk – in rigiden Regeln kodifiziert („Tabulatur oder Schulregister“) und formalisiert: Verse und Reime sind in Regeln gefasst, die Strophen genau abgemessen. All das sind Fehlerquellen, die bei den Singanlässen vom „Merker“ beurteilt werden. Vom Lehrling – dem „Schüler“ – geht es über den Gesellen – den regelkundigen „Dichter“ – zum Meister, der einen neuen „Ton“ erfunden hat, welcher nun seinen Namen trägt.

Die historischen Quellen lassen tragfähige Aussagen über die Praxis der Meistersinger in Oberösterreich kaum zu. Wir kennen einige in Liedersammlungen überlieferte Meistergesänge, deren Datierung oder Autorangabe auf Oberösterreich verweist. „Zu Eferding durch Paulum Freudenlechner von Wellß den letzten tag aprilis gedichtet [...] anno 1616“, heißt es da oder es nennt sich als Autor: „petter heyberger Nadler vnd ein liebhaber des deuttschen maistergsang zu steyer“ (1590).
Doch ist der Meistergesang so international vernetzt wie das Handwerk: Hans Sachs schreibt seine ersten Meisterlieder in Wels, Steyrer Meisterlieder werden in Nürnberg gesungen, der Nürnberger Schuhmachermeister Georg Hager dichtet in Steyr.

Die historische Ausdehnung des Meistergesangs ist dagegen schmal. In Wels gab es vermutlich zwischen 1587 und 1600 einen Singschulbetrieb, jener in Eferding ist zwischen 1604 und 1616 datiert. Die in Oberösterreich dichteste Dokumentation gibt es für Steyr, wo diese Gesangspraxis zwischen 1542 und 1624 kontinuierlich gepflegt wurde. Als die Träger des Protestantismus allerdings ausgewiesen oder zwangsbekehrt waren, erlosch damit auch der Meistergesang.


--> Mehr zum Meistersang im Kontext der Musikgeschichte


Autor: Franz M. Eybl

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