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Literatur in Oberösterreich im 19. und frühen 20. Jahrhundert


Eine literarische Klassik eines Schiller und Goethe ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts in (Ober-)Österreich nicht zu beobachten, ebenso fehlten in der Folge Literaten im Umfeld der Romantik, die sich dem Individualismus, Subjektivismus und dem Ideal des Künstlergenies verschrieben haben. Ebenfalls nicht anzutreffen sind hierzulande radikale und sozialrevolutionäre Ansätze wie jene Georg Büchners (1813–1837) und des Jungen Deutschland. Oberösterreich findet im 19. Jahrhundert keinen Anschluss an die „große literarische Welt“ könnte man meinen – und man hat im Grunde recht damit. Dennoch ist der Einfluss der genannten literarischen Strömungen in Oberösterreich nicht zu leugnen. So wurde etwa der „biedermeierliche“ Salon wie jener der Emilie von Binzer in Linz zu einem Treffpunkt des gebildeten Bürgertums.

Im Gegenzug entstand in Oberösterreich eine reiche Mundartdichtung, die mit dem Lambacher P. Maurus Lindemayr (1723–1783) einsetzte und deren bedeutendster Vertreter Franz Stelzhamer, geboren 1802, war. In der Nachfolge Stelzhamers versuchten sich zahlreiche Literaten mehr oder weniger erfolgreich im Genre der Dialektdichtung. Diese erfuhr auch ideologische Ausprägungen im Kontext nationalistischer und deutschnationaler Ideen. Zudem ist dieser Dichtung eine zivilisationsfeindliche Tendenz nicht unbekannt.
Daneben entstand eine hochsprachliche Dichtung, die mit dem Etikett „Heimatliteratur“ versehen wurde. Diese weist neben der ablehnenden Haltung der Großstadt gegenüber klerusfeindliche, antisemitische und liberale Tendenzen auf und huldigt gleichzeitig der Ideologie vom „deutschen Bauern“.
Dennoch ist diese Literatur nicht immer eindeutig einer ideologischen Richtung zuzuweisen, vielmehr sind ihr manchmal auch sehr realitätsnahe Schilderungen der sozialen Situation der unteren gesellschaftlichen Schichten, abseits aller Heroisierung, eigen. In diesem Kontext wäre etwa das Werk Susi Wallners einzuordnen (1868–1944). Allerdings geriet sie in die Nähe eines patriotischen Nationalismus und in der Folge auch völkischer Ideologie. Stellvertretend für die ideologisch geprägte Dichtung dieser Zeit soll hier aber Edward Samhaber stehen.

Generell wird die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend von ideologischen Ansätzen im Spannungsfeld von Liberalismus und Konservativismus geprägt. Der gebürtige Linzer Hermann Bahr, der im Laufe seiner schriftstellerischen Tätigkeit verschiede dieser Haltungen vertrat, kann symptomatisch dafür stehen.

Ebenfalls voller Widersprüche und in vielerei Hinsicht aus dem Rahmend fallend, wirkte Ende des 19. Jahrhunderts August Strindberg für kurze Zeit in Oberösterreich. Strindberg vereinigte in seinem Schaffen verschiedene am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert stehende Strömungen – naturalistische, expressionistische, symbolistische und mytholigische Ansätze – und ist somit ein Vertreter seiner Zeit, der aus der „großen Welt“ nach Oberösterreich kam. Zudem interessierte er sich für die Naturwissenschaften sowie die Malerei und die Fotografie. Seine Aufenthalte im Strudengau sollten sein Werk entscheidend prägen.

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