Forum OÖ Geschichte

Literatur in Oberösterreich von 1500 bis 1800


Die ÜbergĂ€nge zwischen den Epochen geschehen fließend – das Denken des Mittelalters und Ideen des Humanismus bestanden nebeneinander, was auch in der literarischen Produktion evident ist.
Mit dem Erstarken der StĂ€dte im spĂ€ten Mittelalter etablierte sich das BĂŒrgertum im Land und das Interesse dieser Gesellschaftsschicht an Bildung und den Schönen KĂŒnsten fĂŒhrte auch zu VerĂ€nderungen im Schulwesen. Waren im Mittelalter v. a. die Klöster die TrĂ€ger der Bildung, so gesellten sich nun immer mehr stĂ€dtische Bildungseinrichtungen dazu. Gerade die evangelischen Schulen dominierten im 16. und frĂŒhen 17. Jahrhundert das Bildungswesen Oberösterreich.
Das neue Selbstbewusstsein des BĂŒrgertums fĂŒhrte zum Entstehen von Haus- und Familienchroniken, Lehrer, Ärzte und Juristen taten sich – im Sinne des umfasend humanistisch Gelehrten und befĂ€higt durch ihre Ausbildung – zunehmend mit literarischen (Gebrauchs-)Werken hervor. Eine herausragende Persönlichkeit dieser Zeit aus Oberösterreich stellt der 1561 in Piberstein im MĂŒhlviertel geborene Christoph von Schallenberg mit seinen dichterischen Arbeiten und seiner BeschĂ€ftigung mit der italienischen Sprache dar.

Ein besonderer Tummelplatz fĂŒr humanistische Gelehrte und KĂŒnstler wurde in der Umbruchszeit zwischen Mittelalter und Renaissance der Hof in Linz. Literatur und Wissenschaften erfuhren hier eine intensive Pflege. Der Geist des Humanismus manifestierte sich aber auch in den Klöstern des Landes, die von der Reformation allerdings schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Im Zuge der mit harten Mitteln durchgefĂŒhrten Gegenreformation etablierten sich die jesuitischen Schulen im Lande und mit ihnen das barocke Theater, das v. a. in den Klöstern bzw. Klosterschulen eine intensive Pflege erfuhr und ganz im Sinne des RĂŒckfĂŒhrens der Menschen zum Katholizismus stand. Daneben bildete sich aber vermehrt die Unterhaltungsfunktion des Theaters heraus.
Abseits der dramatischen Dichtkunst verschrieb sich auch der 1600 in St. Georgen im Attergau geborene Johann Beer der literarischen Unterhaltung mit Tiefgang. Beer kann mit seinen Satiren zu Recht in eine Reihe mit bekannten Literaten wie Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1622–1676) gestellt werden.

Vom Barock fĂŒhrte der Weg in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts zum Geist der AufklĂ€rung und der Idee vom kritischen und mĂŒndigen Menschen. Vernunft, Toleranz, HumanitĂ€t und Freiheit des Individuums prĂ€gten das Denken.
In Oberösterreich fehlten in der Zeit Josefs II. allerdings maßstabsetzende Protagonisten der AufklĂ€rung; diese war hier nur zaghaft, aber eben doch spĂŒrbar.
Die in der Literatur anzutreffende radikale Gegenposition zur AufklĂ€rung – der das kreative Genie hochhaltende Sturm und Drang eines jungen Schiller oder Goethe – ist in (Ober-)Österreich dagegen nicht anzutreffen.

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