Forum OÖ Geschichte

Rezeption bis zu Stifters Tod 1868


Nachlassende Begeisterung

Nachdem 1840 die ErzĂ€hlungen Der Hochwald, Das Heidedorf und Feldblumen und im Herbst 1841 Der Hochwald erschienen waren, wurde Stifter mit einem Schlag ein bekannter und anerkannter Autor. Die Jahr fĂŒr Jahr in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichen Texte wurden dann in Buchform unter dem Titel Studien herausgegeben, je zwei BĂ€nde 1844, 1847 und 1850. Die ersten beiden BĂ€nde erhielten positive, ja begeisterte Kritiken. Doch die Begeisterung ebbte bald ab, die BĂ€nde 3 und 4 wurden zurĂŒckhaltend bis ablehnend besprochen; die BĂ€nde 5 und 6, die erst nach der Revolution von 1848 erschienen waren, enttĂ€uschten die Rezensenten und fanden auch kaum noch Leser. Stifter wurde nun nicht nur abgelehnt, sondern auch verhöhnt:
„Ein belgischer Maler“, so heißt es in der Zeitschrift Europa vom Juni 1856, „malt immer nur Graswuchs mit Hammelgestalten. Was bei ihm der Hammel, sind bei Stifter die Menschen, die er als Staffage in die grasgrĂŒne Landschaft stellt.“

„Seelentröster“
Zu dieser bösartigen, von den Jungdeutschen ausgehenden Kritik gab es zwar eine konservative Gegenströmung, die jedoch auch nicht Stifters Intentionen entsprach. Ausgelöst von einer Beurteilung Josephs von Eichendorff, Stifter sei „fromm, heiter und einfach“ und verbreite eine katholische Gesinnung, wurden die Stifterschen ErzĂ€hlungen auf diese Lesart hin zurechtgestutzt und Stifter wurde zum „Seelentröster“ stilisiert, der in einer keiner christlichen Familienbibliothek fehlen sollte.

Unmodern

Als 1853 die ErzĂ€hlsammlung Bunte Steine erschien, gab es noch einmal eine positive Kritik. Die ErzĂ€hlung Bergkristall fand ungeteilten Beifall. Allgemein aber galt Stifter zu dieser Zeit als ein Autor, der völlig aus der Mode gekommen war. Die Ablehnung verschĂ€rfte sich nach der Veröffentlichung der beiden großen „ErzĂ€hlungen“ Der Nachsommer (1857) und Witiko (1865–1867). 1858 konnte der Dramatiker Friedrich Hebbel (1813–1863) Stifter ein â€žĂŒberschĂ€tztes Diminutivtalent“ nennen.

„AltertĂŒmlich, weitschweifiger Stil“
Die Nachrufe zu Stifters Tod bedauerten, dass Stifter nur die Natur, jedoch keine Menschen darstellen könne und daher sei er nie ein Poet ersten Ranges geworden. Er habe lediglich den Geschmack des Lesepublikums bedient, das die vornehm gestalteten TaschenbĂŒcher der VormĂ€rzzeit kaufte. „Stifters altertĂŒmlich, weitschweifiger Stil muß einen Menschen des 19. Jahrhunderts, fĂŒr den Zeit Geld ist, zur Verzweiflung bringen“, beurteilte Rudolph Gottschall (1823–1909), der ein Buch ĂŒber die „Deutsche Nationalliteratur in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts“ geschrieben hatte.

© 2018