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Das neue Linz – Wiederaufbau ab 1945

Eine der einprĂ€gsamsten und bis heute mit großem Nachhall verhafteten stadthistorischen ErzĂ€hlungen stammt vom ersten NachkriegsbĂŒrgermeister Ernst Koref: Linz sei in den Jahren nach 1938 von einer „Barockstadt zur Barackenstadt“ geworden. In seiner Amtszeit von 1945 bis 1962 verstand sich der SPÖ-Politiker als AufbaubĂŒrgermeister, der Linz von der Barackenstadt zur modernen Industriestadt entwickelte. Der schnelle Aufstieg der Stadt Linz und ihre Etablierung als Industrie- und Wirtschaftszentrum Oberösterreichs nach 1945 basiert jedoch zu nicht unerheblichen Teilen auf der Entwicklung, die Linz als „Gauhauptstadt“ und ab 1939 als sogenannte „FĂŒhrerstadt“ vollzog. Dies zeigen auch die 1948 vom Magistrat der Stadt veröffentlichten Schaubilder zum „Wachstum der Stadt Linz“ und zum Zu- und Wegzug der Bevölkerung in den Nachkriegsjahren. Linz war bis in die 1950er Jahre zum einen von den Zuzugsströmen von FlĂŒchtlingen geprĂ€gt und zum 11 anderen von den vielen ehemaligen Zwangs- und Fremdarbeitern, die in Lagern und Baracken auf eine Ausreisemöglichkeit warteten.

Zahlreiche BroschĂŒren aus den FĂŒnfzigerjahren perpetuierten den Mythos des österreichischen Wiederaufbauwunders. In „Linz baut auf“, „Linz heute“ und „Linz im Profil“ wurde das neue SelbstverstĂ€ndnis Linz‘ als moderne Großstadt ĂŒber die dort gezeigten neuen Wohnbauten etwa in der Muldenstraße prĂ€sentiert. Auch große Unternehmen wie die VOEST waren fĂŒr das stĂ€dtische Image nach 1945 wichtig.

Statistiken zeigen die KontinuitĂ€tslinie bei Wohnungsbaugesellschaften: Die WAG und die GWG gehören bis 1945 ebenso wie nach 1945 zu den wichtigsten BautrĂ€gern der Stadt. Heute liegt der Wohnungsbestand in Linz bei ca. 100.000 Wohnungen, bei einem Einwohnerstand von ca. 200.000 Einwohner. Der Bestand der sogenannten „Hitlerbauten“ macht also aktuell ca. 10% des Wohnungsbestandes in Linz aus.

Ein sehr persönliches Dokument ist die handcolorierte BroschĂŒre von Renate Prochazka. FĂŒr ihre Enkel beschreibt Prochazka ihre Kindheit in der „Flaksiedlung“ in der Nachkriegszeit. Dieses Dokument gibt einen anschaulichen Einblick das Alltagsleben in einem NS-Wohnbau.


Autorin: Sylvia Necker


"HITLERBAUTEN" IN LINZ. Wohnsiedlungen zwischen Alltag und Geschichte. 1938 bis zur Gegenwart. Ausstellung im NORDICO Stadtmuseum Linz vom 21. September 2012 bis 20. JĂ€nner 2013.

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