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Ein neues Denken setzt sich durch


Am Ende des Mittelalters drangen die Ideen der Renaissance nach Mitteleuropa durch. Das Wort Renaissance kommt aus dem Französischen und heißt ĂŒbersetzt „Wiedergeburt“.Gelehrte und KĂŒnstler nahmen sich die griechische und römische Antike in vielen Bereichen zum Vorbild: in der Wissenschaft, der Architektur, der Malerei und Bildhauerei, der Literatur und Sprache. Die Antike wurde – nachdem die Menschen des Mittelalters sie weniger wichtig nahmen – wiederentdeckt oder „wiedergeboren“, daher auch der Name Renaissance. Die Renaissance wurde zu einer Kunstrichtung (Architektur, Bildhauerei, Malerei ...) und einer Geistesbewegung (Wissenschaft, Forschung, Bildung).
Wie bei (fast) allen Epochenbezeichnungen kannten die zu dieser Zeit lebenden Menschen den Begriff Renaissance aber noch nicht. Dieser wurde erst im 19. Jahrhundert allgemein gebrÀuchlich.

Ihren Ursprung hat die Renaissance im Italien des 14. Jahrhunderts, von dort breiteten sich deren Ideen ĂŒber weite Teile Europas aus. In Österreich reicht die Renaissance ungefĂ€hr von 1500 bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Der Übergang vom Mittelalter zur Renaissance erfolgte aber nicht plötzlich, sondern nach und nach, wie das bei allen Epochen der Fall ist. So finden wir Anzeichen einer neuen Zeit bei uns schon im 15. Jahrhundert, also noch im Mittelalter, etwa bei den Astronomen Johannes von Gmunden und Georg von Peuerbach.


Den Ideen der Renaissance folgend wurden zahlreiche wissenschaftliche Forschungen angestellt und dabei wandte man viele neue Methoden an: So wurden (Natur-) Beobachtung und mathematische Berechnung besonders wichtig. In der Medizin nahm man Untersuchungen an Leichen vor (Sezieren), obwohl dies von der Kirche verboten war. Zudem stieß die Botanik (Pflanzenkunde) auf großes Interesse; viele Adelige legten sich auch GĂ€rten und Parks mit exotischen Pflanzen an. Besonders intensiv wurde aber die Astronomie (Beobachtung der Sterne) betrieben. Forscher konnten schließlich bestĂ€tigen, dass nicht – so wie man im Mittelalter glaubte – die Erde, sondern die Sonne im Mittelpunkt des Weltalls steht: Aus dem geozentrischen Weltbild (Erde im Mittelpunkt) wurde das heliozentrische Weltbild (Sonne im Mittelpunkt). Aufbauend auf den astronomischen Forschungen begannen Menschen, hinaus auf die Meere zu fahren. Sie entdeckten den Seeweg nach Indien und Christoph Kolumbus lernte den fĂŒr die EuropĂ€er neuen Kontinent Amerika kennen. In der Folge kamen neue Waren und Lebensmittel nach Europa, die fĂŒr uns heute alltĂ€glich sind, z. B. Kartoffeln und Tomaten.

Das Weltbild begann sich nun langsam zu Ă€ndern. Die Menschen erkannten auch, dass sie auch manches selbst bestimmen können. Der einzelne Mensch (das Individuum) und das Streben nach Wissen rĂŒckten ins Zentrum. Diese Einstellung lĂ€sst sich mit der Aussage „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ auf den Punkt bringen. Dagegen verlor das Denken des
Mittelalters an Bedeutung. Im Mittelalter meinten die Menschen, dass jedem von Gott ein bestimmter Lebensweg vorgegeben ist, den man nicht verlassen sollte. Da die Menschen der Renaissance nun glaubten, dass nicht alles in Gottes Hand liegt, zweifelten sie auch immer mehr an den kirchlichen Obrigkeiten, vor allem am Papst. In dieser Zeit trat nun Martin Luther auf.

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