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Die Lehre Martin Luthers


FĂŒr die Menschen des Mittelatlers war Religion eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Sie beteten, verehrten die Heiligen, gingen auf Wallfahrten (in Oberösterreich z. B. nach St. Wolfgang oder St. Florian) und spendeten Messen, vor allem fĂŒr die verstorbenen Angehörigen. Besonders reiche Adelige gaben kostbare FlĂŒgelaltĂ€re in Auftrag (z. B. in Kefermarkt) oder bezahlten den Um- oder Neubau ganzer Kirchen. So entstanden Ende des 15. Jahrhunderts in Oberösterreich zahlreiche gotische Kirchen. Die Menschen erhofften sich, dass sie wegen dieser guten Werke nach dem Tod schneller in den Himmel gelangen könnten.

Im spĂ€ten Mittelalter ging die Kirche dazu ĂŒber, den Menschen zu erklĂ€ren, dass ihnen auf Grund guter Werke sogar die Strafen im Fegefeuer, die sie wegen ihrer SĂŒnden zu erwarten haben, getilgt werden können; man könne davon etwas „ablassen“. Zudem könne man auch bereits Verstorbene aus dem Fegefeuer auslösen. Der beste Weg dazu seien Geldspensen, die zum Großteil fĂŒr den Bau des Petersdoms in Rom verwendet wurden. So setzte ein regelrechter Ablasshandel ein: Man konnte sich von den SĂŒndenstrafen loskaufen und die Menschen empfanden keine Reue fĂŒr ihre SĂŒnden mehr.

In der Situation trat der Augustinermönch Martin Luther (1483–1546) auf. Er wollte die Kirche reformieren (daher auch die Bezeichnung Reformation) und kritisierte besonders den regen Ablasshandel. Seine Kritik formulierte Luther in 95 Thesen, die er 1517 in Wittenberg veröffentlichte, wo er auch als Professor an der UniversitĂ€t lehrte. Die Ideen Luthers fanden zahlreiche begeisterte AnhĂ€nger und verbreiteten sich in weiten Teilen Europas. Dazu trug auch der Buchdruck mit beweglichen Lettern bei, der die rasche Verbreitung von Texten leichter ermöglichte.

DER BUCHDRUCK MIT BEWEGLICHEN LETTERN

Diese Drucktechnik wurde um 1450 von Johannes Gutenberg, der eigentlich Johannes Gensfleisch hieß, in Mainz erfunden. Mithilfe von einzelnen in Blei gegossenen Lettern (Buchstaben) konnte man jeden Text beliebig zusammensetzen und ganze Seiten drucken. Ende des 16. Jahrhunderts fand der Buchdruck mit beweglichen Lettern zunehmend Verbreitung in Europa. Die erste Druckerei im heutigen Österreich befand sich in Wien (1482).

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Ablasshandel


Papst Leo X. forderte Luther in Worms auf, seine Thesen zurĂŒckzunehmen, da sie ein Angriff auf die Kirche seien. Luther aber weigerte sich; daraufhin wurde er aus der Kirche ausgeschlossen (exkommuniziert) und seine Schriften wurden verboten. Die Ideen Luthers fanden aber dennoch immer mehr AnhĂ€nger und die Reformation breitete sich in weiten Teilen Europas aus (Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Niederlande, England, DĂ€nemark, Norwegen, Schweden u. a.). Besonders viele „Lutheraner“ gab es auch in Oberösterreich.

Was waren nun die Ideen Martin Luthers?

1)
Da jeder Mensch immer wieder SĂŒnden begeht, können Fasten, Wallfahrten, das Anrufen von Heiligen und schon gar nicht Geld oder ein Ablass die SĂŒndenstrafen tilgen. Dagegen erlangen die Menschen Gottes Heil, wenn sie wirklich an Gott glauben und diesem vertrauen sowie ihre SĂŒnden aufrichtig bereuen. Letztlich zĂ€hlt also nur der Glaube an Gott (nur der Glaube - lateinisch: sola fide).

2) Der Mensch muss sich fĂŒr seine Taten nur Gott gegenĂŒber verantworten. Da Gott aber kein strafender Gott ist, schenkt er den GlĂ€ubigen das Heil aus reiner Gnade (nur die Gnade - lateinisch: sola gratia).

3) Die Heilige Schrift ist die einzige Quelle fĂŒr den christlichen Glauben und die Kirche (nur die Schrift - lateinisch: sola scriptura). Alles, was nicht in der Bibel steht, wurde spĂ€ter nur ergĂ€nzt und ist daher zu verwerfen.

In der Bibel werden auch lediglich zwei Sakramente erwÀhnt: Taufe und Heiliges Abendmahl. Daher gibt es in der evangelischen Kirche nur diese beiden Sakramente.

Luther sieht auch jeden berufen, das Wort Gottes zu verbreiten und die Bibel zu deuten. Dazu braucht man nicht unbedingt – wie in der katholischen Kirche –  einen Priester. Und obwohl er selbst Mönch gewesen war, lehnte Luther die Lebensweise im Kloster ab und heiratete im Jahre 1525 die ehemalige Nonne Katharina von Bora.

Einige Thesen Luthers

AUSFLUGSTIPP

Evangelisches Museum Oberösterreich in Rutzenmoos

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Im Evangelischen Museum Oberösterreich in Rutzenmoos erfĂ€hrst Du mehr ĂŒber Martin Luther und seine Lehre sowie die Geschichte der Evangelischen in Oberösterreich vom Beginn im 16. Jahrhundert bis zu Gegenwart. Ein Besuch des schön gestalteten Museums ist auf jeden Fall zu empfehlen.

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